Demos Ox #66ADULT NOISE ? Sektion 23 CD
contact@adultnoise.com
Dem Pressefoto nach sind diese fünf Münchener Herren tatsächlich erwachsen ? zumindest keine 20 mehr. Jetzt will ich nicht so klingen, als dürfe man Hardcore nur als junges Kid hören beziehungsweise spielen, vielmehr will ich im Gegenteil darauf hinaus, das ich hier ausgereifte ?Erwachsenen-Geräusche? erfahrener Musiker erwartet habe. Doch ADULT NOISE fanden erst kürzlich, 2005, zusammen und spielen keineswegs gediegene Schlafmusik oder modrigen Alt-Herren-Punk. Nein, eher verspielter, flotter 80er Hardcore-Punk dröhnt aus den Boxen, unter den leider nur vier Songs ein NEGATIVE APPROACH-Cover. Freunde von Bands wie DEAD KENNEDYS dürfen sich auf die geplante Tour Ende des Jahres oder auf einen Longplayer freuen. Dieses Demo jedoch ist arg zu kurz geraten, um sich ein eindeutiges Bild zu machen. (08:10) (6) Mario Turiaux
BLOODPOOL ? Drop In Times CD
www.bloodpool.de
Theoretisch ist ja nichts verwerflich daran, wenn 30 Jahre alte Männer die Musik spielen, die seit der Pubertät hören und lieben. Vor allem dann, wenn die Musik Hand in Hand mit Skateboarding geht, ist das meist lobenswert. Allerdings hat man ab einem bestimmten Alter doch auch eine gesunde Selbsteinschätzung, oder? Habe ich jedenfalls gedacht, doch BLOODPOOL überzeugen mich auf ihrer selbstveröffentlichten CD vom Gegenteil. Die Band probiert alten Skatepunk/-rock der 80er zu spielen und ich würde als klare Einflüsse Bands wie SUICIDAL TENDENCIES und FREE BEER nennen, allerdings hat das ganze hier maximal Demo-Qualität. Die Instrumente klingen nicht nur halb gekonnt, die Melodien wirken geklaut, und wenn man einfach nicht singen kann, dann lässt man es auch, vor allem wenn man nicht weiß, was Rhythmus heißt. Von den Texten will ich erst gar nicht reden. Die sechs Lieder hätte man sich echt sparen können und das Geld lieber für alte Skateboards bei eBay ausgeben können.
Jihad Jones
BLUTKEKS ? Demo MC
nomoremusic@web.de
BLUTKEKS sind fünf junge Punks aus Mainz, die vor knapp zwei Jahren angefangen haben ? irgendwelche Rockstar-Allüren oder Gitarrensoli kann ich hier also nicht erwarten. Stattdessen gibt es rüpeligen Sound in recht guter Aufnahmequalität, kombiniert mit sehr typischen Deutschpunk-Texten und einer klaren Haltung zu Staat, Szene und Gesellschaft. Anspruchsvoll oder ?ausgereift? ist hier nichts, das ist schlichter Deutschpunk direkt aus dem Proberaum ? respektabel und okay, aber wirklich nicht originell oder hitverdächtig. Im Jahr 2006 noch eine Kassette rauszubringen finde ich übrigens klasse: ein Grund mehr, die Band sympathisch zu finden. Aber eben nicht außergewöhnlich. (4)
Klaus N. Frick
DEINE ELTERN ? To Go! CD-R
Jörg Rollert, Cranachstr. 15, 50733 Köln
Eigentlich hatte diese Band bei mir schon verloren, bevor ich die CD überhaupt gehört hatte, weil die Erfahrung mich lehrte, dass Bands mit Namen dieser Art in der Regel ganz grausame Musik spielen. Nun sind diese Kölner zwar nicht meine neue Lieblingsband, gänzlich schlecht gefällt mir die selbst gebrannte CD mit zwölf Songs aber nicht. Grob gesagt, spielen DEINE ELTERN kratzigen Indiepop, der an eine sehr rauhe, angepunkte Version von TOMTE oder WIR SIND HELDEN erinnert. Die sehr an Farin Urlaub orientierte Stimme und die manchmal dünn bis brettig klingenden Gitarren sind weitere Merkmale des Sounds von DEINE ELTERN. Diese Mischung ist im Grunde ganz gut, es mangelt mir hier nur manchmal an Ideenreichtum, am Willen, aus dem gegebenen musikalischen Rahmen auszubrechen. Daher führt ?To Go!? bei mir zu keinen Begeisterungsstürmen, ist aber auch kein schlechtes Album, das Fans der genannten Bands sicherlich gefallen dürfte. (49:01) (6)
