CANNABIS IN JUGENDKULTURENBernd Werse Kulturhistorische und empirische Betrachtungen zum Symbolcharakter eines Rauschmittels Buch | Archiv der Jugendkulturen Verlag KG | www.jugendkulturen.de | 319 S., 28 Euro || Das Buch basiert auf einer Doktorarbeit und so muss man sich auf eine wissenschaftliche Herangehensweise einlassen - im Guten wie im Schlechten. Gleichzeitig ist der Stil aber nicht so akademisch, dass man sich nicht auch einen Abend lang Theorie und Praxis im Verbund widmen könnte, zumal viele Original-Zitate von Interview-Partnern den Text immer wieder auflockern. Nach meinem Dafürhalten krankt das Buch ein wenig daran, dass die Themen "Cannabis" und "Jugendkulturen", so spannend man beide für sich finden mag, in Kombination nicht in jedem der untersuchten Bereiche ein weites Feld für aufregende, neue Erkenntnisse erschließen. Besonders deutlich wird dies in dem kurzen Kapitel "Punk/New Wave/Gothic", wo sich zu Offensichtlichem die Einsicht gesellt, dass die subkulturelle Zugehörigkeit nur als verhältnismäßig kleiner Faktor die persönliche Einstellung zu Cannabis mitbestimmt. Nicht beiseite wischen lässt sich auch, dass heutzutage in so großen Teilen der Gesellschaft gekifft wird, dass der Charakter des Rebellischen und Unangepassten, der Cannabis und Jugendkultur lange zu natürlichen Verbündeten machte, im Schwinden begriffen ist. (Dieses Problem wird im Buch selbstverständlich reflektiert.) Aufschlussreich sind freilich die Beobachtungen zu HipHop und Reggae, weil das Konzept des Buches für diese Subkulturen besser greift und - nahe liegend - hier dann auch Schwerpunkte liegen. Insgesamt lässt sich leicht eine Empfehlung für das Buch aussprechen, schwer ist nur zu sagen, an wen eigentlich. Gut, dass es auf Empfehlungen gar nicht angewiesen ist, dürfte doch allein schon die Ambivalenz zwischen Cannabis als Massenphänomen und rebellischem Symbol, die (in doppelter Hinsicht) das zentrale Problem des Buches darstellt, für ausreichend Käufer sorgen. Ferdinand Praxl
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