CUMSHOTS: HÖHEPUNKTE DER DEUTSCHEN PORNOFILME Stephan Scheler/Manuel Grebing , Buch, Metronom, www.cumshots-buch.de, 300 S., 19,90 Euro
Die Existenz dieses Buches mit dem programmatischen Titel haben wir dem Umstand zu verdanken, dass zwei in der Werbung tätigen Herren langweilig war und sie zufällig auf die Idee kamen, mal die verbalen wie ästhetischen Entgleisungen der Porno-Industrie in einem Bildband zu sammeln. Nett aufgemacht ist das Ganze ja, exakt den Abmessungen einer Videokassette nachgebildet - also nicht in den heimischen Player stecken - und mit vielen bunten Bildern versehen. Glücklicherweise gibt es nicht viel Text, denn die den einzelnen Kapiteln vorangestellten Kommentare sind eher dämlich, und auch der Einleitungstext liefert einem nicht gerade eine besonders analytische Aufarbeitung der Arbeitsweise der Porno-Industrie. Für den intellektuellen Tiefgang dieses Bandes spricht sicherlich auch der Auftritt der beiden "Autoren" Scheler und Grebing bei TV total, wo sich ein mittlerweile wirklich komplett unerträglicher und grenzdebil aufführender Stefan Raab die ganze Zeit über die witzigen Titel der Pornofilme beömmelte und dabei genau die richtigen Knöpfe bei seinem ähnlich geistig tiefergelegten Normalo-Publikum drückte. Haha, was es nicht alles gibt, Pornos, nie was von gehört, haha! Dabei ist die Grundidee von "Cumshots" eigentlich gar nicht so übel, denn die Pornobranche hat sich vor allem seit Beginn der Videoära auf höchst eigenwillige Art der deutschen Sprache bemächtigt - das fasziniert natürlich auch Werbeprofis -, um seine Klientel anzusprechen: mal mit ordinären Plattheiten, mal mit überraschendem Sprachwitz. Und so ertappt man sich beim Durchblättern des Buches häufiger beim herzhaften Ablachen über verbale Stilblüten wie "Schwanzwaldklinik" und "Muschiplizieren". Vieles ist natürlich auch nur unappetitlich oder macht erst durch die Verbindung von Bild und Text halbwegs Sinn, aber man ist doch immer wieder überrascht, wie dreist und flächendeckend Porno doch die seriöse Kulturindustrie geplündert hat. Es bleibt allerdings bei einem etwas eindimensionalen Vergnügen, denn die meisten dazu gehörigen Filme will man nicht unbedingt sehen, und beim zweiten Mal ist das alles auch schon nicht mehr so lustig. Hinzu kommt eine gewisse Unschärfe bei der Auswahl der Filme, denn zwischen harter Pornoware tauchen irgendwelche harmlosen Softsexfilmchen auf, ebenso wie europäische Exploitationwerke aus den 70ern, die eigentlich nichts mit Porno zu tun haben und selten lustige Titel haben. "Cumshots" dürfte in erster Linie Menschen befriedigen, die sich gerne mal zu Kommentaren wie "Riesen Spaß für die Lachmuskeln" hinreißen lassen, aber als etwas rudimentäre Aufarbeitung von Porno als Teil der Popkultur besitzt das Buch durchaus interessante Ansätze, die allerdings an keiner Stelle wirklich befriedigend ausgearbeitet wurden, weshalb hier alles auf dem Niveau eines etwas subtileren Herrenwitzes stecken bleibt. Thomas Kerpen |