FOTOREPORTAGE 23Katja Ruge In Search Of Ian Curtis Buch | Monitorpop | www.monitorpop.de | 148 S., 29,80 Euro || Das Buch zum Film ... Nun, nicht wirklich, aber das Timing passt: Im Januar kam Anton Corbijns Film "Control" in die Kinos, ein Biopic über das Leben (und Sterben) des Ian Curtis, einst Frontmann von JOY DIVISION. Ein Film ganz in schwarz-weiß, wie auch viele von Corbijns Fotografien, und im Dezember erschien "Fotoreportage 23", der Buch-Tribute an Curtis, für den die Fotografin Katja Ruge in den letzten Jahren auf JOY DIVISION-Spurensuche ging. Ihr Buch ist zweigeteilt: Die erste Hälfte versucht die Welt des Ian Curtis über 25 Jahre nach seinem Tod fotografisch darzustellen. Dazu reiste Ruge nach Manchester, fotografierte in Brüssel und Berlin, ging an die Orte, wo JOY DIVISION gespielt haben, wo sie probten, wo Curtis lebte und arbeitete. Ruge arbeitete mit einer simplen Kamera und Schwarz-weiß-Filmen, und so wirken die Bilder so düster, wie man JOY DIVISION empfindet: Sie knipste das Haus, in dem einst Factory Records gegründet wurden, traf dabei Mitgründer Alan Erasmus, der sich bis heute allen Interviews zum Thema verweigert, stand vor dem Studio, in dem "Unknown Pleasures" eingespielt wurde, sprach mit den Bewohnern des Hauses, in dem Deborah und Ian Curtis einst wohnten und wo japanische Touristen schon mal zum Fenster hineinschauen. Das Buch ist der Versuch einer Spurensuche an Orten, wo eigentlich keine Spuren mehr sind, denn was bleibt schon von Menschen, außer der Erinnerung? Ruge hat all ihre Fotos knapp kommentiert (auf Englisch), und irgendwie ist dieser Teil des Buches sowas wie ein Anti-Fan-Buch ohne jeden Sensationseffekt. In der zweiten Hälfte des Buches finden sich Portraitfotos von damaligen Wegbegleitern Curtis' und von heutigen Fans (aus Bands), die gebeten wurden, ihr Verhältnis zu JD/Curtis aufzuschreiben, und so werden die Portraitfotos durch die handschriftlichen Kommentare ergänzt. Auch dieser Teil hat nichts von stumpfer Heldenverehrung, sondern dokumentiert nur, was Curtis anderen Menschen bis heute bedeutet. Ein sehr schönes, stilles Buch abseits jeden Nostalgiekitsches. An anderer Stelle hier im Heft ist übrigens ein Interview mit Katja Ruge zu lesen, in dem sie detailliert auf die Entstehungsgeschichte dieses Fotobuchs eingeht. Joachim Hiller
|