Lauri Wessel
EAT YOUR LIPSTICK ? Demo C-DR
hc-punk@hotmail.de
Nach nur wenigen Monaten stellt diese junge Frauenband mit Quotenmann an den Drums aus Regensburg ihr erstes Material vor. Die Sängerin Ana hat ein ganz schön aggressives Mundwerk. Musikalisch geht?s in Richtung AUTONOMY, TO WHAT END? und etwas CRASS/CONFLICT-Punk. Wenn jetzt noch die Lyrics dementsprechend wären, ein ganz klarer Fall für Profane Existance. Insgesamt sieben geradlinige, kurzweilige, aber auch sehr berechenbare und unspektakuläre Songs einer noch sehr jungen Band, von der Mann/Frau, sofern sie am Ball bleibt, sicher noch mehr hören wird. Da geht noch was! (12:08) (6)
Simon Brunner
INSPEKTOR TANZBÄR ? Demo CD-R
www.dieweltisteinescheibe.de
Deutscher Ska ist tatsächlich ein Fall für sich. Das alleine läge wohl an der Umsetzung der Musik und der Texte und weniger am Genre, so die Band auf ihrer Homepage. Umso gespannter bin ich und hoffe, dass INSPEKTOR TANZBÄR das halten, was sie versprechen. Zum Teil sind Leute der Band NIHILIST #2 mit dabei, die sich ja eines komplett anderen Genres bedienen. INSPEKTOR TANZBÄR will den Ska revolutionieren. Mag sein, dass nicht zuletzt wegen der Skinheads viele Ska-Lyrics diverse Klischees bedienen, aber wie viele Songs gibt es, die textlich belanglos sind?! Das ist nur bedingt die Misere des deutschen Ska. Mehr noch ist es, dass viele deutsche Ska-Bands einfach nicht in der Lage sind, gute Melodien in interessante Arrangements zu packen. Wenn dann noch der Text aussagekräftig und tiefgründig ist ? Treffer. INSPEKTOR TANZBÄR hat auf dieser Demo-CD eine sehr stimmige Bläsersektion. Alles andere ist wie gehabt, wie bei den meisten jungen deutschen Skabands. Hätte mich gefreut, wenn es eben mal wirklich anders gewesen wäre. (14:14) (4) Simon Brunner
JAKUZI?S ATTEMPT ? s/t MCD
www.jakusattempt.com
Auf ihrer unbetitelten Debüt-EP spucken JAKUZI?S ATTEMPT dem Hörer von der ersten Sekunde an Gift und Galle ins Gesicht. Und das nur, um ihn danach erblindet einen mit Dornen und Kettensägen übersäten Abhang herunter zu schubsen. Bluten sollst du! Richtig gut ist das hier gemacht, und man merkt, dass sich die junge Band um Schreihals Johannes die richtigen Vorbilder gesucht hat. Irgendwo zwischen CONVERGE und REFUSED ( zu Zeiten der ?The Shape Of Punk To Come?) versuchen JAKUZI?S ATTEMPT ihr eigenes Süppchen zu kochen und wechseln zwischen chaotischen Noise-Passagen und Free-Jazz munter hin und her. Live erwarte ich ein Feuerwerk, auf Platte brennt nämlich schon längst die ganze Stadt. (8)
Sebastian Wahle
JIZZLOBBERS ? Demo CD-R
www.jizzlobbers.de
Sieben erstklassige, kurze und schmissige Punkrock-Songs bietet dieses Trio aus Köln/Dortmund auf ihrer Demo-CD. Also wirklich, ich finde besser als die JIZZLOBBERS kann man wunderbar simplen Punkrock mit BRIEFS?scher Catchyness und Eingängigkeit kaum spielen. Mit ?The Man I Used To Be? ist hier sogar ein echter kleiner 1:27-Minuten-Hit drauf, von daher könnte dieses Demo auf Vinyl gepresst auch locker als kleine Hitsingle durchgehen. Da stimmt eigentlich alles! Alle Songs sind übrigens umsonst downloadbar und Auftritte suchen die JIZZLOBBERS auch immer. Also sofort bei denen melden, wenn ihr nix verpassen wollt! (11:52) (9)
