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GREETINGS FROM JESUS CITY

Anstatt mit dem ausgedehnten Urlaub bis nach dem Studium zu warten, dachte ich mir, dass ich mir nach 11 Semestern auch ohne Abschluss durchaus mal eine längere Pause verdient habe ...

Jetzt habe ich zwar einen Grund weniger, mich endlich mal zu beeilen, dafür habe ich den diesjährigen deutschen Winter geschwänzt und drei Monate die Sonne über Israel genossen. Mir war zwar durchaus bewusst, dass sich ein Urlaub in Jerusalem deutlich von einem Pauschalurlaub auf Mallorca unterscheiden würde, dass ich aber schon bei der Ankunft am Flughafen Probleme kriegen würde, hatte ich mir so nicht gedacht. Auf dem Weg zum Ausgang wurde ich von einer netten Frau in Uniform gefragt, was ich denn in Israel wolle. Leider nahm sie mir nicht ganz ab, dass ich drei Monate "nur" als Tourist ohne triftigen Grund in Israel bleiben möchte. Die Anmerkung meiner Freundin, sie würde ein Praktikum im Goethe-Institut in Jerusalem machen, besänftigte die mittlerweile misstrauische Dame dann aber schließlich und es konnte weitergehen. Verglichen mit den Sicherheitsmaßnahmen, die sich uns in Jerusalem boten, war dieses kleine Gespräch aber eher lachhaft. Fast alle Supermärkte, Restaurants oder Bars hatten bewaffnete Sicherheitsleute, denen man am Eingang den kompletten Inhalt seiner Taschen präsentieren durfte. Auch die vielen, mit riesigen Gewehren ausgestatteten Soldaten, denen man an jeder Ecke begegnete, wirkten schon ein bisschen befremdlich. Aber auch daran haben wir uns recht schnell gewöhnt, zumindest schneller als daran, dass wir mit unseren blonden Haaren und der kalkweißen Haut wirklich für jeden klar als Touristen erkennbar waren und je nach Laune der Händler/Taxifahrer/Kellner auch mal ein bisschen mehr als normal bezahlen durften.
Während meine Freundin also fleißig an ihrer Karriere feilte, hatte ich mir, nicht zuletzt, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, vorgenommen, die restlichen drei Hausarbeiten für die Uni zu schreiben. Ein hehres Ziel, welches ich aber in Anbetracht des riesigen Touri-Angebots recht schnell verworfen habe.
Anstatt zu schreiben, habe ich mir die Zeit lieber damit vertrieben, trotz einer ausgeprägten Abneigung gegen Gottglauben und Religion, sämtliche religiösen Sehenswürdigkeiten (und das war wirklich eine Menge ...) mit dem dazugehörigen Treiben anzuschauen, wobei besonders Ostern eine Augenweide war. Die kostümierten Pilger mit selbst gebastelten Kreuzen auf den Spuren von Jesus waren schon sehr amüsant ...
In Sachen Punk und Hardcore hat Jerusalem dann aber leider nicht so viel hergegeben und somit war ich in den drei Monaten auf genau einem Konzert. Und so wie das leider recht spärlich vertretene Publikum in dem wohnzimmerartigen Raum bei den Bands SHENKIN PUNX und D9 ausgerastet ist, habe ich wohl auch nicht viele Shows verpasst. Wie zu erwarten, also nicht viel mit Punkrock im orthodoxen Jerusalem, wobei mir der Sänger von D9 versicherte, dass die Sache in Tel Aviv ganz anders aussehen würde. Aber statt irgendwelchen Punkern hinterher zu steigen, haben wir lieber das Land erkundet, und was sich uns da auf einer Fläche, die der Größe von Hessen entspricht, geboten hat war echt enorm. Wüste, Berge, Wälder, Rotes Meer, Totes Meer, Mittelmeer, Seefahrerstädte und noch unzählige andere beeindruckende Sachen sollten für jeden Grund genug sein, den Punkrocker in sich gegen den Abenteurer zu tauschen. Nebenbei das unglaublich gute Essen genießen (warum gibt es eigentlich bei uns keine Falafel-Rollos mit Pommes?), sich ein bisschen Kultur geben, in der Wüste am Toten Meer die lustigsten Tiere der Welt (siehe Foto) besuchen und sich für die Ausreise eine nette Geschichte für die Security ausdenken, damit man nicht zu einem ausgiebigen Plausch inklusive hektischem Aus- und wieder Einpacken des gesamten Gepäcks und Einbehaltung des Laptops ins Nebenzimmer gebeten wird. Viel Spaß! Professionelle Reiseberatung unter: onetwo-fuckyou@web.de.

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