ES GIBT MOMENTE IM LEBEN ... Religiöse Allüren? Nein. Danke! Seien wir einmal realistisch: An was kann man heute noch glauben?
An das, was einem die Medien erzählen? Entschuldigung, aber "Wag The Dog" lässt grüßen. Und was ist von dem, was man als Kind erzählt bekommen hat, heute noch greifbar oder lässt sich nicht widerlegen? "Der alte Mann dort oben?" Das Gute im Menschen, in einer Zeit, in der alles nach Macht und Geld strebt. Ja, ne, ist klar! Es tut mir Leid, geliebte Illusionen, aber spätestens nach 28 Jahren habe ich gelernt, dass es nur eines gibt, auf das man sich verlassen kann: Das ist man selber, und wenn man etwas glauben soll, muss man es schon sehen können. Aber bitte real und nicht medial. Einen greifbaren Mittelweg im gegenwärtigen illusionären Chaos braucht der Mensch. Doch manchmal meint es das Schicksal nicht sonderlich gut mit einem und ein Menschen, den man gut kannte, geht. Dann gilt es, den ihm nahestehenden Hinterbliebenen das Beileid auszusprechen, möge der Glauben liegen, wo er will. Wenn die Bitte im Raum steht, von Anrufen abzusehen, bleibt nur eines: Short-Message-Service (SMS). Ein Blick auf das Handy, was sagt das Guthaben? *100# "Ihr aktuelles Guthaben ist: Minus 3 Euro." Verdammt! Aber wozu gibt es Multimedia? Also, den elektronischen Kasten angeworfen und eine SMS aus dem Internet, ohne Anmeldung, versenden. Ein Gläubiger würde nun beten und mit den Toten reden. Aber wozu beten und mit Toten reden, wenn kein Empfänger vorhanden ist? Aber es gibt Internet! Alle gängigen Kommunikations- und Therapiewege in einem "Medium" vereint: Telefonie, Communitys, Selbsthilfegruppen und elektronische Post. In diesem Moment benötigt man jedoch erst einmal eine Gratis-SMS. Bei der Suche landet man auf SMSGott.de. Aus Überzeugung entscheidet man sich gegen das Portal, sucht weiter und wird, dank Highspeed-Übertragung und google.de, schnell fündig. Die gut überlegten Worte eingetippt und auf die Bestätigung warten. "SMS fehlgeschlagen." Verdammt! Auf der nächsten Seite angekommen, sucht man die Worte des ersten, perfekten Versuches, das Richtige zu äußern. Dann die Antwort: "Senden fehlgeschlagen!" Verdammt! Auf der nächsten Seite, das selbe "verdammte" Spiel und auf der danach auch und auf der danach und ... "What the fuck?!", denkt man sich und landet, gegen seinen Willen, wieder beim SMSGott. Zum Opfer der Mediennutzung mutiert tippt man das, was in solchen Momenten standardmäßig den Hinterbliebenen zu sagen ist, "Mein Beileid" und ein paar liebe Worte, denn die ersten wirklich guten Worte, sind im Geiste nicht mehr rekonstruierbar. Das Ganze an die beliebige Nummer gesendet. "Bitte geben Sie folgenden Captcha ein." Ach ja, das kennt man ja von MySpace, das ist Spam-Schutz: Abtippen, abschicken, fertig. Ein flüchtiger Blick auf das Bildschirmfenster wird zum abendfüllenden Thema mit sich selbst: Im Chaptcha-Feld steht der Name der verstorbenen Person. Es gibt Momente im Leben, die sind nicht definierbar. Schach. Yvonne Schulz
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