Bernd Fischer
KID KOTELETT ? Ekstase total! CD-R
kidkotelett@gmx.de
Mrs. Punkrock trifft Mr. Surf ? Ergebnis dieser Liaison sind KID KOTELETT, geboren im Sommer 2004. ?Ekstase total!?, die erste Demo-CD des Freiburger Trios, wurde unter der fachkundigen Aufsicht von Beat Bröngo der LEOPOLD KRAUS WELLENKAPELLE aufgenommen, für ganze vier Stücke hat es nun gereicht. Zwei davon sind rein instrumental gehalten, chilliger Surf ohne Ecken und Kanten. Die beiden anderen Stücke erinnern besonders durch ihre Vocals an Punk à la PASCOW, weniger mitreißend, weniger Tempowechsel, aber trotzdem energischer und druckvoller Deutschpunk. Textlich wurde eher archaisch gearbeitet, den Instrumenten wurde der entscheidende Part in der Musik eingeräumt. Ein entspanntes Musikerlebnis, dem noch ein bisschen die eigene Note fehlt. Für das Debüt aber durchaus anerkennenswert.(10:38) (5)
Katrin Schneider
KSM 40 ? Demo 2006 MC
www.ksm40.de
Thrashpunk macht Spaß. Man muss nur rumballern und schreien und alles ist gut. Denkste! Dass man trotzdem Talent haben muss, weil sonst nur Schrottbands wie SAM NEILL und OVER THE TOP rauskommen, ist dann nicht allen klar. Fast hätte ich die Kölner Band KSM 40 auch total verrissen, da die ersten Lieder ihrer Kassette echt langweilig und schlecht gespielt sind. Aber auch hier gibt es dann auch etwas Besserung und vor allem Humor. Der ist wichtig, und wenn es um Geläster über Metaller geht, bin ich sofort dabei. Boah, Metaller sind voll peinlich, besonders so Möchtegern-Kinderfresser mit Corpse Paint und am besten noch BURZUM-Shirts. Über diese besondere Spezies wird sich hier unter anderem ausgekotzt. Die Samples zwischen den Liedern wirken etwas wahllos, aber das Ganze ist echt ganz nett. Seid froh, dass Jan euch letztens vor der IMHOFF YOUTH gesehen hat und meinte, ihr wärt live gut, sonst hätte ich das vielleicht ganz anderes gesehen, haha.
Timbo Jones
LINXLEGER ? L.i.n.x.l.e.g.e.r. CD-R
s_hebbe@gmx.de
Im Herbst 2000 in Tübingen gegründet, hauen die vier Mannen von LINXLEGER auf ihrer 4-Track-Demo-CD-R mit Offbeat-Punk auf den Tisch: zweimal Punk und zweimal Ska. Die beiden an RANCID orientierten Skapunk-Songs sind nicht überwältigend. Besser gefällt mir da schon der Track ?Supermarket? mit seinem unüberhörbaren 80er Jahre-HC-Einfluss: das klingt wie DISCHARGE meets MOTÖRHEAD. (11:44) (6)Kay Wedel
MARLA TURNS PALE ? Pick Up The Endless Worm MCD
www.marlaturnspale.de
Ihr drittes Demo ?Picking Up The Endless Worm? zeigt die Emo-Rock-Band aus Münster verändert. MARLA TURNS PALE haben eine neue Sängerin. Sophia tritt ein schweres Erbe an. Ihre Vorgängerin Verena prägte mit ihrem Gesang die letzte EP ?Site Seeing Tour? (2005) ganz wesentlich; sie polierte die manchmal etwas umständlichen Songs mit viel Pop-Appeal auf Hochglanz. Ein Jahr später ist die Musik ruhiger geworden, die Strukturen wirken homogener. MARLA TURNS PALE nehmen sich immer noch viel Zeit für ihre Songs, durchschnittlich fast fünf Minuten pro Lied und verzichten fast vollständig auf Brüche. Behutsam, fast übervorsichtig entfalten sie ihre Arrangements. Ließ ich mich in der letzten Besprechung noch zu einem Vergleich mit THE FORECAST hinreißen, so wirkt die Musik der Münsteraner heute weniger energetisch, vor allem, wenn man ihr das zeitgleich veröffentlichte Zweitwerk der Amerikaner gegenüber stellt. Keine Frage, auch Sophia singt technisch einwandfrei und investiert Leidenschaft, findet aber nie zur den kraftvollen, mitreißenden Melodien, die diese Band früher ausgezeichnet haben. So plätschern die vier Songs dahin, das letzte Lied verzichtet gänzlich auf Gesang und besteht nur aus einer spannungsarm gespielten Akustikgitarre. Schade. (18:23) (5) Arne Koepke
