Aus dem Tagebuch eines Gewinners #78 17.02.08:Sonntagmittag. Ich fühle mich wie seit langem nicht mehr. Wieder grüßt das Murmeltier, der alte Cassettenrecorder des Lebens steht auf Repeat und scheint die guten wie die schlechten Tage immer und immer wieder abzuspielen. Gestern war ein guter Tag und eine fantastische Nacht. Man musste kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, wie das Richtfest von Voms neuer Bar verlaufen würde. Es war wieder einmal von allem zuviel, wir haben Hüte mit Obelixzöpfen getragen, sind von Stühlen gefallen, haben zu M.O.T.O. und TEENAGE BOTTLEROCKET Karaoke getanzt und jetzt bin ich froh, dass Sonja mich nicht so sieht, weil sie zur Zeit bei ihren Eltern ist. Nach drei viel zu kurzen Nächten, in denen mich eine hartnäckige Bronchitis kaum hat schlafen lassen, wollte ich eigentlich nur kurz ... aber auch das kenne ich, kennt Sonja, kennt mein Tagebuch bis zum Erbrechen. Jetzt sitze ich hier mit dem zweiten Espresso, fahrig, dünnhäutig und dermaßen sensibel, dass mir vorhin bei "Girls United" noch Tränen in den Augen standen. Bei "Girls United"!! Hallo?! Ein mittelmässiger Cheerleader-Film mit Kirsten Dunst, rührend amerikanisch, klischeeüberladen, bei dem ich noch im Bett liegend und noch vor dem ersten Gang zur Toilette hängen geblieben bin, um am Ende des Films mein dickes Prinzesschenkissen zu bewässern. Es fühlt sich gerade ... ja ... irgendwie fühlt es sich armselig an. Mein Gott, gar nicht auszumalen, was ich bei "Free Willy" oder "Pocahontas" angestellt hätte. Der Flüssigkeitsverlust wäre vermutlich bedrohlich gewesen. Aaah, ich hasse diese verdammten Tage danach. Diese fühlbare Kehrseite der Medaille mit der Prägung "Selbst schuld" und dem ewig hohen Jammerfaktor. Aber so ist es halt, und so wird es vermutlich auch bleiben. Nur erstaunlich, dass ich nach mindestens einer Packung "Camel ohne" keinerlei Anzeichen mehr von Bronchitis habe. Da soll noch einer sagen, rauchen sei ungesund. Unsinn!
20.02.08: THE DEATH SET geben im Kölner Sonic Ballroom vor nicht mehr als 30 Zahlenden schon jetzt eines der besten Konzerte des Jahres. Was Räuber Hotzenplotz an Gitarre 1, Johnny an Gitarre 2 und Japhet an den Drums vor der Bühne unseres Lieblings-Clubs veranstalten ist Fleisch und Ton gewordenes Amphetamin, höchst unterhaltsam, rau und rasant, aufregend und symphatisch. Und wie es die Clips auf Youtube schon erahnen ließen, lieben die beiden Australier und ihr kontinentaler Schlagmann die Nähe zum Publikum und gehen auf direkte Tuchfühlung, indem sie ihr Set nicht etwa auf der Bühne sondern, wenn immer möglich, mitten in der kleinen Menge der (noch) kleinen Clubs aufbauen. Die Wirkung ist enorm: Schon mit den ersten soul- und discolastigen Klängen aus der zugeschalteten Jukebox kommt Bewegung in die Umstehenden, und als das Trio urplötzlich sein kleines elektronisches Punkrock-Feuerwerk zündet, kann es keine Zurückhaltung mehr geben. Es scheint fast gefährlich, wenn sich die beiden Gitarren durch die Leute pflügen und sich ihre Träger an der Menge reiben, während sie Hits wie das absolut geniale "Negative thinking" spielen. Das ist grandios. Das ist irre. "Das ist Punkrock 2008!" bringt es Ballroom Mitbesitzer Roman auf den Punkt. Er ist ein weiser Mann.
