JOHNNY ROTTENS GESCHICHTE(N)Von den SEX PISTOLS bis zu PIL Rob Johnstone (Hg.), Buch | Iron Pages Books | www.ip-verlag.de | 240 S., 18,90 Euro
Wenn wieder einmal in einer Publikation nach dem "Album, das mein Leben veränderte" gefragt wird, kann man sich sicher sein, dass jemand "Never Mind The Bollocks" nennt. Zu Recht, denn das einzige reguläre Album der SEX PISTOLS war in der Tat bahnbrechend und wegweisend. Stammte die Musik weitgehend von Glen Matlock, waren es doch die Texte, der Gesang und das Auftreten von Johnny Rotten, der die Band zu dem machte, was sie war - einzigartig. Entsprechend viel wurde in der Folgezeit über die Pistols und ihren Sänger geschrieben. Mit "Johnny Rottens Geschichte(n)" ist nun ein weiteres Buch hinzugekommen. Es versammelt insgesamt elf Essays von Autoren, die alle ihre Gedanken über Johnny Rotten darlegen. Allerdings hält dieser interessante Ansatz nicht durchgängig das, was er verspricht. So ist zum Beispiel der Aufsatz des bekannten amerikanischen Musikkritikers Greil Marcus eher wirr, und wer "Please Kill Me" gelesen hat, kann den Essay von Legs McNeil locker überspringen. Darüber hinaus kommt es auch innerhalb des Buches mehrfach zu inhaltlichen Überschneidungen und Wiederholungen, was die Lesefreude etwas mindert. Auf der anderen Seite aber finden sich wahre Perlen. Clinton Heylin z.B. zeichnet das musikalische Schaffen von PIL eindrucksvoll nach und Barbr Jungr beispielsweise analysiert höchst lesenswert Lydons Stimme und seine Art zu singen. Dazu hat sie u.a. Johnnys Gesangslehrerin aufgespürt, die McLaren seinerzeit engagierte, um seinem Schützling das "richtige Singen" beizubringen. Brachte übrigens nichts, da Rotten sich weigerte, etwas von ihr anzunehmen. Zu den ebenfalls lesenswerten Aufsätzen gehört der von Pat Gilbert, der sich der veränderten öffentlichen Wahrnehmung Rottens auf der Insel widmet. So wurde aus dem Bürgerschreck durch seinen Mitwirken bei der Dschungelshow "I'm A Celebrity...Get Me Out Of Here" fast schon Everybody's Darling. Bis zu zwölf Millionen Briten sahen täglich einen freundlichen und witzigen Rotten, der sich für die Gruppe einsetzte und Mitstreiter wie Katie Price oder Peter Andre' mit unflätigen Ausdrücken belegte. Insgesamt hält sich die Zahl der interessanten und aus Sicht des Rezensenten eher weniger interessanten Essays in etwa die Waage. Dem Hardcore-Fan mag das völlig ausreichen. Neueinsteigern in Sachen Rotten/Pistols seien stattdessen seine Autobiographie "No Irish, No Blacks, No Dogs" empfohlen oder natürlich das Standardwerk schlechthin, "England's Dreaming" von John Savage. Achim Lüken
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