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AUSWEITUNG DER KAMPFZONE

AUSWEITUNG DER KAMPFZONE


Frankreich 1999. R: Philippe Harel. D: Philippe Harel, José Garcia, Catherine Mouchet u.a. 120 Min. Epix.

In Frankreich ist das Kokettieren mit Porno-Ästhetik seit BAISE-MOI, INTIMACY und Catherine Breillats ROMANCE ja irgendwie in Mode gekommen, und in Breillats aktuellem Film ANATOMIE DE L'ENFER spielt dann direkt Potenzschwengel Rocco Siffredi mit. Auch in der bereits 1999 entstandenen Verfilmung von Michel Houellebecqs Roman AUSWEITUNG DER KAMPFZONE (Epix) ist der Umgang mit menschlicher Sexualität zwar direkter als gewohnt, aber dennoch nicht wirklich explizit. Houellebecq verfasste auch das Drehbuch zu dem Film von Philippe Harel, wodurch ein großer Teil seines brillant zynischen Textes erhalten blieb. Das ist allerdings auch das Problem der Verfilmung, die oft nicht wie ein Film wirkt, sondern ein Hörbuch mit Bildern. Nicht die Bilder transportieren den Text, sondern die beiden Erzähler im Off. In AUSWEITUNG DER KAMPFZONE geht es um einen EDV-Spezialist Anfang/Mitte 30, der dem Leben nicht mehr den rechten Spaß abgewinnen kann, und seine Umwelt mit zynischem Blick und brutaler Ehrlichkeit seziert. Ein Misanthrop reinsten Wassers, ein Großstadtneurotiker, der schließlich die letzte Grenze übertritt, als er nach einem Discobesuch in der Provinz während einer Geschäftsreise seinem nicht minder frustrierten Kollegen ein Messer in die Hand drückt, um damit ein junges Pärchen abzuschlachten. AUSWEITUNG DER KAMPFZONE mit FIGHT ZONE oder TRAINSPOTTING zu vergleichen, ist aber ähnlich blödsinnig wie Gasper Noes SEUL CONTRE TOUS mit TAXI DRIVER, denn in beiden Filmen geht es nicht eine Eskalation und Legitimation von Gewalt, sondern um einen durchaus realistischen Blick auf Menschen, die in ethischer und moralischer Hinsicht mit der Gesellschaft abgeschlossen haben, ohne dass dazu eine Form von Schizophrenie nötig wäre. Sowohl der Metzger in Noes Film als auch der namenlose Held bei Houellebecq haben eine sehr nüchterne Weltsicht, aber beobachten und bewerten die Dinge um sie herum in anderer Weise, soweit sie den Dingen überhaupt noch einen Sinn abgewinnen können. Wobei Philippe Harels (der auch den namenlosen Helden spielt) Film ein seltsam versöhnliches Ende besitzt. Insofern macht es vielleicht mehr Sinn, direkt Houellebecqs Buch zu lesen, denn die Adaption Harels macht visuell wirklich nicht viel her, was man bei SEUL CONTRE TOUS nun wirklich nicht behaupten kann, wo sich inhaltliche Tiefe mit visueller Raffinesse paart.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 17.09.2004 Thomas Kerpen
 
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