BURNING ANGEL Buch, Goliath, goliath.eu, 368 S., 29,90 Euro
"Alternative" Webcommunities für zeigefreudige junge Menschen wie Suicide Girls, KinKats oder eben auch Burning Angel erfreuen sich seit ein paar Jahren erstaunlicher Beliebtheit, und was die einen für pure Pornographie in aktueller Aufmachung halten, ist für andere ganz wertfrei ein Ausdruck ihrer sexuellen Selbstbestimmtheit. Urfeministische Theorien ziehen da längst nicht mehr, und bitteschön, wer sich für alle Welt sichtbar in Internet und Büchern nackig machen will, soll das eben tun. Brenda Staudenmaier alias "Lovely Brenda" hat seit 2002 unzählige Frauen aus der US-Punk- und Hardcore-Szene ganz oder fast nackt fotografiert, und man lernt daraus, dass Tätowierungen in unserer Szene heute eher die Regel als die Ausnahme sind. Überästhetisiert ist hier nichts, aber "normale" Frauen sind auch nicht zu sehen: Ausziehen tun sich offensichtlich immer noch nur die, die nicht zu dünn, dick, klein oder groß sind. Von daher ist "Burning Angel", ohne dieses Buch oder seinen Anspruch überbewerten oder unterschätzen zu wollen, dann eben doch wieder ein dickes Tittenheft für kleine dicke Jungs und hässliche alte Männer. Und die paar Zeilen Text, die sich im Buch finden, sind an Dummheit nicht zu überbieten: "Wow! Das sind auf jeden Fall die heißesten und unartigsten Punkrock-Mädels, die die legendäre Kult-Community Burning Angel zu bieten hat. Sie werden Dich verführen und verderben. Und wenn sie mit Dir fertig sind, dann gleich nochmal!" Äh, ja, cool geht anders, da ist das, was an Anspruch mal vorhanden gewesen sein mag, den Verwertungsmechanismen der altbekannten Kanäle unterworfen worden. Joachim Hiller |