LE PETIT MORT Sex & Drugs & Mukoviszidose - Die Geschichte eines Grufties
Jörg Ranisch , Buch, Archiv der Jugendkulturen, www.jugendkulturen.de, 432 S., 18 Euro
Ein Buch, zwei Themenschwerpunkte: "Le Petit Mort" ist zum einem die Geschichte einer Jugend in der DDR, wie es war, dort Punk und Gruftie zu sein, 1989 die Wende mitzuerleben und dann seinen Platz im Gesamtdeutschland zu finden. Zum anderen ist es aber auch die Geschichte von einem, der mit Mukoviszidose geboren wird und der zum Erstaunen seiner Ärzte immer noch lebt, und das sogar recht wild. Jörg Ranisch hat hier sein Leben aufgeschrieben, berichtet von der Kindheit im "Arbeiter- und Bauernstaat", von der ersten Auflehnung, von der Hinwendung zu Punk- und Wave-Musik in den frühen Achtzigern und den Schikanen, die man in jenem Paradies der Werktätigen staatlicherseits all jenen angedeihen ließ, die es wagten, aus der Reihe zu tanzen - ja, die DDR war eine beschissene Diktatur. Er berichtet immer wieder explizit von seinen sexuellen Abenteuern, von chaotischen Beziehungen, von den Wirrungen der Wendezeit, als er mit anderen Punks und Grufties in ein altes Haus zieht, sich immer wieder massiv gegen Naziterror zur Wehr setzen muss und dabei versucht, trotz einer heimtückischen Krankheit und ständiger Kur- und Krankenhausaufenthalte ein halbwegs normales Leben zu führen. Später zieht er mit seiner Freundin/Frau nach Berlin um, entdeckt seinen Hang zu SM- und Fetisch-Spielen, beginnt in diesem Bereich zu fotografieren, aber sein Leben zwischen unzähligen Frauen und einem ewigen Gefühlschaos wird nicht ruhiger. Ranischs Buch ist sicher keine große Literatur, aber eine Lebensgeschichte, die für Leute mit einem ähnlichen Szene-Hintergrund auf jeden Fall Lesespaß bereitet. Etwas nervig ist nur die etwas prahlerische Schilderung seiner ständig neuen Sexkontakte, aber ok, nachdem er das so explizit schildert, scheint ihm das eben sehr wichtig zu sein. Und letztlich waren es wohl diese Schilderungen, die auch zu rechtlichen Problemen und einigen Schwärzungen im Buch führten. Joachim Hiller |