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Der Hausmeister und das Zelt.

"Sehr geehrter Herr Bohnensack. Leider müssen wir das mit Ihnen abgeschlossene Mietverhältnis fristlos kündigen, da uns zu Ohren gekommen ist, dass Sie unseren Hausmeister, Herrn G., sexuell belästigt haben."

Es würde mich nicht wundern, wenn mich in Kürze ein Schreiben meines Vermieters erreichte, das einen ähnlichen Wortlaut wie den obigen enthielte. Und das nicht zu Unrecht.
Die Vorgeschichte: Auch die vierköpfige Ox-Redaktion pflegt jedes Jahr das traditionelle Weihnachtsessen, begleitet von verdienten Mitarbeitern, Freunden und Lebenspartnern. Und mögen wir uns in der Wahl der Speisen von den zig anderen, ähnlich gelagerten Vor-Weihnachtsfeiern in der ganzen Welt dadurch unterscheiden, dass es ausschließlich Vegetarisches gibt (dieses Mal vom Griechen), in dem Punkt, dass der größte Posten auf der Rechnung die alkoholischen Getränke sind, stellen wir keine Ausnahme dar. Die von mir schon während des "Essens" angetrunkene Bettschwere wird dann durch noch mehr Bierkonsum am Solinger Hauptbahnhof gesteigert, da der Kollege Thomas Renz und ich sowie unsere Liebsten den angepeilten Zug zurück nach Köln selbstverständlich verpassen und Zeit totzuschlagen haben.
Ich schlafe in der folgenden Nacht sehr, sehr tief. Zwar bekomme ich halbwegs mit, dass meine Liebste am nächsten Morgen gegen halb acht zur Arbeit aufbricht, als mich dann aber irgendwann (zwanzig nach acht, um genau zu sein, aber das wusste ich da noch nicht) ein mehrmaliges Klingeln an der Wohnungstür weckt, bin ich noch so schlaftrunken und verwirrt, dass ich - und so was mache ich sonst nie! - tatsächlich aus dem Bett springe und die Tür öffne. Mit völlig zerzaustem Haar, tiefroten Augen samt dazugehörigen dunklen Ringen, einer wahrscheinlich furchtbaren Fahne und in meinem Bart Simpson-Schlafanzug.
"Morgen, Herr Bohnensack. Ich wollte mir mal Ihre Toilette ansehen. Aber die Türklingel funktioniert doch." Natürlich, Herr G., "mein" Hausmeister, den ich am Tag zuvor angerufen hatte, weil die Klingel neben der Wohnungstür nur jedes vierte Mal funktioniert und weil ein ständiges Wasserrinnsal aus dem Klokasten ins Klo läuft. "Äh ... nee ... die Klingel geht halt nur ab und zu und das Klo ..." Verdammt, ich kann den riesigen Mann kaum sehen, meine Stimme ist brüchig und so tief, dass ich sie kaum selbst erkenne und ich habe den verdammten Bart Simpson-Schlafanzug an! "Ich sehe mir das mal an ... habe ich Sie geweckt? Ich habe Sie schon angerufen, aber da ist niemand ran gegangen" - "Ja ... nein ... ich hätte eh schon längst ..." Ich führe ihn ins Badezimmer (das von mir so gerne zelebrierte im Halbschlaf pinkeln gehen, dann nicht abspülen, sondern wieder zurück ins Bett, nachdem die Liebste die Wohnung verlassen hat, habe ich zum Glück ausgelassen), er sieht kurz fachmännisch ins Klo, dann wieder mich an. "Da können wir dieses Jahr nichts mehr machen, ich gebe aber Ihre Nummer wegen eines Termins an die Firma XY weiter." - "Ja ... okay ... Januar reicht völlig, ist ja halb so wild." - "Gut, Herr Bohnensack, dann sehe ich mir Ihre Klingel noch mal an, hole die etwas aus der Wand. Ignorieren Sie das einfach, wenn es dabei klingen sollte. Auf Wiedersehen" - "Hmm ... ja ... gut ... tschüss." Verdammt, wie peinlich. Was soll der Mann denn jetzt von mir denken? Warum habe ich überhaupt die Tür geöffnet? Verfluchter Bart Simpson-Schlafanzug! Ich steh' doch jetzt da wie ein Idiot. Ich gehe zurück ins Badezimmer, sehe in den Spiegel und dann - warum auch immer - an mir runter. Nein ... Nein ... Oh, bitte ... NEIN! Doch es ist unübersehbar: Das berühmte Zelt. Die so genannte Morgenlatte. Zwar nicht ganz so schlimm und ausgeprägt, wie es hätte sein können, aber dennoch deutlich sichtbar. Hat er das gesehen? Nein, kann er nicht, er hat mir die ganze Zeit ins Gesicht geblickt. Und aufs Klo. Aber er hat mich nicht von oben nach unten gemustert. Er kann es nicht bemerkt haben. Oder doch? Und wenn schon, er ist schließlich auch ein Mann, er kennt das. Er weiß, dass man das nicht beeinflussen kann ...
Ich werde Herrn G. nie wieder unter die Augen treten können. Ob er es nun bemerkt hat oder nicht. Denn entweder wird er sich erinnern und sein Blick mich durch die Hölle wandern lassen oder mir wird jedes Mal wieder einfallen, dass ich einst mit einer halbherzigen Morgenlatte vor meinem Hausmeister stand. Im Bart Simpson-Schlafanzug.
André Bohnensack

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