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NEONAZIS IN NADELSTREIFEN

Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft

Andrea Röpke, Andreas Speit (Hg.) , Buch, Ch. Links, 16,90 Euro

Mitte 2005 erschien Toralf Stauds "Moderne Nazis. Die neuen Rechten und der Aufstieg der NPD", ein Standardwerk über die "neue" NPD. Stauds Kernaussage: die älteste Partei aus dem rechten Spektrum bewegt sich auf die Mitte der Gesellschaft zu und ist in einzelnen Regionen schon etabliert. NPD-Vertreter geben sich außerhalb interner Treffen bürgerlich, selbst angesehene Geschäftsleute und Menschen aus dem örtlichen Vereinsleben gehören der Partei an, und zugleich paktieren die bürgerlichen "Kameraden" mit gewaltbereiten und vorbestraften Neonazis militanter "Kameradschaften". Da, wo Staud seinerzeit abschloss, setzen Röpke/Speit mit ihrem Buch an. Beleuchtet werden dabei in einer Mischung aus Analyse und Reportagen Hintergründe, aber vor allem die derzeit sehr dynamischen Weiterentwicklungen. Denn auch wenn Staud den Grundstein legte für das Verständnis der "neuen" Braunszene, deren Mittel- und Sammelpunkt die NPD ist. Die 2005 noch neuen Entwicklungen wurden oft erst nach Stauds Veröffentlichung von der Partei perfektioniert.
Hier setzen die Autoren von "Neonazis in Nadelstreifen" nun an. Schon Staud widmete sich dem NPD-Imagewandel, weg vom völkisch-nationalistischen, hin zur braunen oder vermeintlich rotbraunen "Kümmerer"-Partei. Ebenso gehörten Verknüpfungen zwischen "Kameradschafts"-, Rechtsrock- und NPD-Szenen zu Stauds Themen. Röpke/Speit und deren Autoren gehen darauf ebenso ein, beleuchten aber zudem Perfektionierungen der "Wortergreifungsstrategie" und die Folgen des NPD-Einmarsches in ein zweites Landesparlament (Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern). Aufgezeigt wird anhand von Bayern, wie NPD und Neonazis auch in den alten Bundesländern Fuß fassen (wollen). Informiert wird ferner über braune Immobiliengeschäfte und Finanzierungsmodelle sowie die Professionalisierung des NPD-eigenen "Rings Nationaler Frauen" (RNF) und dem Engagement von Rechtsextremistinnen im Sozialen oder Ehrenamtlichen. Gerade letztgenannte Aktionsfelder der Neonazis gewannen erst Ende 2005 eine neue Dynamik und bedurften daher neuer Recherchen. Überdies wurden seitdem erst durch Röpkes Recherchen die Verflechtungen zwischen NPD und der an die Hitlerjugend erinnernden "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) öffentlich. So lässt denn auch das Gesamtbild der hier versammelten Beiträge den Schluss zu, dass "Neonazis in Nadelstreifen" ein wichtiges Buch ist - auch zur Vervollständigung des nicht weniger wichtigen Staud-Werkes. Denn die NPD wird sich weiterhin bürgerlich gebärden (wollen). Dabei sollte man sich indes darüber im Klaren sein: "Auch Neonazis in Nadelstreifen bleiben Neonazis".
Michael Klarmann

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