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THE NIGHT RIDER

THE NIGHT RIDER


USA 1960. R: Bill Karn. D: Johnny Cash, Donald Woods, Cay Forrester u.a. 80 Min. Bear Family.

Zwei echte DVD-Schätze hat die Bear Family gehoben, lange verschollen und wenn, dann nur als ausgesprochen schlechte Kopien erhältliche Klassiker mit Johnny Cash in der Hauptrolle. Nicht nur, dass beide Filme in komplett restaurierter und erstmalig digitaler Fassung vorliegen, auch die DVDs selber sind schön aufgemacht, im Digi-Pack und mit umfangreichen Booklets versehen.
THE NIGHT RIDER erzählt in kurzer, zusammengeschusterter Story die Geschichte des Johnny Cash-Songs "Don't Take Your Guns To Town". Die filmische Atmosphäre entwickelt dabei den Charme einer Bad Segeberger Karl May-Aufführung, wobei selbiges noch Open Air aufgeführt wird, während THE NIGHT RIDER auf kleinstem Raum in der Studiokulisse spielt. Eines Abends trifft sich ein Haufen braver Cowboys am Lagerfeuer, bei Kaffee und Bohnen und herzallerliebsten Countrysongs, wo ein jeder mal intonieren darf. Zu dieser Runde gesellt sich schließlich der gute Revolverheld, gespielt von Johnny Cash. Als Folge werden noch zwei Liedchen geträllert und Johnny muss wieder aufbrechen. Wunderschön anzusehen, wie sich an der Studiokulisse im Hintergrund der Schatten der aufgestellten Bäume spiegelt. Wo geht ein Cowboy hin, wenn er nicht am Lagerfeuer sitzt? Richtig, in den nächsten Saloon, wo auch schon am Tresen ein junger Bursche namens Kid Billy-Joe den Halbstarken mimt und natürlich von allen dafür verhöhnt wird. Wo stellt sich Johnny hin? Direkt neben Kid, der natürlich sofort rumpöbelt und sich dafür wohlgemeinten Rat zuzieht, er solle keinen Ärger provozieren. Der Rest ist klar. Kid macht Ärger, Kid zieht zuerst und Kid landet auf dem Saloonboden. Johnny, dem alle bestätigen, ihn treffe keine Schuld, fühlt sich aber schuldig, legt seine Kanone ab und geht zurück zu den braven Helden der Prärie, denen er zum Abschied "Don't Take Your Guns To Town" vorspielt und singt, die Country-Ballade über den jungen Billy Joe, dem seine Mutter immer gesagt hat, er solle seine Waffen nicht mit in die Stadt nehmen, weil sonst Unheil droht. Hätte er mal auf Mama gehört. Als vermeintlichen Bonus enthält die DVD noch die fünf Songs zum Soloabspielen, also ohne die karge dazwischen geschobene Story. Für Cash-Fans ein unverzichtbares Juwel, wer allerdings einen Western sehen will, der sollte lieber auf den Spielfilm GUNFIGHT zurückgreifen, ebenfalls mit Johnny Cash und dazu noch mit Kirk Douglas,.
Wesentlich gelungener der Krimi/Thriller-Klassiker FIVE MINUTES TO LIVE, der auch unter dem Titel DOOR-TO-DOOR-MANIAC bekannt ist. Keine Kulissenatmosphäre, sondern fast schon Film-Noir. Besonders erfreulich, dass Johnny Cash hier einen ausgewachsenen Psychopathen spielt, ein richtig mieses Schwein, der großen Spaß beim quälen seiner Opfer findet und skrupellos und schnell jeden erschießt, der ihm im Weg steht, oder dem er nicht vertraut. Da wird schon mal ein Cop mit dem Maschinengewehr regelrecht durchlöchert, Frauen werden erschossen und gequält, nur bei Kindern wird der böse Johnny schwach, was ihm schließlich zum Verhängnis wird.
Nach verbüßter Gefängnisstrafe wegen Polizistenmord versteckt sich Johnny mit seiner Frau in einem kleinen Landkaff. Die Chance, wieder "back on top" zu kommen, bietet sich, als der Gangster Fred Dorella ihn als Partner für einen ungewöhnlichen Bankraub anheuert. Johnny soll in der netten Kleinstadt die Frau eines Bankangestellten in dessen Wohnung überfallen und bedrohen, während Dorella vom Büro ihres Mannes daheim anruft, damit dieser sich davon überzeugen kann, dass seine Frau in fünf Minuten sterben wird, wenn er Dorella nicht 70.000 Dollar aushändigt. Ziemlich bescheuerter Gangster dieser Dorella, sich mit 70.000 abzugeben, wo die Bankfächer rappelvoll mit Geld sind. Ein eher bescheidener Ganove. Wenig bescheiden gibt sich derweil Johnny im Haus mit seiner weiblichen Geisel. Was zunächst als relativ harmlose Bedrohung anfängt, entwickelt sich zunehmend zum Psycho-Horror-Trip für die Frau. Johnny spielt fortlaufend auf der Gitarre und singt dazu mit hämischem Grinsen "You've Got Five Minutes To Live". Schließlich langt ihm der Gesang nicht mehr und er beschließt, sein Opfer ein wenig zu quälen. Ähnliches Psychopathentum sah man in Tarantinos RESERVOIR DOGS, wo ein durchgeknallter Michael Madsen einen Polizisten foltert und daran ausgiebigen Spaß zu haben scheint. Anders als dort ist hier das Opfer aber nicht gefesselt, sondern darf und soll sich die ganze Zeit wehren, nur damit Johnny seine körperliche Überlegenheit und Kraft voll ausnutzen kann. Gerade dieses perfide Spiel an psychologischer Gewalt wirkt ganz besonders verstörend und beunruhigend. Das Ganze wird visuell noch verstärkt, weil Cash zu der Zeit als der Film gedreht wurde, bereits stark von seiner Tablettenabhängigkeit gezeichnet war. Amphetamin-Maniac wäre daher auch kein schlechter Filmtitel gewesen. Für seine Zeit auf alle Fälle ein harter und anstößiger Film, aber auch heute noch verstörend und mit garantiertem Psychonervenspiel verbunden, mit einigen klassischen Wendungen im Ablauf, weil der Ehemann nicht unbedingt so reagiert, wie sich die beiden Halunken das vorgestellt haben. Als kleinen Bonus enthält die DVD noch den Originaltrailer von DOOR-TO-DOOR-MANIAC und deutsche Untertitel. Claus Wittwer!

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