28.02.08: Sonja kocht ganze Möhren für den Kartoffelsalat. Und weil ich ihr versprochen habe, beim Schälen und Schneiden zu helfen, greife ich in den großen alten Topf von Oma Friedel, um das erste Mal in meinem Leben eine gekockte Möhre in die Hand zu nehmen und "Iiiiiiiiiihhhhhhhh..." schreie ich, dass es auch der alte Mann im Büdchen unten an der Ecke hören muss. Sofort kommt Sonja ins Wohnzimmer gerannt, wo ich mit dem Topf vor dem Fernseher sitze, in der einen Hand das Messer, in der anderen die gekochte Möhre. "Tom, was ist los?" schreit auch sie und starrt mich mit aufgerissenen Augen an. "Das ... das ..." stottere ich "das fühlt sich an wie Pimmel!" Und während Sonja die Augen verdreht und mit einem Seufzer den Wohnraum wieder verlässt, sitze ich noch immer mit verzerrtem Gesicht und der Möhre in der Hand vor dem großen Topf von Oma Friedel. Das ist unglaublich! Jeder, der schon mal eine gekochte Möhre in der Hand gehalten hat, wird wissen, was ich meine. Ich habe selten gefühlsechter gefühlt und muss gestehen, dass mir die Weiterverarbeitung der Karotten nicht leicht gefallen ist. Aua ...
22.03.08: Fast ein Monat ist seit dem letzten Tagebucheintrag vergangen. Kommende Touren, laufende Touren, DJ-Jobs, Konzerte, das kranke Haustier und die geschäftlichen Treffen mit dem toxischen Zwilling lassen mir gerade noch etwas Zeit für Toilettengänge, Körperflege, Essen und Ebay. Letzteres wird langsam gefährlich und es gilt, nicht die Kontrolle zu verlieren. Nach nunmehr drei Jahren Indiepop und Elektro beim Ping Pong Club sehne ich mich zurück nach den Wurzeln und kaufe wie bescheuert altes Punkrock- und Hardcore-Vinyl. Erstpressungen von den BAD BRAINS, von BLACK FLAG, den ADOLESCENTS, den WEIRDOS, von SHOCK ("This generation's on vacation? - großartig), die "KZ 36"-Sampler usw. Mit dem Geld, das ich in den letzten Wochen dafür ausgegeben habe, könnte ich eine Woche auf einem Kamel durch Ägypten reiten oder zwei Wochen lang schon morgens roten Wein auf der großen Veranda eines kleinen Ferienhauses auf Sardinien trinken. Natürlich wäre das reizvoll, zumindest letzteres, aber ... was ist nach den zwei Wochen? Eine Woche später ist die Erholung längst wieder auf Trebe, aber die Platten stehen noch immer im Regal und werden Jahre später für glückliche Sammlermomente sorgen.
Wie dem auch sei, Ping Pong ist tot, und es macht mir nicht einmal was aus. Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass ich Ping vermutlich kaum noch sehen werde, da selbst die geringe Entfernung von Düsseldorf nach Dortmund aufgrund Zeitmangels fast unüberbrückbar erscheint. Und während Ping lieber zu HADDAWAY bei Trashpop tanzen geht und auf dem Melt!-Festival mit bis zum Bauchnabel geöffnetem Hemd, und einem Cuba Exstasy mit Schirmchen in der Hand nervös auf der Stelle zappelt, erfreue ich mich an bekloppten Australiern in kleinen verrauchten Clubs, in denen fast Vierzigjährige mit dem Kopf auf der Theke schlafen und das Hausgetränk "Kettenfett" heißt. Auch die kommende Woche dürfte mit einigen Shows und Umzugsvorbereitungen im Weird World-Büro stressig werden, und sie beginnt nach meiner Zeitrechnung schon am heutigen Samstag in Emsdetten mit einer weiteren TOXIC TWINS-Nacht. Vom wird mit dem Auto direkt aus dem Studio von den Aufnahmen zum neuen DTH-Album kommen, ich mit dem Auto direkt aus Düsseldorf, wohin ich im Anschluss an die Nacht direkt zurück kehren muss, weil der Hund allein zuhause ist. Ich werde mit ihr jetzt noch eine lange Runde drehen, bevor es gegen halb neun Richtung Emsland geht. Ich bin müde.