MISSING SHADOWS ? Fresh Blood For Rotten Vampires MC
www.myruin.de
Als Vorband der BRIEFS sind mir die MISSING SHADOWS letztens in Münster leider entgangen, obwohl ich vorher schon einiges über die Band munkeln gehört hatte. Und verdammt: wenn die echt so gut sind wie auf ihrem Demotape (Jawoll! Oldschool Tape mit Einfarbcover, nix CD-R!) hab ich echt was verpasst! Hervorgegangen aus den COLT SEAVERS (was für ein genialer Bandname!), mischt hier unter anderem auch der ältere Bruder von GRIZZLY ADAMS BAND/DUESENJAGER-Gitarrist Jan mit. Und an die Grizzlys erinnern mich die MISSING SHADOWS dann auch gleich ein wenig, allerdings mit einer dicken Kante leicht nostalgischem 77er-Rotzsound obendrauf und immer mit der kleinen Gitarrenidee an der richtigen Stelle. Ich weiß nicht, ob es am leicht germanischen Sangesakzent liegt, aber vom Feeling her erinnert mich dieses Tape auch an die guten, ganz alten Hamburger Bands wie BUTTOCKS oder sogar SLIME, als die in ihren Anfangstagen noch englisch gesungen haben. Grandioses Teil, ich denke das Tape wird mich noch einige Zeit begleiten. (15:16) (8)
Bernd Fischer
MYRA ? s/t CD-R
www.myra-metal.de
Woher nun der Name MYRA stammt, kann ich eindeutig auch nicht beantworten. Bei meiner Recherche fiel mir nur auf, dass MYRA sowohl eine antike Stadt, als auch ein Fluss in der Türkei ist, eine Fantasy-Welt und unter anderem Namensgeber einiger Städte in den USA. Nun, in einer Fantasy-Welt scheinen die Jungs von MYRA nicht zu leben, zu erdig klingt ihr Metal. Vier Songs stark ist ihr erstes, selbst betiteltes Demo und mit einer Spielzeit von zwanzig Minuten recht ordentlich geraten. Cleane Gesangsparts und diverse Gitarrensoli lockern den von der Band selbst genannten IN FLAMES, AT THE GATES und SOILWORK beeinflussten Sound auf. Geht in Ordnung. (20:39) (5)
Tobias Ernst
NIHILIST #2 ? Demo C-DR
www.diegentlemenbittenzurkasse.tk
Beim Recherchieren zur Münsteraner Band NIHILIST #2 stolperte ich in ein Internetforum, in dem Gitarrist Nils sich den Besuchern dieser Seite offenbarte. Sehr freundlich und irgendwie sympathisch, dass die Straight Edge-Thrashpunk-Formation handgeschriebene Infos und Skripte rumschickt. Wie wir spätestens seit der Münster-Mosh-Artikelserie im Ox wissen, ist Münster das deutsche Mekka des Straight Edge-Hardcore. NIHILIST #2 reihen sich nahtlos mit in den Reigen der zahlreichen Bands aus dem Münsterland ein. Düsterer Hardcore-Punk wechselt sich mit Thrash ab. Irgendwie erinnert das bei den straighteren Passagen etwas an CHAOS Z. Die rhythmisch anspruchsvolleren Parts holpern stellenweise noch etwas. Die deutschen Texte sprechen mich mal mehr, mal weniger an, aber insgesamt würde ich mir bei derartiger Mucke wünschen, dass man mehr auf den Punkt kommt. Je düsterer und sphärischer NIHILIST #2 werden, was durchaus auch mal ruhiger sein darf, umso mehr Kraft strahlen die Songs aus, aber: weniger Schreiattacken, bitte. Unterm Strich sind die fünf Songs für ein Demo ganz in Ordnung. Mein Anspieltipp, wenn ihr euch einmal auf der Homepage befinden solltet, ?Wir sind keine Insekten?. (13:46) (6)
