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THE BIRD PEOPLE IN CHINA


Japan 1998. R: Takashi Miike. D: Masahiro Motoki, Renji Ishibashi, Mako u.a. 118 Min. www.artsmagicdvd.com.

Man ist von Takashi Miike, dem nach wie vor angesagtesten japanischen Regisseur, ja gewöhnt, permanent überrascht zu werden, aber als 1998 THE BIRD PEOPLE IN CHINA (artsmagicdvd.com) herauskam, hatte Miike noch nicht die Reputation, die er heute international genießt, und die meisten Leute kannten überwiegend seine kruden Yakuza-Filme, allen voran natürlich FUDOH. Durch THE BIRD PEOPLE IN CHINA, der jetzt auch endlich mal außerhalb Japans auf DVD veröffentlich wurde, musste man Miike aber spätestens als visionären eigenständigen Regisseur akzeptieren, der mehr war, als nur ein "Hired Gun" für irgendwelche "Direct to video"-Produktionen. In THE BIRD PEOPLE IN CHINA schickt er einen durchschnittlichen Angestellten nach China zur Inspektion einer Jademine, der spontan für einen kranken Kollegen namens Wada einspringen musste. An dessen Fersen heftet sich ein Yakuza, da Wadas Boss wohl jemand größere Summen Geldes schuldet. Zu Beginn handelt es sich noch um ein skurriles, recht humorvolles Roadmovie, denn je weiter das Duo in das Hinterland Chinas eindringt, desto mehr werden die Brücken zur Zivilisation abgebrochen, der anfängliche Realismus des Films verschwindet immer weiter und macht Platz für fantastischere Vorkommnisse. Ihr Rückkehr wird noch dadurch erschwert, dass ihr Führer das Gedächtnis verloren hat, als sich alle irgendwelche bewusstseinserweiternde Pflanzen verabreicht hatten. Schließlich landen die drei in einem Bergdorf, wo die Einheimischen scheinbar die Kunst des Fliegens beherrschen, und wo der völlige Bruch mit der Zivilisation stattfindet.
Wenn man so will, ist THE BIRD PEOPLE IN CHINA Miikes dezente Kritik an der japanischen Gesellschaft, der er in der zweiten Hälfte des Films eine ländliche, wundervoll fotografierte Idylle entgegensetzt, die fast schon aus einem Märchen zu stammen scheint. Und auch bei den Hauptfiguren macht sich ein Wandel bemerkbar, und nach einer fast schon zu romantischen Stilisierung dieser Lebensbedingungen kommt es erst wieder zu Konflikten, als der Führer sein Gedächtnis wiederfindet und eine Rückkehr möglich wäre. Vor allem der Yakuza hat ein echtes Problem damit, da er in einem Traum sieht, dass ihn in Japan der Tod erwartet. THE BIRD PEOPLE IN CHINA ist sicher Miikes schönster und poetischster Film, der im Mittelteil fast schon etwas zu behäbig wirkt, aber von seinen tollen Darstellern Masahiro Motoki (GONIN, GEMINI) und dem Schauspielveteran Renji Ishibashi als Yakuza Ujiie getragen wird ? Führer Shen wird von Mako dargestellt, der schon in Peckinpahs KILLER-ELITE oder den beiden "Conan"-Filmen zu sehen war. Dazu kommt der tolle Akustikgitarren-Score von Koji Endo, der schon für sehr viele Filme Miikes die Musik gemacht hatte. Auf der DVD von Artsmagic gibt es neben einem Interview mit Miike und einem Trailer auch einen Audiokommentar von Miike-Fachmann Tom Mes.
Ebenfalls sehr überraschend ist SABU (artsmagicdvd.co.uk) von 2002, der eigentlich fürs Fernsehen gedreht wurde, aber dann in einer 30 Minuten längeren Fassung ins Kino kam, die auch auf der DVD von Artsmagic enthalten ist. Ein erstaunlich ruhiges Drama über Schuld und Sühne aus der Edo-Zeit des 18. Jahrhunderts, in dem es um zwei Jugendfreunde geht, Eiji und Sabu, die in ärmlichen Verhältnissen aufwuchsen, die zusammen bei einem Papiermacher arbeiten, und um die Gunst desselben Mädchens buhlen. Eiji wird plötzlich als Dieb beschuldigt und muss für drei Jahre in ein brutales Arbeitslager auf einer Insel. Und während Eiji da ums Überleben kämpft, eröffnen sich für Sabu in der Freiheit ganz andere Möglichkeiten, aber er will dabei nicht seinen Freund vergessen. Eine sich langsam entwickelnde, den Zuschauer ohne große Effekthascherei absorbierende Geschichte, die auf eine durchaus überraschende Auflösung hinausläuft, die die Freundschaft der beiden Jungen auf eine harte Probe stellt. Auch wenn ich hier zuerst einen öden Fernsehfilm erwartet habe, muss ich gestehen, dass Miike hier eine erstaunlich sorgfältige, schön gefilmte Charakterstudie gelungen ist, die sicher mit zu seinen besten Filmen gehört, auch wenn hier irgendwelche Exzesse ausbleiben.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 13.12.2004 Thomas Kerpen
 
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