THE MISSING
USA 2003. R: Ron Howard. D: Cate Blanchett, Tommy Lee Jones, Evan Rachel Wood u.a. 137 Min. Columbia Tristar.
Bei Ron Howard muss ich immer an den leicht nerdigen, rothaarigen Teenager aus "Happy Days" denken, an der Seite von The Fonz, der dann nach seiner Rolle in THE SHOOTIST dank Roger Corman zu einem der Top-Regisseure Hollywoods wurde ? inzwischen allerdings schwer kahlköpfig ?, woran ich mich wohl nie gewöhnen werde, da mir Howards bisherige Filme eher mal egal sind. Aber es gibt ja wie bei allem die berühmte Ausnahme, und die heißt THE MISSING (Columbia), ein Film, der klassische Westernmotive mit übernatürlichen Motiven mischt, woraus sich trotz Überlänge ein packendes, wenn auch nicht immer ganz glaubwürdiges Drama mit Vater-Tochter-Konflikt entwickelt. Im Jahr 1885 lebt Maggie Gilkeson (Cate Blanchett) in New Mexico mit ihrer Familie ein hartes, aber irgendwie glückliches Leben. Diese vermeintliche Idylle bekommt Risse, als ihr Vater auftaucht, der sie einst im Stich ließ, um als Indianer zu leben, und ihr Mann von Indianer umgebracht und eine ihrer beiden Töchter entführt wird. Da sich sonst niemand für die Sache interessiert, muss sie also doch ihren Vater bemühen, um die verlorene Tochter wiederzufinden, die von einem psychotischen indianischen Medizinmann als Prostituierte nach Mexiko verkauft werden soll. Man könnte den Eindruck gewinnen, es hier mit der "X-Files"-Variante von THE SEARCHERS zu tun haben, die aus ihrem engen B-Film-Korsett geplatzt ist wie das Alien aus dem Bauch von John Hurt, und dazu noch mit Stereotypen über die bösen Indianer um sich wirft. Das ist sicherlich auch alles richtig, nur funktioniert der Film gerade deswegen ganz hervorragend, vor allem was seine Modernisierung klassischer Westernmotive angeht ? und selbst in sehr ernsthaften Spätwestern wie ULZANA'S RAID wird kein besonders schmeichelhaftes Bild der Indianer gezeichnet. Cate Blanchett als starke Heldin in einer Männerwelt ist wie immer ganz großartig und Tommy Lee Jones gibt schon wie in THE HUNTED den nüchternen Naturburschen, ein tragischer Held allerdings, so wie Paul Newman als Halbblut in HOMBRE, der sich dem Wohl der Allgemeinheit opfert. Auch wenn THE MISSING in Teilen unglaubwürdig ist, gleichen die darstellerischen Leistungen das wieder locker aus. Und die unwirtliche Winterlandschaft trägt einiges zur Atmosphäre des Films bei, ebenso wie seine unverblümte Gewalt. Aber vielleicht muss man ein unverbesserlicher Westernfan sein, um das alles wirklich zu schätzen zu wissen.
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