Simon Brunner
OWN ? From The Ashes Of A New Revolution CD-R
www.owncore.de
Chaoscore nennt die Band selbst ihr Gemisch aus ? im weitesten Sinn ? Newschool-Hardcore mit ein wenig Metal-Einschlag, der sich unter dem Einfluss namhafter Bands wie ISIS und CONVERGE entwickelt hat. Und die Mischung gefällt. ?From The Ashes Of A New Revolution? ist für ein Demo qualitativ erstaunlich gut ausgefallen. Vier neue Songs geben die Nürnberger zu Protokoll, jeder für sich ein Kracher, besonders aber das abschließende ?Undying hope? mit der Orgel zu Beginn und die musikalische Entwicklung, die der Song anschließend durchmacht, hat es mir angetan. Und dass Sänger Bastian Härte nicht nur durch Geschrei ausdrückt, sondern auch die gesprochenen Parts und die knallharten Lyrics ein ganz eigenes Feuer im Sound entfachen können, macht es für die Band wünschenswert, bald einen Plattenvertrag zu bekommen. Sauber! (17:27) (7)
Tobias Ernst
REVERIE ? All U Wanna B CD
www.reverie-rock.de
Von der Aufmachung (schönes Comiccover mit jeder Menge Klischee-Flammen) und Produktion her würde ich die Scheibe von REVERIE ja glatt als professionell durchgehen lassen, aber die Jungs haben das Ding selbst als Demo deklariert, deswegen landet es also in dieser Rubrik. Sechs Songs befinden sich auf der CD, die irgendwo in der Schnittmenge von Rock und Punk im Sinne der DONOTS und BAD RELIGION liegen. Dazu kommt ein guter, klarer Gesang und auch Chöre haben die Jungs gut auf dem Kasten. Beim Song ?Bring back bottle? hör ich sogar etwas FLOGGING MOLLY raus. Hm, ich reg mich ja öfters mal über den ideenlosen Rock/Punk/Metal-Stilmix der meisten Bands aus meinem Heimatlandkreis, dem Emsland (denn genau da her kommen auch REVERIE), auf, aber REVERIE ziehen sich mehr als passabel aus der Affäre. Sie schaffen es, dem Sound ihre eigenen Note aufzudrücken und ? bis auf den etwas schwächeren, allzu metallastigen letzten Song ? über die gesamte Spieldauer interessant zu bleiben. Okay, hier und da könnte mal die ein oder andere Songspielerei weggelassen werden und ich persönlich stehe ja auch eher auf weniger glatt polierten Sound (dabei schlachtet Produzent Jörg Uken doch bei DRUGSTOP die Hardcore-Punk-Sau), aber insgesamt ist das hier eine gute, kurzweilige Scheibe, die man auch mal öfter in den Player legen kann. Gut gemacht Jungs! (21:12) (7)
Bernd Fischer
SON ET LUMIÈRE ? Canon MCD
www.sonetlumiere.de
?Ton und Licht? heißt der Bandname übersetzt, und hätte es ?Licht und Schatten? geheißen, dann wären die Kalauer schon vorprogrammiert gewesen. So muss ich noch einmal neu ansetzen. Die fünf Bochumer spielen in dieser Besetzung erst seit 2005 zusammen und haben jetzt ihre ersten Songs auf Band gebannt. Immerhin hat es einer ihrer Songs schon zum Trailer für eine Fernsehsendung gebracht, und so bin ich natürlich gespannt, ob sich daraus etwas entwickelt. Musikalisch vermischen SON ET LUMIÈRE Metal und Emo miteinander, womit sie momentan voll auf der besten Welle reiten. Vielleicht ist es erwähnenswert, dass hier eine Frau die Leadvocals übernimmt. Sie singt okay, wird also mit den üblichen Floskeln angepriesen. Mir fehlt etwas der Überblick über die führenden Größen dieses Genres, aber zumindest kann ich sagen, dass die Band schwungvoll die Extreme ?professionell? und ?dilettantisch? umschifft, insgesamt also kein hoffnungsloser Fall ist. (21:03) (6)