23.03.08: Stella ignoriert mich zurecht, als ich erst kurz vor 11.00 mit dicken Augen vor ihr stehe und versuche, mich bei ihr zu entschuldigen. Ich kann sie erst mit einem Leckerchen aus der Reserve locken, dann ist das Eis auch schnell wieder gebrochen. Es war wohl auch vermessen zu glauben, ich könnte 1. mit Vom und 2. bei den Wahnsinnigen in Emsdetten die Nacht mit nicht mehr als drei Bieren bestehen. Was für eine Dimension von Selbstbetrug. Wie immer in Emsdetten eine unglaubliche Nacht, die mit einer tödlich dicken Zigarette endete, nur knapp drei Stunden bevor mir Clubbesitzerin Katrin wie im Traum erschien. "Tom?! Tooohhooom?! Du musst wach werden! Es ist schon 9.00!" Was? Wer? Wo bin...? "Ich sollte dich ja schon um 7.00 wecken, aber da war nichts zu machen." Oh verdammt ... natürlich ... 9.00 und ich lag noch immer komplett bekleidet in diesem weichen Bett in Emsdetten. Vom neben mir, komplett angezogen. Und mein Hund allein zuhause, auf seiner eigenen kleinen Privatcouch. Hoffentlich. Ich kann kaum beschreiben, wie beschissen es mir heute morgen auf der Rückfahrt ging. Ich weiss nicht genau was schlimmer war, der Kater, oder die Sorge um den Hund, gepaart mit einer grossen Portion Schuldgefühl. Und jetzt, im Nachhinein, wo es mir etwas besser geht, muss ich doch grinsen, wenn ich daran denke, wie Stella mich nicht einmal angeschaut hat, nachdem ich die Treppen zu unserer Wohnung quasi hochgeflogen bin, um dann keuchend vor ihr zu stehen und um Verzeihung zu bitten ... und wie schnell was Feines vom Metzger die Situation dann doch wieder bereinigen konnte. Ich liebe diesen Hund!
24.03.08: Ich spüre Emsdetten noch immer, als ich am Abend PHONOBOY aus München/Berlin/Frankreich treffe, die im Kölner Gloria WE ARE SCIENTISTS supporten. Wir treffen uns zum ersten Mal, seitdem ich die Band neu im Booking habe, und nachdem sie das Publikum mit unglaublich charmanter und tanzbarer Popmusik auf ihre Seite ziehen. Und obwohl 90% der etwa 500 Besucher nie zuvor von der Band gehört haben dürften, wird der Abend ein richtig guter. Ich hätte nur gerne gewusst, welche Drogen das junge Mädchen im Blut hatte, die kurz vor Ende der Veranstaltung feststellt, ich sähe original aus wie David Bowie. Haha... wie David Bowie!! "Könntest du mir bitte auch ein paar von den Pillen geben?" Vielleicht denke ich beim Blick in den Spiegel dann dasselbe. Oder halte mich für den Zwillingsbruder von Robbie Williams, Brad Pitt oder George Clooney.
25.03.08: Am nächsten Abend wieder Köln. Im Sonic Ballroom (natürlich) spielen PRAVDA & DEAD SEXY INC., die auf ihrer zweiten gemeinsamen Tour noch besser sind als im letzten Jahr. Mitten in der Woche hat der gut gefüllte Club richtig Spaß und tanzt vom ersten bis zum letzten Ton, als hätte es die gleichen Drogen, wie das Mädel vom Vorabend. Und allen voran tanzt in der ersten Reihe diese Mischung aus Elvis, Martin Semmelrogge und Patrick Swayze einen unvergleichlichen Rock'n'Roll-Rumba, der beide Bands animiert, den jungen Mann direkt mit in die Show einzubeziehen. Ein großer Spaß! Aber ... jetzt kommt's ... und das ist kein Scherz ... genau er ist es nämlich, der lange nach der Veranstaltung, als wir alle schon gut eingepegelt sind, plötzlich mit ungläubigem Blick vor mir steht und allen Ernstes folgende Worte sagt: "Alter, das gibt's doch gar nicht. Du siehst original aus wie der junge Blixa Bargeld!" WATT?? BLIXA BARGELD??! Da hat mein kleiner Rock'n'Roll-Rumba-Freund wohl eine Überdosis der ominösen Kölner Pillen geschmissen. Es ist ja nicht allein die Tatsache, dass ich ungefähr einen Meter kleiner bin als Herr Bargeld, es ist vor allem die Tatsache, dass ich nicht aussehen möchte wie "ein in Alkohol eingelegtes Obst", wie DEAD SEXY INC-Gitarrist Emmanuel den guten Blixa gar nicht so unpassend beschreibt. Und überhaupt - wo zum Teufel ist die versteckte Kamera? 42 Jahre lang werde ich höchstens mit Louis de Funes oder "einem Typen aus München" verähnlicht, und Ende März 2008 an zwei aufeinander folgenden Tagen mit David Bowie und Blixa Bargeld. Unglaublich.
