"Der furchtbarste Song aller Zeiten"
... wurde in den Ox-Playlists von der Redaktion gekürt. Da will ich nicht nachstehen und habe euch deshalb mein ganz persönliches Grammophon des Grauens zusammengestellt.
Der Ententanz. Es war Mitte der Siebziger. Niemand, wirklich niemand in der Plattenindustrie hatte eine Idee. Da konnte ein durchgeknallter Belgier mit diesem quäkenden Machwerk die Welt drangsalieren. Zum Glück ist diese musikalische Quietscheente inzwischen hoffnungslos aus der Mode. Außer man besucht Orte des Frohsinns wie das Tanzlokal "Bei Hannelore" im hessischen Rüdesheim, wo sich immer noch erwachsene Menschen auf der Tanzfläche zum Affen, pardon, zur Ente machen. EUROPE The final countdown. Stretchhosen in Bonbonfarben! Gigantische Frisuren mit Haarsprayverbrauch nicht unter fünf Litern! Bevor es skandinavischen Punkrock gab, gab es EUROPE. Und meine damalige Mitbewohnerin fand die toll. So toll, dass sie "The final countdown" rund um die Uhr auf ihrem Plattenspieler rotieren ließ, abwechselnd mit "Hotel California". Übrigens noch so einer meiner schlimmsten Songs aller Zeiten. Angeblich ist "Hotel California" ja ein Werk des Satans. Liebe religiöse Fanatiker, glaubt mir, Songs wie "The final countdown" können bei Heavy Rotation auch den sanftesten Mitmenschen zu Mordgelüsten treiben, da braucht es gar keine komplizierten Plattenrückwärtsabspiel-Rituale. OPUS Life is life. "Nah-nah-nah-nah-nah", so schallte es Mitte der Achtziger aus jeder Dorfdisco. Wer meint, dass der Stampfrock dieser schnauzbärtigen Österreicher inzwischen in der Versenkung verschwunden ist, der möge eine x-beliebige Dorfdisco oder ein Schützenfest in der deutschen Provinz besuchen. "Ent wiiihll ohhhll biii tugesser ..." - in diesem Fall ist das Englisch der sangesfreudigen Besucher einfach nur genau so schlecht wie das der Band. Bis heute habe ich nicht verstanden, was unsere alpenländischen Freunde mir mit diesem Text sagen wollten. PUR Abenteuerland. Seit Jahren schon beschallt diese schwäbische Gutmenschentruppe die Welt mit ihrem Weichspüler-Rock. Evangelische Kirchentagsbesucher mögen so etwas gut finden, die übrige Menschheit erfasst angesichts dieser Kitschoffensive ein intensiver Brechreiz. Den Höhepunkt ihres Schaffens bildet diese infantile Ballade. Leute, die PUR gut finden, sind diejenigen, die an jedem Spielplatz seufzend sagen: "Kinder sind die besseren Menschen" - bis ihnen der kleine Leon-Luca seinen eisernen Kipplaster über die Rübe zieht. Musikgewordenes Dutzi-Dutzi in Reinkultur. SCORPIONS Wind of change. Ja, ja, seit dem Erscheinen dieses schleimig-schnulzigen Machwerks behaupten die Verantwortlichen, damit im Alleingang die Berliner Mauer eingerissen zu haben. Nein, liebe SCORPIONS, euer jammeriger, jaulender Gesang inspiriert mich, eine schalldichte Mauer um euer Studio in Hannover zu bauen. Und zwar ohne Grenzübergänge. So, liebe Leser, nach dieser Hitparade des Horrors - gehrt hin und höret gute Musik ... Eure Erna Pfleiderer
|