Christian Meiners
SCRAGS ? s/t CD-R
www.thescrags.com
Schwedische Kleinstädter scheinen ja stark dazu zu tendieren, ihre Zeit gerne mit elektrisch verzerrtem Krach in schwitzigen Garagen zu verbringen. Das gilt auch für THE SCRAGS aus Gävle. Während Sänger Antonio Stiletto optisch schon stark an Mike Maker erinnert, geht die Band auch musikalisch gleich in dieselbe Richtung. Mit ihrem coolen, wilden und leicht übersteuerten 60s Garagenrock, irgendwo zwischen MAKERS, SWINGIN? NECKBREAKERS und Konsorten, brauchen sich THE SCRAGS keineswegs hinter Landsleuten wie den SONS OF CYRUS oder frühen MANIKINS zu verstecken. Neben fünf coolen Songs im passenden Soundgewand ist auch noch ein einminütiges Video auf der CD, das beweist, dass speziell der Sänger nicht alle Latten am Zaun zu haben scheint! Sehr gutes Teil! (10:29) (8)
Bernd Fischer
SPARMARKT-TERRORISTEN ? Demo CD-R
www.sm-t.de.vu
Räudiger Deutschpunk irgendwo aus dem norddeutschen Raum: Titel wie ?Scheiß drof? (so steht es im Booklet der CD) oder ?Bullen Terror? machen klar, wo die Band steht und was sie musikalisch sowie textlich produziert. Rockend-rotziger Deutschpunk mit röchelndem Brüllgesang, das alles in durchschnittlichem Tempo vorgetragen ? SPARMARKT-TERRORISTEN sind nicht gerade Filigranmusiker, wollen das sicher auch nicht sein. Pogo-tauglich ist ihr Sound allemal, und überzeugend klingt das Ganze sowieso. Authentischer Deutschpunk also, bei dem die schwache Aufnahmequalität (klingt schwer nach Proberaum) nicht einmal stört. Auf Dauer finde ich das langweilig; aber wer diese Richtung mag, kriegt hier eine tüchtige Dosis Krach. (3)
Klaus N. Frick
SURFIN? BIRDS ? The Last Time MC
surfinbirds999@aol.com
Nach den MISSING SHADOWS ist dies schon das zweite Tape, das mir für diese Ausgabe ins Haus flattert! Und wer Magnetbänder scheiße findet, für den zitiere ich an dieser Stelle den Infozettel der SURFIN? BIRDS: ?In Zeiten von PC/Mac und totaler Medienüberflutung ein Stück zurück auf?s good old Tape. Hat überhaupt noch jemand einen Kassettenrekorder?! Denn damals war die Musik und der D.I.Y.-Gedanke wichtiger als 4-Farb-Cover und Bonus-DVD. Wem das jetzt nicht passt und denkt: ?Schade, auf CD-R hätt ich mir das Demo ja besorgt ... aber so??? soll kacken gehen!? Ein wunderbares Statement! Sollte man sich einrahmen ... Aber nun zur Musik: bei einem Bandnamen wie THE SURFIN? BIRDS, hab ich natürlich mit Drei-Akkord-RAMONES-Punkrock gerechnet, aber das umschreibt den Sound nur bedingt. Ein ordentlicher Touch 90er Melodycore ist nämlich nicht zu verleugnen, vor allen Dingen bei den Drums. Und so verwundert es nicht, dass die SURFIN? BIRDS sich bereits zur Jahrtausendwende aufgelöst haben und die hier versammelten vier Songs (plus Radioschnipsel am Ende) quasi das Vermächtnis der Band darstellen. Wer Lust hat, sollte bei dem auf 100 Stück limitierten Tape ruhig ein Ohr riskieren. Attitüde gibt?s inklusive! (20:00)
Bernd Fischer
TRASH SOCIETY ? s/t MCD-R
www.trashsociety.de.vu
