ALS DIE WELT NOCH UNTERGING Von Punk zu NDW
Frank Apunkt Schneider , Buch, Ventil Verlag, www.ventil-verlag.de, 386 S., 17,90 Euro
Die "Neue Deutsche Welle", damit verbindet der Normalkonsument die einschlägigen "Spaßlieder", die seit Anfang/Mitte der Achtziger und bis heute auf redundanten Compilations verramscht werden - wie kein anderes Genre ist die deutsche Antwort auf New Wave (was ja auch schon ein fragwürdiger, den "bösen" Punk vermeidender Marketing-Begriff war) zum prototypischen Fall geworden, wie sich Musikindustrie und Mainstream-Medien eine Subkultur einverleiben, verdauen, verwerten und die Reste wieder ausscheiden. Mit "Verschwende deine Jugend" erschien vor einigen Jahren erstmals ein Buch, das diese Phase der deutschen Musikgeschichte zu dokumentieren versuchte. Jürgen Teipel ging dabei eher ausschnittsweise vor, das Buch hatte Lücken, es stieß bei Leuten auf Kritik, die es besser wissen, die sich noch kleinteiliger mit jener Zeit zwischen 1976 und 1985 beschäftigen. Einer von denen ist Frank A. Schneider, und mit "Als die Welt noch unterging" hat er eine exzellente Dokumentation geschaffen, die sich all jener Musik widmet, die gemeinhin durchs Raster fällt, wenn die Popkultur-Deuter anrücken. Mit (selbst-)kritischer Schreibe beginnt er bei der Ankunft des Punkrock in Deutschland und sortiert mit viel eigener Meinung (und entsprechend eher weniger "journalistisch-distanzierter" Schreibe) aus (und ein), was zwischen Mitte der Siebziger und Mitte der Achtziger ("Als die Welt noch unterging", ein Bezug auf das Zeitgefühl zwischen "Deutscher Herbst" und Overkill-Angst nach NATO-Doppelbeschluss) an guter respektive interessanter Musik veröffentlicht wurde und heute, in Zeiten des Internet-Downloads und einfacher Reproduktionstechnik mittels CD-Brenner, vielfach wieder erhältlich ist. Ein Buch über Klein- und Kleinstlabels, die Kunst des D.I.Y., über die große Zeit der Kassetten-Labels, über nur lose miteinander verbundene Groß-, Mittel- und Kleinstadt-Szenen, über eine Musikgattung, die sich nicht klar von Punk trennen lässt, musikalisch aber weit darüber hinausgeht mit der vielfachen Verwendung elektronischer Instrumente, oft aber auch experimentell und konzeptionell war und deshalb von den "echten" Punks gehasst wurde. Zum ausführlichen Haupttext kommt eine ausführliche, beinahe genauso viel Platz einnehmende Disko- bzw. Kassettografie - ein Standardwerk zum Thema und auch Einkaufsratgeber für Neueinsteiger. Joachim Hiller |