ACTION, ACTION AND NO SATISFACTION!Nach sechs Jahren strenger Monogamie folgt die sexuelle Anomie. Keine Regeln, keine Treue, kein Verstand. Täglich wechselnde Sexualpartnerinnen nähren sich an einer übersprudelnden Libido. Mein Verstand löst sich auf. Es geht nur noch um Triebbefriedigung: Eat, fight, fuck - es lebe das Singledasein, es lebe der Schwanz!
Falsch gedacht. Seit zwei Monaten bin ich bereits Single und mein Sexualleben hat den absoluten Tiefpunkt erreicht. Tagtäglichen One-Night-Stands bin ich ebenso fern wie ein Contergan-Kind der Karriere als Profiboxer. Hier mal ins Kino, da mal geflirtet. Wenn das so weitergeht, kaufe ich mir eine Jahreskarte für den Privatclub Babylon. Aktiv ziehe ich mich aus dem Baggergeschehen zurück und nehme mir vor, mich von nun an ausschließlich auf meinen Body und weniger auf die Mädchenwelt zu konzentrieren. Von einer paradoxen Intervention ist hier nicht die Rede. Mitunter lässt sich nämlich eine Verwandlung vom "Knappen Sensitive" zum "Lord of Lust" nur provozieren, wenn man vorher entsprechende Ansprüche an sich selbst storniert und der ganzen Sache damit den Druck wegnimmt. Und siehe da, der Plan geht auf. Sechs Wochen später überschlagen sich die Ereignisse. Es folgen Auszüge aus den Überbleibseln meines kognitiven Tagebuchs: One, two, three, go! It's saturday night. Auf einem Plüschkissen in der Ecke eines Kölner Clubs gerate ich unverhofft in ein wildes Herumgemache mit der Ex-Freundin eines Homies. Andere Frauen können also auch gut knutschen - was für eine viel versprechende Erkenntnis. Als ich nach Hause komme, kotze ich in die Badewanne. Schuldgefühle plagen mich. Drei Tage später wache ich im Bett einer süddeutschen Juristin auf. Alles ist gut, bis das Licht angeht und sie zur Arbeit muss. Ich erkenne sie nicht wieder und mir wird schlecht. In der Küche werde ich zu allem Überdruss mit ihren behämmerten Mitbewohnern konfrontiert: Cornelius und Nikolaus. Einer von ihnen fängt an zu singen. Ohne der Dame einen Abschiedskuss zu geben, ergreife ich die Flucht. Dummerweise haben wir vorher die Nummern ausgetauscht. Ich Trottel. Inzwischen bin ich mir meiner Sache ganz sicher und gehe am kommenden Samstag bewusst auf die Pirsch. Alleine. Mein Gepäck besteht aus vier Bieren, drei Jägermeistern und zwei Wodka-Red Bull. Eine kleine Zwanzigjährige mit einem betörenden Dekolleté macht mir den Hof. Eine Dreiviertelstunde später liegen wir in ihrem Bett. Sehr gut, Herr Parkinson, sehr gut! Der Geschlechtsakt dagegen verläuft nicht annähernd so wie geplant. Ich bin zu betrunken und schlafe nach einer halben Stunde auf ihr ein. Am nächsten Morgen will sie nicht mal meine Nummer haben. Vielleicht ist es besser so. Kaum habe ich mich von diesem erlebnisreichen Debakel geistig und körperlich erholt, erwische ich mich nur sechzig Stunden später dabei, wie ich ein verhältnismäßig anmutiges Fräulein in der Ecke einer Tanzfläche nahezu auffresse. Der Anlass unseres Treffens ist ein Wiedersehen nach acht Jahren, das ursprünglich nur auf einen angenehmen Plausch hinauslaufen sollte. Betrübt nehme ich zur Kenntnis, dass die Maid immer noch nicht gut küssen kann. Das Singleleben - endlich, endlich lerne ich es wieder zu schätzen. Arbeiten, Pumpen, Herummachen, Sonnenbank, Arbeiten, Herummachen, Pumpen, etc. Perfekt. Das kann ruhig ein paar Jahre so weitergehen. Dass das vorerst in dieser Woche erst einmal so weitergeht, ist sicherer als die Niedrigpreise auf dem polnischen Kinderstrich. Von meiner Anziehungskraft auf das andere Geschlecht überzeugt, ziehe ich eine Freundin an mich heran und lecke sie wie ein Hund. Wir können nicht mehr gehen, schaffen es trotzdem zu ihr nach Hause ins Bett. Der Alkohol macht mich fertig ... Eine Woche später wiederholt sich die gleiche Prozedur - mit derselben Frau. Schneller als ich gucken kann, bin ich wieder liiert. Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt doch noch nicht! Als Single geht es mir doch so prächtig! Aber es bleibt dabei. Und es fühlt sich gut an. - Schnitt. Nach exakt zwei Monaten ist die Beziehung vorüber. Meine Gefühle spielen verrückt. Ich weiß absolut gar nicht mehr, was ich will. Dass ich das Ende der vorletzten Beziehung nicht vollständig verarbeitet habe, weiß ich genau. Was ich hiermit hingegen anfangen soll, ist mir nicht so klar. Am besten mache ich erst mal weiter, wie acht Wochen zuvor. Nur dieses Mal überspringe ich den Egotrip. Beim Sport bin ich sowieso seit Wochen nicht mehr gewesen. Weitere Solarienbesuche verweigere ich wegen der dort herrschenden Unhygiene und einer daraus folgenden Art "Pilzbefall" in meiner Leistengegend. Bah! Als frischer, überdrehter Single stürme ich drei Tage nach dem Gongschlag die "Balkan Beats". Hier sehen alle Frauen scheiße aus. Um dennoch etwas für die Statistik zu tun, spreche ich die Erstbeste trotz ihres Übergewichts an. Sie gibt mir einen Korb. Bevor ich die Sprache wieder gefunden habe, habe ich eine mittelprächtig gebaute Blondine mit einem langweiligen Gesicht neben mir stehen. Sie in ein Gespräch zu verwickeln ist mehr als einfach. Als ich sie nach einer halben Stunde endlich knutschen will, reagiert sie unerwartet forsch: "Du kannst mich heute nicht klar machen." Das Fragezeichen steht über mir, die Ratlosigkeit belagert mein Gesicht. "Ein Bier würde ich aber mit dir in einer Bar gerne noch trinken gehen." Äh, meinetwegen. Vielleicht überlegt sie sich im Anschluss das mit dem Sex. Mehr als einen verliebten Blick und ihre Nummer staube ich nicht ab. Frustriert fahre ich nach Hause. Anrufen werde ich sie selbstverständlich nicht. Am nächsten Abend geht's mir schlecht. Nach der Arbeit quält mich mein Trieb auf die nächstbeste Tanzfläche. Überraschend schleppt mich eine attraktive blonde Riesin in eine andere Location. Ihre Freundin haben wir abgehängt. Auf die Annäherungsversuche von Giant Gonzales komme ich nicht klar. Ich bin zu fertig, werde rot und ärgere mich. Es hat den Anschein, dass mich diese Reaktion nicht interessanter macht. Nach einer Stunde dreht sie sich von mir weg und knutscht einen anderen. Ich Tölpel! Bis Mittwoch erhole ich mich von dieser Misere. Voll auf Liebe feiere ich Timbos Geburtstag. Im Schauspielhaus scheinen alle Frauen auf mich zu stehen. Ich opfere der Falschen meine Zeit und meine Nummer. Abfahrt. Freitags gehe ich auf die Kö. Mit niemandem komme ich ins Gespräch. Meinen Standort verlege ich ins PVC. Hier erwartet mich das gleiche Game. Was für ein Elend! Am Samstag bin ich total gut drauf. Es kann nichts schief gehen. Club-Hopping. Im Odonien sind heute die wenigsten Mädels schön oder haben einen Freund oder beides. Mein Mund ist trocken. Ich tausche Nummern aus. Nett, aber das digitale Telefonbuch meines Handys mit weiteren Zahlenkombinationen zu füllen, bringt mich nicht ernsthaft voran. Fuck. Weiter geht's auf zwei Schwulen-After-Show-Partys. Die wenigen anwesenden Frauen geben an, liiert zu sein. Alles läuft schief. Sonntagmittag gebe ich auf. In den darauf folgenden Tagen habe ich Discoschnupfen. Ich sehne mich nach Liebe, Geborgenheit und Vertrautheit. Hoffentlich hört diese Gefühlsduselei bald auf und hoffentlich komme ich Spasti mal wieder klar. Ach, was soll's? Die Sonne scheint von alleine und morgen gehe ich erst mal wieder pumpen! Christoph Parkinson
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