SCHREIE AUS DER FINSTERNISUnderground-Lyrik-Anthologie
Jerk Götterwind (Hrsg.), www.jerkgoetterwind.de.vu186 S., 7 Euro
Anthologien, die die deutsche Undergroundliteratur-Szene versammeln sind in den letzten Jahren rar, sieht man mal von ?Die Städte brennen wieder? ab, ebenfalls von Jerk rausgegeben. ?Schreie aus der Finsternis? ist also sein neues Werk und das hat es in sich, ist prall gefüllt mit einem Berg an Gedichten, die ungeschminkt und lebendig, zynisch und nüchtern Wirklichkeiten kommentieren, die man in den Veröffentlichungen der Großverlage natürlich vergeblich sucht. Die Zusammenstellung ist dabei mehr als gelungen: Von alten Social-Beat Recken zu viel versprechenden Newcomern, kultigen Amis wie John Fantes Sohn Dan, Beatikone Ira Cohen und Bukowskibiograph Neeli Cherkovski bis hin zu Outlaw-Schriftsteller Jack Black. Höhepunkte hervorzuheben ist eigentlich unnötig, die Texte halten fast durchweg ein gut lesbares Niveau. Gemeinsam haben alle das Interesse, ihre Texte mit Leben zu füllen, sich den Frust oder was auch immer von der Seele schreiben zu wollen ohne sich dabei von irgendwelchen stilistischen Kinkerlitzchen einschränken zu lassen. Die Schreie aus der Finsternis machen Spaß, rütteln auf oder stoßen vor den Kopf, sind Punkrockliteratur im besten Sinne und werden wahrscheinlich mal wieder viel zu wenig Leser finden ? was bei spannender Literatur ja leider so oft der Fall ist. Ich denke, das sich ?Schreie aus der Finsternis? trotzdem und gerade deshalb zu den besten Anthologien gesellt, die sich zur Aufgabe gemacht haben, deutsche U-Literatur zu dokumentieren. 100%ige Kaufempfehlung! Alex Strucken |