01.04.08: Ausgerechnet am ersten Tag im April fällt mir ein, dass es langsam wieder an der Zeit sein könnte Kontoauszüge zu ziehen. Ich weiß natürlich, dass ich schon lange nicht mehr an einem dieser Schalter stand, aber es überrascht mich doch, als der erste Auszug auf den 13.03.07 datiert. Auweia. Und obwohl es zwei Kontoauszugsdrucker in der Sparkassen-Filiale auf der Birkenstraße gibt, hat sich nach etwa zehn Minuten schon eine staatliche Schlange gebildet. Zu dem Zeitpunkt arbeitet der Drucker gerade an den Auszügen für Oktober und ich spüre schon jetzt einen gewissen Unbill bei den Wartenden. Man muss kein Psychologe sein, um sich zumindest vorstellen zu können, dass das hier eine hervorragende Übung für Menschen mit geringem Selbstvertrauen ist. Als der Drucker endlose Minuten später bei 2008 angekommen ist, hat sich längst eine Seenplatte auf den Innenfläche meiner Hände gebildet, und als mich kurze Zeit danach ein stabiler Mittzwanziger "Sag mal, verkaufst du bei Ebay, oder watt?" aus der Schlange heraus fragt, zucke ich regelrecht zusammen. "Ich ... äh ... nein ... eigentlich ... nein ..." antworte ich souverän und werde in genau diesem Augenblick vom letzten Auszug gerettet. Als mein Blick auf dem hastigen Weg nach draußen auf einige der wartenden Gesichter trifft, kann ich keine Liebe erkennen, und als ich endlich wieder im Auto sitze, habe ich das Gefühl soeben einen Halbmarathon gelaufen zu sein. Im nächsten Jahr sollte ich vielleicht besser nachts die Auszüge holen.
10.04.08: Erst heute gehört: Einer der besten Songtitel aller Zeiten. "Ich bin der Stricherjunge mit der Raucherlunge" von STEREO TOTAL. Sensationell. 15.04.08:[/b] Weird World zieht um. Es ist ein klägliches Bild, das die handwerklichen Witzfiguren Frank, Jan und Tom abgeben, als sie versuchen den Teppich zu verlegen. Das Ergebnis ein wellig zerschnittener Traum in dunklem Grau. Hätte man eine Daily Soap über uns gemacht und das Elend gefilmt, wir säßen vermutlich bei Raab auf der Couch und eine Nation würde lachend mit dem Finger auf uns zeigen. Das einzig Positive an der Geschichte sind die Maurer-Dekolleté-Fotos, die ich heimlich von Frank und Jan gemacht habe und die mir sicher noch über traurige Momente hinweg helfen werden.
16.04.08: Der tatsächliche Umzug gestaltet sich verhältnismäßig leicht und problemlos. Es wird nur einmal gefährlich, als wir mit dem riesigen Regal aus Metall mitten auf der Treppe einen Lachanfall bekommen. Ich kann mich bzw. das Regal kaum noch halten, als ich Frank unten an der Treppe sehe, das Regal mit einem Großteil des Gewichts auf der Brust, das Gesicht puterrot. Zum Schießen! Findet Frank scheinbar nicht, wenn ich seine Schreie richtig deute. Also reißen wir uns noch einmal zusammen und hieven dieses Monster von einem Regal unter großen Verlusten an Wand und Geländer auch den Rest der Treppe hinunter, womit wir den schwersten Teil des Umzugs hinter uns gebracht hätten. Was bleibt ist stundenlanges Schleppen, und als ich am Abend aus der Dusche trete, hat mein Bewegungsablauf große Ähnlichkeit mit dem von Robocop.
