Tausche Abo gegen T-Shirt!

Wer das Ox bis zum 30. November 2008 neu abonniert, wer ein Abo verschenkt oder als Ox-Abonnent einen neuen Abonnenten wirbt, der bekommt von uns das Ox-T-Shirt (weißer Ox-Skull auf schwarzem Stoff) geschenkt!
Mehr lesen ...

http://www.livegigs.de

Das Netz vergisst nie (2).

Sei langem habe ich nicht mehr so viel positives Feedback bekommen wie auf meine Kolumne vom letzten Mal. Zu meinem Erstaunen ist das, was ich da schrieb, doch kein Allgemeinwissen, und hat ein paar Leute ins Grübeln gebracht. Und nur zur Klarstellung: Ich bin kein "Maschinenstürmer", aber jede Technik fordert Kompetenz im Umgang mit ihr, und daran mangelt es vielfach.

Dabei hat der einzelne oft keinerlei Einflussmöglichkeit auf den Umgang mit seinen Daten mehr, denn heute ist es vielfach nicht die Frage, WIE man die Technik nutzt, sondern OB man sie nutzt, die darüber entscheidet. In meinem früheren Leben als Student schrieb ich Anfang der Neunziger eine Arbeit über "Mobilfunk und Datenschutz", und das Thema verfolgt mich bis heute, denn mit der ganzen Diskussion um das Abhören von Telefongesprächen, die "Bundestrojaner" und anderer Spitzelvorhaben des Wolfgang Schäuble hat die Arbeit, die mich damals über Monate beschäftigt, eine ganz neue Aktualität erfahren. Seinerzeit waren Mobiltelefone noch riesige Klötze im Format und mit dem Gewicht einer Autobatterie, man nutzte das analoge C-Netz - sofern man reich oder Politiker war. Das digitale D-Netz, das wir heute kennen, war gerade erst auf den Markt gekommen, denn - Kinder, aufgepasst! - das Handy, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit 1992, und erst ab Mitte der Neunziger hatte es sich so als Massenmarkt etabliert, wie wir das heute kennen.
Die Konzeption des (von der Übertragungstechnik her abhörsicheren!) digitalen D-Netzes geht entsprechend auf die Achtziger zurück, und Datenschützer wie Wissenschaftler, die sich mit Technologiefolgenabschätzung beschäftigten einerseits und Politiker und die Wirtschaft andererseits diskutierten damals über die gewünschten technischen Möglichkeiten der neuen Technik. Eine der Forderungen der Datenschützer (inklusive der Landesdatenschutzbeauftragten sowie des Bundesdatenschutzbeauftragten) war, das neue Funknetz konzeptionell so zu gestalten, dass die Erstellung von Bewegungsprofilen schon rein technisch nicht möglich ist. Zur Erläuterung: Der englische Begriff "cell phone" für "Handy" kommt daher, dass jeder Mobilfunkmast eine Funkzelle darstellt. Läuft oder fährt man umher, funkt das Handy immer mit dem nächststehenden Masten. Die stehen in Städten recht eng, und da jedes Handy eine eigene Nummer hat, kann man so mit Zugang zu den Kontrollrechnern, die seitens der Netzbetreiber diese Masten überwachen, wunderbar mitverfolgen, wo sich ein Handy gerade aufhält. Und ja, das funktoniert auch, wenn man NICHT telefoniert, denn damit man angerufen werden kann, funkt das Handy permanent an den nächsten Masten ein "Hallo, hier bin ich!" (Und mit etwas Manipulation seitens der Ermittlungsbehörden geht das auch, wenn das Handy vermeintlich ausgeschaltet ist. Da hilft nur "Akku raus!").
Nun, es kam, wie es kommen musste: Die Forderung der Datenschützer, das Digitalnetz schon konzeptionell so zu gestalten, dass es rein technisch nicht möglich ist, das Bewegungsprofil eines Nutzers zu erstellen, stieß auf taube Ohren. Stattdessen hieß es von Seiten der Netzbetreiber und der Politik, dass es zwar theoretisch möglich sei, mit dem neuen Mobilfunknetz solch ein Bewegungsprofil zu erstellen, doch das wolle ja keiner und deshalb seien die Gefahren, die die (wie immer paranoiden ...) Datenschützer da aufzeigten, ziemlich weit hergeholt. Tja, wie die sich an den 11. September 2001 anschließende Sicherheitsdebatte zeigt, waren die Warnungen der Datenschützer überhaupt nicht weit hergeholt, und der Bevölkerung verkauft man die Möglichkeiten der Handy-Ortung auch noch als Sicherheitsgewinn, etwa nach einem Unfall oder wenn die Teenie-Tochter mal wieder mit ihren Punkerfreunden herumzieht und Papa wissen will, wo der kleine Teufel so steckt ... Der Punkt ist also: Wer sich nicht für die Technik interessiert, die er/sie nutzt, ist immer auch ein bisschen selbst daran schuld, wenn diese sich negativ auswirkt. Weiterhin viel Spaß in unserer schönen neuen Welt!
Joachim Hiller

» alle Präsentationen
english Version Impressum Kontakt Seite empfehlen Seite drucken Sitemap Disclaimer