Tausche Abo gegen T-Shirt!

Wer das Ox bis zum 30. November 2008 neu abonniert, wer ein Abo verschenkt oder als Ox-Abonnent einen neuen Abonnenten wirbt, der bekommt von uns das Ox-T-Shirt (weißer Ox-Skull auf schwarzem Stoff) geschenkt!
Mehr lesen ...

http://www.livegigs.de

ICH KÖNNTE KOTZEN

... ist eine Aussage, die ich als Headline wirklich zutreffend finde, sie passt auch einfach zu jeder Lebenslage. Sei es die neu gekaufte. verschimmelte Preiselbeermarmelade aus dem Lebensmittelladen nebenan, die Hitze oder auch Kälte, die leere Kaffeemaschine oder das Spülproblem in der Firma, in der ich arbeite [sic!] ...

Mehrmals täglich (mindestens fünfzig Mal) brodeln diese Worte aus mir raus. Manchmal scheinen Hopfen und Malz verloren zu sein, man dreht sich im Teufelskreis der schlechten Laune und sieht vor lauter Scheiße das Licht nicht mehr (welches Licht auch immer), also will man fluchen, spotten und sich schreiend im Kreis drehen.
Gerade vor einer genauen Stunde habe ich es laut zu mir selbst gesagt und zwar in dem Moment, als ich in meinen aller (aller aller) Lieblingszug, dazu tägliches Fortbewegungsmittel und gelegentlicher Schlafplatz (ihr kennt es doch alle) RE1 in Richtung Hamm einstieg. Entweder werde ich von Scheiße verfolgt oder sie haftet an mir, aber jedes verdammte Mal, wenn ich in dieses, wie soll ich sagen, Massenbecken voller unglaublich merkwürdiger Menschen eindringe, riecht es herrlich nach geblähten Gasen. Diese Tatsache erklärt meine oben erwähnte Aussage. Hübsch zu beobachten sind auch jedes Mal die Reaktionen meiner Mitmenschen, wenn ich das so in den "Raum" werfe: eine Mischung aus Ertapptfühlen, Empörung und Fremdscham. Finde ich gut, immer schön weiter machen, Gina, alles Spießer hier.
Same procedure every day, kein Sitzplatz weit und breit und schon wieder liegt es mir auf den Lippen. Also setze ich mich, so alternativ wie ich bin (fette Props an mich für diese unglaublich coole Übertreibung), auf die Stufen zur zweiten Etage und sinniere, während ich HOT WATER MUSIC höre, über den vergangenen Tag. Viel ist nicht passiert, außer dass mir und meinen Augen mal wieder die Schwerkraft zur Last wurde, ich leichte Rückenschmerzen verspüre und mich immer noch extrem ausgebrannt fühle. So ein verlängertes Wochenende in der Hauptstadt ist in keinster Weise einem Wellness-Weekend gleichzusetzen, jedoch kann die eigene Verschwendung durchaus Spaß machen, also denke ich gerne an Brln (Vokale wegzulassen liegt im Trend, habe ich gehört) zurück. Highlights waren in jedem Fall das erlebte Konzert im Festsaal Kreuzberg von TRIP FONTAINE, KATE MOSH und vielen anderen, der tiefgründige Absturz danach meinerseits, meine verlorene und bisher nicht wirklich wiedergefundene Stimme, der ekelhafteste Kater meiner bisherigen Katerbegegnungen, und Friedrichshain. Wo wir dann auch schon wieder fast beim Thema wären.
Vorab: Friedrichshain ist nicht zum Kotzen, in keinster Weise, mehr das krasse Gegenteil dessen, aber als ich Samstag nach einem weiteren sehr erfolgreichen Abend/Nacht/Morgen in Trinken/Feiern/Torkeln Richtung geliehener Heimat des tollsten Gastgebers lief, hatte mein Fuß eine super "Face to face"-Begegnung mit einem 1a Scheißhaufen (der aussah wie eine Sahnehaube, ich gehe nicht weiter darauf ein, sorry). In dem Moment, in dem ich wieder den legitimen Lieblingsspruch aus meinen Lippen pressen wollte, kam mir ein junger Mann in Neon-Leggings entgegen und kotze so was von den Asphalt voll, dass ich in erster Linie nur erstaunt war, wie viel doch so ein Mensch in seinem Magen tragen kann. Ich musste ganz laut lachen, weil es einfach so wie Leberwurst mit Senf passte, was er da vor meiner Nase machte. Er hat mir quasi die Wörter aus dem Mund genommen und sie auf die Straße gegöbelt. Das ist sicher der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Mein Neon-Rave-Kid war kurz verdutzt, fing aber letztendlich auch an zu lachen und die Welt war wieder in bester Ordnung. Warum ich mich über kotzende Teenager so freue, kann ich leider auch nicht wirklich begründen, aber ich finde es schön zu beobachten, dass ich, bei all der Miesepetrigkeit und Melancholie in mir, auch bei kleinen, wirklich dämlichen Sachen lachen kann und meinen Weltfrieden, auch wenn nur für kurze Zeit, wieder finde.
Mir ist gerade eine Obstfliege in die Nase geflogen. Siehe Headline.
Gina Schwarz

» alle Präsentationen
english Version Impressum Kontakt Seite empfehlen Seite drucken Sitemap Disclaimer