DOGVILLEItalien/Dänemark/Schweden/
Frankreich/Norwegen 2002. R: Lars von Trier. D: Nicole Kidman, Lauren Bacall, Paul Bettany, James Caan u.a. 177 Min. Concorde
Bei der DVD von DOGVILLE (Concorde) bleibe ich erneut der schönen Tradition treu, einen Lars Von Trier-Film nicht bis zum Ende durchzustehen. Wie vermessen von mir zu glauben, ich würde mir drei Stunden lang anschauen, wie eine überwiegend amerikanische Besetzung, darunter Nicole Kidman, Paul Bettany, James Caan, Ben Gazzara, Philip Baker Hall, Chloe Sevigny und Bogie-Witwe-Lauren Bacall, durch eine Theaterkulisse stolpern, die bis auf ein paar Requisiten wie Tische, Stühle und Autos nur auf den Boden gezeichnet wurde. Die Story entführt uns dann in die Abgründe einer amerikanischen Kleinstadt, in die sich die Kidman verirrt, auf ihrer Flucht vor irgendwelchen Gangstern. Dogma-Initiator Von Trier spricht hier von Anti-Kino und ich kann ihm da nur beipflichten, denn DOGVILLE ist nicht mehr als die üblichen Flatulenzen eines überambitionierten Kunstfilmers. Das Schlimmste dabei ist Von Triers Inkonsequenz, denn auf der einen Seite ist er um Minimalismus bemüht, andererseits arbeitet er mit albernen Soundeffekten, wenn sich nicht vorhandene Türen geräuschvoll öffnen, was eher mal unfreiwillig komisch wirkt. Wie so oft funktioniert der Versuch einfach nicht, eine Theateratmosphäre auf einen Kinofilm zu übertragen, selbst die Darsteller fühlen sich dabei sichtlich unwohl, wirken zumindest schwer verkrampft. Die güldene Palme gab es in Cannes dennoch dafür, wo egozentrische Streber wie von Trier schon immer gerne belohnt wurden. Jetzt werden die wahren Filmkenner sicher sagen, der Kerpen soll doch die Fresse halten und lieber seine Gewaltpornos gucken, aber Kunstfilm hat eben doch noch eine andere Funktion, als sein Publikum zu Tode zu langweilen, was oft leider vergessen wird. Während der Dreharbeiten fiel wohl eine amüsante Aussage bezüglich des Von Trierschen Charakters durch Darsteller Stellan Skarsgard, der diesen als "a hyper-intelligent child who is slightly disturbed, playing with dolls in a doll house, cutting their heads off with nail clippers" bezeichnete ? und der muss es schließlich wissen, arbeitet er doch nicht zum ersten Mal mit dem Mann zusammen. Dieser infantile Sadismus ist bei der Betrachtung seiner Filme auch kaum von der Hand zu weisen. |