20.04.08: Mary und Vom laden Sonntag nachmittags zum Grillen und ich nehme gerne an. Doch während der Rest der Gang sich im sonnigen Garten Würstchen und anderes Fleisch schmecken lässt, haben Vom und ich nach einigen Oettingern längst keinen Hunger mehr, und nachdem ich es einige gefüllte Zigaretten später mit dem Rad nach Hause schaffe, sehe ich den Tatort mit Ballauf und Schenk intensiv wie nie zuvor, fast dreidimensional. Irre. Zum Schluss stehe ich mit den beiden am Pommeswagen und bestelle drei Bier. Wahnsinn. Viel später am Abend retten mich SMOKE BLOW mit ihrem neuen Album vor dem Flug aus der Realität, als ich im Pyjama mit Kopfhörern vor der Anlage sitze und an die Reinkarnation des Guten glaube. "Colossus" ist mein Erdungskabel auf dem Weg zurück in die Wirklichkeit, an dem ich abwärts gleite, bis ich wieder Boden unter den Füßen habe. Mit dem mittlerweile sechsten Album das mit Abstand beste zu veröffentlichen, ist fast eine Sensation.
26.04.08: Und wieder Emsdetten. Dancing Herbie, Trip, Vom und ich fahren mit Voms Wagen, und schon jetzt ist klar, dass wir bei Plattendeck-Promoter Hagen schlafen, der neben dem Club eine Wohnung bezogen und ein Gästezimmer mit mehreren Betten eingerichtet hat. Nach einer weiteren unbeschreiblichen Nacht muss es ein abenteuerliches Bild sein, das sich Hagens rundem Küchentisch bietet, an dem Herbie, Trip, Vom, Hagen und ich noch immer sitzen, als über dem Emsland längst die Sonne aufgeht. Was für eine fertige Runde rot unterlaufener Augen und schon auf dem Tisch liegender Köpfe. Hier ist an Zahnpflege nicht mehr zu denken, und es geht abschließend nur noch um die Fragen, wer es schafft die Schuhe auszuziehen, bevor er sich in eines der Betten legt, und wer es erst gar nicht mehr schafft, ein Bett zu erreichen.
27.04.08: Trotzdem ist das Erwachen nur drei oder vier Stunden später einigermaßen zu ertragen. Es mag wieder einmal der Underberg sein, der umgehend erste Hilfe leistet. Selbst die Schuhe habe ich noch ausgezogen, die ordentlich neben der Matratze stehen. Ich finde Vom auf dem Boden des nicht tapezierten Wohnzimmers, Herbie auf der Couch vor dem rauschenden Fernseher, während Trip noch in einem der Betten im Gästezimmer liegt. Es dauert etwa eine Stunde, bis alle bei einigermaßen klarem Verstand sind und wir uns auf den Weg Richtung Club machen können, um unsere Platten und CDs abzuholen. Das sollten wir in Zukunft besser lassen: Wir sind keine fünf Minuten im Club, als Vom den Anruf von Andi bekommt - die für den Nachmittag angesetzte Probe fällt aus. Vom ist außer sich vor Freude, da Proben an Tagen nach Emsdetten nicht unbedingt oben auf seiner Wunschliste zu finden sind ... nicht einmal ganz unten. "Andi, I love you! You saved my fucking life!" brüllt er ins Telefon, während er wie Rumpelstilzchen von einem Bein aufs andere hüpft und Herbie vermutlich schon ahnt, dass er sich besser nicht bereit erklärt hätte zurückzufahren. Wir feiern die ausgefallene Probe mit dem von Hagen spendierten "All-you-can-drink-Frühstück" und sind noch vor dem Mittagstisch auf dem Stand der letzten Nacht. Nie zuvor hat eine Rückfahrt soviel Spaß gemacht. Allein Herbie als Fahrer dürften die Grölerei und die ständigen "Lauter! Lauter!" Rufe auf die Nerven gegangen sein. Als wir Düsseldorf erreichen, ist es, als ob die Sonne nur für uns scheinen würde. Es fühlt sich großartig an, und nachdem die Pizza am frühen Abend als erste Mahlzeit des Tages auch noch die letzten Reserven frei setzt, geht es noch einmal bis zur Geisterstunde. Dann ist wirklich Schluß. Und Morgen ist Montag.
28.04.08: AUA! Tom van Laak
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