THE DYNAMITE RATTSwahre Geschichte über eine erfundene Band Teil 6: Roadrunner, Roadrunner
In den verregneten Sommerferien, Anfang der Achtziger Jahre, kreierte ich zwischen den gängigen Musikzeitschriften Bravo, Pop/Rocky, Popcorn, dem Metal Hammer und Kassetten mit meinen Spielsachen die Rockband THE DYNAMITE RATTS, bestehend aus drei Stofftieren, Freddy Chest (Gitarre), Joe Lord (Bass), Ronnie Moreno (Schlagzeug) und mir als Bandleader - Simon Brien. Unser, bis dato, einziger Auftritt wurde vom aus Legoresten gebauten "Ghetto" live übertragen. Wochen später erfuhren wir, dass dieser Livemitschnitt in den USA veröffentlicht wurde und sogar Charterfolge landen konnte. Kurze Zeit später erschien das Album "Jump In The Fire" auch in Europa und platzierte sich in den Charts. Zwei Singles wurden veröffentlicht. Von "One woman in arm" gab es sogar ein Video. Von diesem Erfolg beflügelt, unterschrieben wir einen Plattenvertrag. Wir wurden ins Studio gesteckt, um an unserem ersten Studioalbum zu arbeiten. Bis zur Veröffentlichung durften wir keinerlei weitere Konzerte spielen. Akribisch spielten wir vierzehn Songs ein, die jetzt endlich fertig gestellt waren. Das Album wurde veröffentlicht und nur ein paar Tage später sollten wir auf große Europatournee gehen. Die Ratten verließen endlich ihre Löcher. Das Album schaffte es sofort in die Charts. Drei Singles wurden bis zum Jahresende geplant: "Why?", "Romance And Fantasy" und "Last Rainbow". Auf der B-Seite ein etwas schwächeres Stück von der Platte. Schon damals entwickelte ich eine Aversion gegen die Flut von zweitklassigem Material und Versionen, die kein Mensch braucht. Während die Plattenfirma die letzten Vorbereitungen für die anstehende Tournee traf, wurden wir zum Videodreh geschickt. "Why?" hatte thematisch mit dem Kalten Krieg zu tun. Musikalisch hatte das Stück Parallelen zu DEAD KENNEDYS' "Too drunk to fuck". Für das Video stellten wir Schreckensbilder, für das Auge kaum zu verfolgen, zusammen. Dazwischen immer wieder die Band, die in einem "zerbombten" Haus spielte. Die Plattenfirma versuchte, an das Bühnendebüt im baufälligen "Ghetto" anzuknüpfen. Die passenden Drehorte fand ich im Neubaugebiet, zwischen Bauschutt und Rohbauten, einen Straßenzug weit vom Haus meiner Eltern entfernt. Die Geschichte, ein typisches Endzeitspektakel, ähnlich manchen MOTÖRHEAD-Videos. So wechselten Nahaufnahmen der Musiker und Instrumente ab mit Schreckensszenarien der Welt. Musikalisch und textlich ganz anders hingegen "Romance and fantasy". Schmachtender Pathos, eine Mischung aus Hardrock und Wave, wie man dies von THE DAMNED in ihrer Wave-Phase kannte. Damals war ich furchtbar verknallt in ein Mädchen der Parallelklasse. Bei den DYNAMITE RATTS war ich bereits zwanzig Jahre alt, schließlich hat Rock'n'Roll nichts mit Kindergarten zu tun. Ich schmachtete diesem Mädchen jede freie Minute hinterher. Da ich viel zu schüchtern war, sie anzusprechen, stand ich lieber im Regen vor dem Haus ihrer Eltern mit meinem 24"-Zoll-Damenfahrrad. Es kam gerade in Mode, dass Musiker in den Videos unmotiviert im Regen agierten. In schwarzen Lederklamotten lief ich bei dem Dreh im strömenden Regen durch die Gegend. Verfolgt von der Kamera ging ich durch Straßen, Wohngebiete, Einkaufs- und Vergnügungsmeilen, Industrieanlagen und Parks. Bei den Instrumentalteilen wurden Nahaufnahmen von Gitarrist Freddie Chest gedreht. Ronnie und Joe sah man lediglich im Hintergrund konzentriert an ihren Instrumenten. Während ich alleine und einsam dreinblickend an den jeweiligen Orten unterwegs war, stand die Band inmitten des dort üblichen Alltagsgeschehens. Freddy, Joe und Ronnie hatten auch immer angepasste Klamotten an: Blaumann im Industriegebiet oder Freizeitkleidung im Park. Ich hingegen trug Schwarz in Leder und immer im Regen. Mein älterer Cousin hatte mir seine alte Lederjacke vermacht, auf der ich zum Ärgernis meiner Eltern Punk-und Heavy-Metal-Buttons anbrachte. (Fortsetzung auf www.kunstlieben.de/tdr.html) Simon Brunner
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