21 GRAMS
USA 2003. R: Alejandro González Iñárritu. D: Sean Penn, Naomi Watts, Benicio Del Toro u.a. 124 Min. Constantin.
Normalerweise werden erfolgreiche ausländische Regisseure, die nach Hollywood geholt werden, meist schon nach ein oder zwei Filmen verheizt und produzieren nur noch kommerziellen Müll. John Woo ist so ein Fall, ebenso wie Robert Rodriguez, aber auch der Brite Christopher Nolan, der gerade an einem neuen Batman-Film arbeitet, scheint diesen Weg zu gehen. Bei AMORES PERROS-Regisseur Alejandro González Iñárritu hatte ich ähnliche Befürchtungen, aber 21 GRAMS (Constantin) ist ein Film, der über jeden Zweifel erhaben ist, und in gewisser Weise sogar besser als AMORES PERROS ist. Ein fantastisches Drei-Personen-Stück, das drei Schicksale noch wesentlich stärker verzahnt, als es bei AMORES PERROS der Fall war. Ein Mann braucht ein neues Herz, ein anderer stirbt und liefert dieses Herz, und der Mann mit dem neuen Herz soll der Frau des Spenders helfen, den Mann zu suchen, der diese Spende erst möglich gemacht hatte, da er den Ehemann bei einem Autounfall getötet hatte ? aber das alles ist noch wesentlich vielschichtiger. Schuld und Sühne ist das beherrschende Thema dieses philosophischen und wie existentialischen Film, was manchmal zu einem fast etwas zu pathetischem Erlösungspathos führt. Die großartigen schauspielerischen Leistungen von Sean Penn, Naomi Watts (diese Frau sieht auch ohne Make-up und völlig verheult völlig anbetungswürdig aus) und Benicio Del Toro sind ein Grund für die Klasse dieses packenden menschlichen und niederschmetternden Dramas, dazu kommt die Leistung von Kameramann Rodrigo Prieto (25TH HOUR) ? 21 GRAMS ist einer dieser Handkamera-Exzesse ? und Cutter Stephen Mirrione (TRAFFIC), die den Film in visueller Hinsicht zu diesem Meisterwerk gemacht haben. Ich habe in den letzten Jahren keinen Film gesehen, der so exzellent geschnitten war ? vergessen wir mal den Gimmick von MEMENTO ?, denn auch wenn keine der aufeinanderfolgenden Szenen auf derselben zeitlichen Ebene angesiedelt, ergibt sich dennoch eine chronologische Handlung, und das ist schon verdammt ganz große Kunst ? wobei der Film in chronologischer Reihenfolge gedreht wurde, was ja nicht die Regel ist. Es gab letztes Jahr wohl kaum einen besseren Film, der einen regelrecht absorbiert, auch wenn Clint Eastwoods Film MYSTIC RIVER ebenfalls sehr gut war. Alejandro González Iñárritu besitzt jedenfalls ein beeindruckendes Talent und man kann nur hoffen, dass sich das nicht zu schnell verbraucht. Die Kauf-DVD kommt Anfang September, und über die Ausstattung lässt sich nur sagen, dass sie wohl kaum schlechter als bei der amerikanischen Disc sein kann, denn da ist noch nicht einmal der Trailer drauf.
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