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Literaturkolumne #80 Mein Mitteilungsbedürfnis...

... hält sich wieder mal in Grenzen. Ich hoffe mal, wenn diese Kolumne erscheint, wird der debile Anti-Islam Kongress der Pro-Köln Wichser verhindert und der Kapitalismus abgeschafft worden sein. Alle Grenzen und Nationen sind verschwunden und die Köpfe all der Spacken, die versuchen uns am Leben zu hindern, stecken auf Pfählen auf den Marktplätzen dieser unserer beschissenen Welt. Hochachtungsvoll,
Alex Strucken (literatur@ox-fanzine.de)


Einwanderer, Auswanderer, Rassismus

In Yadé Karas Roman "Cafe Cyprus" (384 S., 19,90 Euro, www.diogenes.de) verschlägt es den türkischstämmigen Berliner Hasan nach London. Ein Buch voller verschiedener Menschen und Kulturen. Da ergeht es Rashid in "Arab boy" (288 S., 14,90 Euro, [url]www.fischerverlage.de) von Güner Balci einigermaßen schlechter. Sich weder als Deutscher, noch als Libanese fühlen,d führt seine kriminelle Karriere ihn zuerst in die Drogensucht und schließlich in den Knast, wo er auf seine Abschiebung wartet. Und Orhan Pamuk zeichnet in "Istanbul" (432 S., 9,95 Euro, www.fischerverlage.de[/url]) ein eindringliches, faszinierendes Bild seiner Heimatstadt und ergründet Erinnerungen an seine Familie und Kindheit. In den in "Plantation Memories" (152 S., 16 Euro, www.unrast-verlag.de) versammelten Geschichten thematisiert Grada Kilomba verschiedene Facetten des (Alltags-) Rassismus, geht der Herkunftsfrage oder der (politischen) Bedeutung der Haarfarbe nach und zieht Verbindungen zum Kolonialismus. Margarete Jäger beschäftigt sich in "Einwanderung im deutschen Alltagsdiskurs" (300 S., 25 Euro, www.unrast-verlag.de) ebenfalls mit Rassismus in der deutschen Gesellschaft, zieht dafür aber eine Interviewreihe heran, die zu diesem Thema mit verschiedenen deutsch stämmigen Bevölkerungsgruppen geführt wurde.
Demütigungen zum Trotz doch durchsetzt.

Punker, Rapper und ein Soulbruder

DIY war mal mehr als ein Schlagwort in der Punkszene. Genau damit beschäftigt sich Alan O'Connor in "Punk Record Labels and the Struggle for Autonomy: The Emergence of DIY" (26,95 Dollar, www.akpress.org). Interviewt wurden 61 Labels, wobei auch der der soziale Background der Macher thematisiert wird, warum sie sich für den unabhängigen Weg entschieden haben. Besonderes Augenmerk wird ebenfalls auf die Probleme der Labels in Bezug auf Verträge, Touren und Rivalitäten mit den Großen gelegt. Die Karriere der COCKNEY REJECTS war v.a. geprägt von Fußball, Musik und Gewalt. In "Cockney Reject" (Preis noch nicht klar, www.iron-pages.de) versammeln sich die Memoiren von Jeff Turner, seines Zeichens Sänger der Band, und diese drehen sich natürlich nicht nur um die Karriere der East End Boys, sondern auch um Fußball und Gewalt. Ich sag nur Inter City Firm. Musikjournalist Nik Cohn begab sich für "Triksta" (264 S., 19,90 Euro, www.hanser.de) nach New Orleans und dort auf Talentsuche nach schwarzen Rappern in den ärmsten Vierteln der Stadt. Nicht nur das "Dokument einer auch in den USA wenig bekannten Hip-Hop-Szene" (Verlagsinfo), sondern auch ein Bild der veränderten Stadt nach Katrina. Die Biographie "The Life of James Brown" (214 S., 12, 95 Pfund, www.omnibuspress.com) von Geoff Brown beschäftigt sich mit dem kontroversen Leben des wohl mit einflussreichsten schwarzen Musikers der 60er und 70er.

Auf der Flucht

In Susan Chois "Reue" (480 S., 19,95 Euro, www.aufbau-verlag.de) geht es nicht nur um einen Mann auf der Flucht vor seiner dunklen Vergangenheit, sondern vielmehr auch die kranke Paranoia der US-Gesellschaft in den Zeiten des Terrors. Getrieben und verloren sind die Charaktere in "Ein gerader Rauch" (880 S., 24,90 Euro, www.rowohlt.de) von Denis Johnson. Ein CIA-Spion, zu Soldaten werdende Brüder, eine verwitwete Krankenschwester, alle sehnen sich verzweifelt nach dem Ende ihrer desillusionierenden Einsamkeit. Von der Flucht eines jungen Irakers aus den Klauen der Husseindiktatur handelt "Der falsche Inder" (160 S., 16 Euro, www.edition-nautilus.de) von Abbas Khider. Vom Unglück verfolgt und doch immer wieder gerettet führt ihn seine Flucht durch Nordafrika und Europa und in die Gesellschaft anderer Leidensgenossen. Peter Overbeck verschlug es als revolutionären Linken und Dokumentarfilmer 1971 nach Chile unter Allende. In "Santiago, 11. September" (256 S., 19,90 Euro, www.edition-nautilus.de) dokumentiert er diese kurze Zeit der Hoffnung und seine Flucht nach Deutschland nach Beginn der Militärdiktatur Pinochets.

