GEHT SOPeter Hein Wegbeschreibungen Buch | www.lilienfeld-verlag.de | 126 S. || Jaja, beim letztjährigen Interview gab sich Herr Hein noch eher ablehnend, was eine eigene Literatenkarriere anbelangt, doch da nur wenige Monate später dieses Buch angekündigt wurde, muss er da bereits was ausgebrütet haben - oder traf kurz darauf die Entscheidung, sich auch außerhalb von FEHLFARBEN und FAMILY*5 textenderweise zu betätigen. Gut möglich, dass er auch erst nach diesem Interview überhaupt begonnen hat, Content für dieses Büchlein (ein solches ist es, kein dickes Buch) zu generieren. Und das verblüffende an diesem ist: Es ist Peter Hein pur. Der Mann schreibt, wie er redet, der trockene Humor ist der gleiche, die Kunst des Andeutens und Weglassens, die Wortspiele - verblüffend, wenn einem da jemand aus der Buchstabenkonserve genauso entgegentönt wie in echt. Und: Das garantiert Unterhaltung. Hein erzählt aus vielen Jahren "on the road", aber nicht wie so viele vor ihm in einer endlosen Abfolge von Alltagsbanalitäten, sondern er erzählt primär von seinen Stadterkundungen vor und nach Auftritten sowohl seiner einen wie der anderen Band. Immer wieder werden da Andeutungen und Bandinterna eingeworfen, aber nur so am Rande, dass sie nur verstehen kann, wer sich mit dem Schaffen des Ex-Düsseldorfers auskennt, doch das wiederum sollte auch genau das Publikum für diesen schmalen, aber nicht dünnen Band sein. Mit dokumentarfilmischer Genauigkeit beschreibt Hein Städte, Situationen, Stimmungen und Landschaften - und Speisen und (alkoholische) Getränke, und einmal, in "Silverstone", lässt er sich sogar dazu hinreißen, anlässlich seiner Schwärmerei vom Auto-Rennsport auch mit dem Xerox-Konzern abzurechnen, dem er einst den Vorzug gegenüber einer Bandkarriere gab und der ihn dann bald 30 Jahre später abservierte und zu einer späten Künstlerexistenz zwang. Meine Lieblingsstory in diesem nach Städten sortierten Episodenbuch ist die über Magdeburg: Fängt dezent an, endet in einer wüst-brillanten Generalabrechnung mit der BRD (sic!) nach 1990. Hinten dann noch kleingedruckte Nachträge respektive Korrekturen, denn Herr Hein hasst Recherche - das Faktenchecken kann man ja im Nachhinein noch erledigen, gefühlte Wahrheit ist auch Wahrheit. Ein sehr smartes Büchlein - von dem Herrn darf es gerne noch etwas mehr sein. Joachim Hiller
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