SWEET SIXTEEN
UK/Deutschland/Spanien 2002. R: Ken Loach. D: Martin Compston, William Ruane, Annmarie Fulton u.a. 106 Min. Epix.
Ich bin ja kein besonderer Fan von Ken Loachs Schaffen, SWEET SIXTEEN (Epix) von 2002 stellt allerdings eine Ausnahme dar. Der Titel ist natürlich eher mal ironisch gemeint, denn die "süßen 16" sind auch nicht toller als in den Filmen Larry Clarks. Loach zeigte die harte Lebensrealität eines 15-jährigen schottischen Jungen namens Liam, dessen Mutter im Knast sitzt und deren Lebensabschnittsgefährte ein abgefuckter Drogendealer ist. Liams Traum ist, zusammen mit der Mutter nach ihrer Entlassung ein besseres Leben zu führen, abseits der bisherigen beschissenen Lebensrealität. Eine nette Perspektive, die allerdings utopisch ist, da Liam genau in den Teufelskreis hineingezogen wird, dem er eigentlich entfliehen will. Er dealt mit Drogen, verdient damit sogar plötzlich viel Geld, erregt aber die Aufmerksamkeit viel gefährlicherer Leute, denen es gar nicht passt, dass andere Leute in ihrem Revier wildern. Was wie eine harmlose und witzige Coming-of-Age-Geschichte beginnt, in dem Liam mit seinem Kollegen Pinball die Nachbarschaft unsicher macht, läuft sehr schnell auf die bekannte Elendsspirale hinaus, die Loach durchaus kunstvoll, aber auch mit nüchtern dokumentarischem Blick ohne großartige Effekthascherei in Szene gesetzt hat. Am Tag seines 16. Geburtstages ist Liams Leben dann schon wieder beendet, was er mit den Worten "My battery is running out" kommentiert, damit aber sein Handy meint, über das er gerade mit seiner Schwester spricht. Eine sozialkritische Milieustudie, die einen wirklich packen kann, so authentisch wie hier ein bestimmtes schottisches Arbeitermilieu gezeigt wird, da stört die recht simpel gestrickte Story nicht weiter. Das Problem des Film ist eher mal, dass die deutsche Fassung nicht wirklich überzeugt, da der brutale schottische Slang einfach keine deutsche Entsprechung besitzt ? das kennt man schon von Irvine Welsh. Allerdings ist es für einen Nicht-Schotten und auch für einen Nordamerikaner völlig unmöglich, hier auch nur ein einziges Wort zu verstehen. Insofern hätte der Film auf DVD wirklich eine vernünftige deutsche Untertitelung bekommen müssen, die ist aber nur lieblos hingeschludert, und nicht mehr als ein unbefriedigender Leitfaden zum Verständnis des Films. Sollte man trotzdem gesehen haben! In SWEET SIXTEEN wird übrigens das Wort Fuck in all seinen Variationen ca. 313 mal verwendet, das für die Statistik.
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