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ANZUGFEIND

Wer kennt das nicht? Man ackert auf der Arbeit und wird für alles zur Rechenschaft gezogen. Machen andere, höher gestellte Personen einen Fehler, bekommen es die Kleinen ab.

Es ist Montag, und als reize dieser Umstand alleine das Gemüt nicht schon bis zum Äußersten, kann man sich am Arbeitsplatz mit kleinkarierten Anzugfutzis herumprügeln. Welche vom Arbeitsablauf keine Ahnung haben, aber, sie haben einen Anzug und was zu sagen. Ich habe Stiefel und kann arbeiten. Sie haben Geld, ich freue mich auf mein teuer verdientes, schwer erackertes Feierabendbier. Sie haben Recht und der Arbeiter macht die Fehler und ist in seinem Erscheinungsbild ein Fehler.
Es ist doch so, wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler. Wer viel arbeitet, macht viele Fehler. Und wer wenig Fehler macht, der wird befördert. Wenn das Resümee eines arbeitsreichen Montags eine Abmahnung ist, welche in einer Diskriminierung der eigenen Person ausartet: "Können Sie sich nicht anpassen und kleiden, wie alle anderen?", dann gibt es nur ein Rezept: die Worte Philippe Nahons aus dem Film "Menschenfeind" in leicht abgeänderter Form.
Es gibt die untere und die obere Hierarchieschicht. Die Oberen schieben die eigenen Fehler einfach auf die Unteren. Abmahnung, das ist etwas für die Unteren. Du ackerst und machst und tust, damit sie dich ausbeuten, dir noch mehr Arbeit aufbrummen und dich für noch mehr Fehler zur Rechenschaft ziehen können. "Jeder verteidigt seinen Platz, seinen Arsch, seine Interessen und niemand tut etwas für dich."
"Ich bin auch nur ein Stück Fleisch, ein Stück Fleisch, das zu viel denkt. Es soll aufhören zu denken, das Stück Fleisch", es muss arbeiten. Auch wenn es weiß, wer viel arbeitet, macht viele Fehler. Der Arbeiter "hat auch kein Recht zu stehlen, nur bestohlen und beschissen zu werden, ja ohne Probleme", von den reichen Ärschen da draußen. Wer jedoch wenig arbeitet, macht wenig Fehler und wer wenig Fehler macht, der wird befördert und die haben dann das Geld.
"Solche reichen Ärsche stehlen uns unsere Würde und unsere Kohle, unser Glück. Ganz legal, geschützt, durch die Gesetze, die ihre Vorfahren eingeführt haben. Sie stecken dir die Hand in die Tasche und den Finger in den Arsch, dir, deiner Frau, deinen Kindern und dann erwarten sie noch ein Lächeln. Gut, ich lächle, aber dann lasst mir mein Leben und meine Individualität, denn nur das macht mich glücklich."
Yvonne Schulz

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