Irgendwo im Nirgendwo bei Celle vergewaltigen seit gut drei Jahren vier Punks ihren Proberaum. Man beruft sich darauf, dass auch RASTA KNAST hier ihren Ursprung haben. Aber hey, warum verzweifelt nach Aufmerksamkeit durch Namedropping ringen, wenn doch das erste 6-Song-Demo völlig überzeugend daherkommt!? Seid froh, dass immerhin vier Typen im Dorf Sinn für gute Musik und Attitüde haben! Simpler 80er Olschool Marke SICK OF IT ALL, WHERE FEAR AND WEAPONS MEET, dazu eine gehörige Portion Streetpunk und sinnvolle Texte, teils englisch, teils deutsch. Geht doch! Jetzt nur noch irgendein Label suchen und schnellstens eine Tour organisieren! Ist ja heutzutage kein großes Problem mehr ? vor allem mit nettem Demo im Gepäck. (17:26) (7)
Mario Turiaux
UNQUOTE ? Open Books Unwritten MCD
www.unquote.de
Unglaublich! Das erste Lebenszeichen der jungen Duisburger Band ist eine kleine Hitansammlung. Getreu dem Motto ?Jeder Schuss ein Treffer? frickelt sich die Band durch ihre erste EP ?Open Books Unwritten?. Nicht umsonst haben die sechs Jungs auch schon den einen oder anderen Newcomer-Wettbewerb gewonnen. Trotz der nicht ganz so druckvollen Aufnahme klingt die Band, wie jede verdammte junge Band klingen muss: abwechslungsreich, frisch und vor allem spannend. Technisch wird hier auf sehr hohem Niveau Musik gemacht. Es wäre ungerecht, die Gruppe auf die Stimmen von Sänger Sascha und Schreier Björn zu beschränken, denn schließlich passt hier alles perfekt: Schlagzeuger Daniel schafft es im Zusammenspiel mit Bassist Stephan, die vertrackten Takte und Mosher super druckvoll und tight rüberzubringen, die beiden Gitarristen Widura und Axel wechseln gekonnt zwischen Verspielten Passagen à la NUMBER 12 LOOKS LIKE YOU und fetten Breakdowns. Diese Band ist heiß! Alle Tracks der EP kann man sich übrigens auch im Internet runterladen, auswendig lernen und bei einem der nächsten Konzerte der Band mitsingen. Ich will, dass die einen Plattenvertrag kriegen. Aber so was von schnell! (10)
Sebastian Wahle
VAN DOGS ? s/t CD-R
www.the-van-dogs.de
Da mir hier nur eine CD-R mit Coverausdruck vorliegt pack ich das Ding mal in die Demo-Rubrik. Aber die 12 Songs der VAN DOGS sollen offensichtlich auch noch als regulär gepresstes Album erscheinen. Da heißt es Augen aufhalten, denn nach mehrmaligem Hören hinterlässt die Scheibe bei mir einen absolut positiven Eindruck. Als ich dann aber rausgefunden habe welche Kombination von Leuten hier zusammen spielt, fiel mir doch ein wenig die Kinnlade runter. Denn wer hätte gedacht das flotter, bissiger und eingängiger Punkrock dabei herauskommt, wenn man den Bassisten der besten deutschen Garagenkrachtrashcombo (SUPERHELICOPTER), einen Grindcoredrummer (ERADICATE), einen ex-Hardcore Gitarristen (GROWING MOVEMENT) und eine ausgebildete Jazzsängerin in ein Studio steckt?! Vor allen Dingen weiblicher Gesang ist bei Punkrocksachen ja unter Umständen eine etwas heikle Angelegenheit, die auch schnell mal nach hinten losgehen kann wenn die Stimme zu eintönig ist. Davon ist aber bei THE VAN DOGS nichts zu hören, so dass die Band nicht wie der x-te DONNAS-Klon rüberkommt. Im Übrigen fallen mir auch nicht wirklich vergleichbare Bands ein, da die VAN DOGS einen eigenen, modernen und ausgereiften Sound bieten, der mir nur an ganz wenigen Stellen etwas zu vertrackt daherkommt. Sonst gibt?s hier aber von meiner Seite aus absolut keine Beschwerden. Für alle die Interesse an der Musik haben gibt es auf der Homepage Hörproben und der ?richtige? Albumrelease folgt dann hoffentlich bald. Außerdem sucht die Band noch Auftrittsmöglichkeiten im Herbst, also Booker: Bitte melden! (31:39) (7)
Bernd Fischer
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