Kriminell in Washington, Japan und New York

Nicht nur Stephen King hält George Pelecanos für einen der besten lebenden amerikanischen Krimiautoren. Erfreulicherweise ist mit "Der Totengarten" (464 S., 9,95, www.rowohlt.de) ein neues Buch von ihm erschienen, in dem sich ein Police-Sergeant mit einer mehr als bizarren Mordserie konfrontiert sieht. Aufgewachsen in einem Bordell in Tokio und auch als Erwachsene in Dreck und Armut lebend hat die Protagonistin in "Teufelskind" (220 S., 17,95 Euro, www.randomhouse.de) von Natsuo Kirino irgendwann die Schnauze voll und startet mit dem Rücken zur Wand einen blutigen Rachefeldzug. Eine wahre Geschichte erzählt Gay Talese in "Ehre deinen Vater" (536 S., 24,90 Euro, www.rogner-bernhard.de), nämlich die einer New Yorker Mafiafamilie, zu deren Boss er ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte. So begleitete er ihn sechs Jahre und hatte die Möglichkeit mit vielen seiner Charakteren zu sprechen und die Fehden und Geschäfte aus erster Hand mitzuerleben.

Kämpfe und Kämpfer

In Ingrid Strobls "Partisanas" (21,95 Dollar, www.akpress.org) thematisiert die Autorin die scheinbar unterbewertete Rolle der Frauen im Widerstand gegen die Nazidiktatur. Aufbauend auf intensiven Nachforschungen und Interviews mit den Widerständlerinnen zeichnet sie ein genaues Bild der Geschichte der Partisaninnen. Die Herausgeber David und Rebecca Solnit dokumentieren in "The Battle of the Story of the ?Battle of Seattle?" (www.akpress.org) die damaligen Proteste gegen die WTO und die Versuche der Medien, die Aktionen zu verfälschen und umzudeuten. In "Somos viento (Wir sind der Wind)" (192 S., 16 Euro, www.unrast-verlag.de) beschäftigt sich Georg Schön mit den NGOs und sozialen Bewegungen in Lateinamerika. Ausgehend von den zivilen Zapatisten in Mexiko geht es u.a. um Verteilungskämpfe, Sozialforen und Gegenöffentlichkeit.

Armutsbilder

Edward P. Jones' Erzählungen in "Im Labyrinth der Stadt" (320 S., 8,90 Euro, www.dtv.de) drehen sich in harten Momentaufnahmen um Menschen aus der unterprivilegierten schwarzen Unterschicht in Washington DC, die sich in der Stadt verlieren und manchmal wiederfinden. Um Kinderarmut in Deutschland geht es in "Arme Kinder, reiches Land" (224 S., 14,90 Euro, www.rowohlt.de) von Huberta von Voss. Hierfür beschreibt sie die Situation der Betroffenen jenseits der Statistiken, läßt diese zur Sprache kommen und skizziert Möglichkeiten der Hilfe. Die Titelheldin in Roddy Doyles "Paula Spencer" (304 S., 21,50 Euro, www.hanser.de) ist Witwe, Mutter, trockene Alkoholikerin und stammt aus der irischen Unterschicht. Vom Aufschwung übersehen, kann sie von ihren drei Kindern auch nicht viel erwarten. Eine Geschichte einer Frau, die sich allen

Erwachsen werden mit Musik

Auf eine musikalische Reise begibt sich Chuck in "Eine zu 85% wahre Geschichte" (288 S., 9,95 Euro, www.fischerverlagde.de) von Chuck Klostermann. Verliebt in drei Frauen gleichzeitig und dementsprechend verwirrt, erhält der Musikjournalist einen Auftrag, der ihn quer durch die USA zu verschiedenen Orten führt, an denen Rockheroen den Tod fanden. Laut Verlag "ein witzig-makaberes Roadmovie durch das Herz der Musik.". Darüber, wie es sich anfühlt, als Punkrocker plötzlich Vater zu sein und sich nun selbst mit aufmüpfigen Kids rumzuschlagen, schreibt PENNYWISE Sänger Jim Lindberg in "Punkrocker sind auch nur Väter" (Preis noch nicht klar, www.iron-pages.de). Schon mal versucht, der Kindergärtnerin einen Song namens "Fuck Authority" zu erklären?!

Zum Schluß

Im Fischer Verlag ist nun die Taschenbuchversion von Albert Sánchez Pinols "Im Rausch der Stille" (336 S., 9 Euro, www.fischerverlage.de) erschienen. Eine einsame Insel, ein verwirrter Leuchtturmwärter, ein neuer Meteorologe und eine trügerische Stille. Ein Roman "auf dem schmalen Grat zwischen Mensch und Kreatur" (Verlagsinfo). Groß.

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