JÄGER DES VERLORENEN GLÜCKSJaromir Konecny, 360 S., 6,95 Euro, Cbt
Schon bedenklich, was der Exil-Tscheche Jaromir Konecny, Gewinner von Slam-Poetrys, derzeit so treibt. Früher nahm er kein Blatt vor dem Mund, Begriffe wie ?Möse? und der Austausch von Körperflüssigkeiten waren up-to-date, jedoch nahezu immer in kaum sexistischer, sondern extrem unterhaltsamer und tragikomischer Schreibe verpackt, so dass immer der ?Schwanz? der Blödhammel war. Nach zahlreichen Underground-Büchern wechselte er vor gut zwei Jahren mit einem extrem unterhaltsamen HipHop-Roman sowie seinem üblichen ?Vögeln?-Jargon in die Sparte des professionellen Jugendromans und nun folgt mit ?Jäger des verlorenen Glücks? sein zweiter Streich bei der Bertelsmann Jugendsparte. Zwar nimmt der Wahl-Münchener auch hier oft kein Feigenblatt vor dem Mund und vieles dreht sich wieder einmal um Sex, aber ganz so arg wie früher übertreibt er?s mit dem ?Vögeln? und den ?Möpsen? dann doch nicht. Star des Romans ist Thomas, ein 15-Jähriger Waise, der plötzlich von seinem ihm bislang unbekannten Vater abgeholt wird. Dieser wirkt leicht verstrahlt und ist angeblich ein Magier, dessen Künste er denn auch beim Schwarzfahren unter Beweis stellt. Als Kontrolleure auftauchen mimt Vater plötzliche Übelkeit und kotzt einem ebenso in der Bahn mitfahrenden Polizisten die Mütze voll. Hat was ... wenn man etwa zum Entsetzen der Nachbarn mitten in der Nacht einige Minuten über laut lacht wegen jener Szene. Thomas selbst, so sagt es sein Vater, ist ein Glückskind, das seine Jungmännlichkeit bewahren und in die Märchen- und Sagenwelt eintauchen muss, um dort das Glück im Kampf gegen das Böse wieder zu beleben. Natürlich lauern überall wohlproportionierte Frauen und Mädels, die ihn verführen wollen ? oder, etwas unerotischer: arg böse und finstere Gesellen, die schlicht sein Herz essen möchten. Die Jagd nach dem Glück ist bald ultimativ im Gange und eine Teenagerliebe keimt ebenso ... Konecnys neues Buch mutet an wie eine krude Mischung alias satirische Überspitzung aus Anleihen von ?Indiana Jones?, ?Matrix?, ?Unendliche Geschichte?, ?Herr der Ringe? und ?Harry Potter?. Auch wenn das Buch nicht ganz so durchgehend humorvoll geschrieben ist wie der HipHop-Vorgänger, weiß es zu unterhalten. Fans des alten Konecny ? der mit seinen abstrusen Kurzgeschichten Beihilfe zu permanenten Lachanfällen alias Nachbarschaftsbelästigungen galore leistete ?, sollten sich indes gewahr sein, dass der Mann sich smart von seinen Wurzeln entfernt hat. Und das nicht nur, weil er nun die literarische Langstrecke angeht. Michael Klarmann |