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THE COOLER


USA 2003. R: Wayne Kramer. D: William H. Macy, Alec Baldwin, Maria Bello u.a. 101 Min. MC One.

In Zeiten penetranter CGI-Orgien erscheint ein Film wie THE COOLER (MC One), der sich noch für seine Charaktere und Story interessiert, schrecklich altmodisch, zumal er sowieso ein melancholischer Abgesang auf die Mythen von Las Vergas ist, der mit realen Bildern von einstürzenden Spielkasinos endet, die das Opfer des Modernisierungswahns von Las Vegas-Mogul Steve Wynn wurden. Und darum geht es auch irgendwie in Wayne Kramers THE COOLER (ja, genauso wie es einen Las Vegas-Mogul mit Namen Steve Wynn gibt, existiert auch ein Regisseur mit Namen Wayne Kramer, der nichts mit dem gleichnamigen Musiker zu tun hat), denn der Casino-Boss Shelly Kaplow (von Alec Baldwin wirklich exzellent gespielt) muss die Traditionen des Casino-Betriebs gegen irgendwelche Grünschnäbel verteidigen, die alles moderner und besser machen wollen. Teil dieser traditionellen Seite ist auch Bernie Lootz (William H. Macy, mal wieder mit tieftraurigem Hundeblick in Bestform), ein Cooler, der allzu glücklichen Casino-Besuchern durch seine pure Aura Pech bescheren soll. Aber Bernie hat die Schnauze voll, trotz eines seltsamen Abhängigkeitsverhältnisses zu Kaplow, der ihm mal die Kniescheibe zertrümmert hatte. Bernies Tage in Las Vegas sind eigentlich schon gezählt, als mit der blonden Bedienung Natalie Belisario (Maria Bello aus SECRET WINDOW, die mir da allerdings weniger positiv auffiel) plötzlich die Traumfrau in sein Leben tritt, und seine Entscheidung rückgängig macht. Das ist für Kaplow natürlich ideal, weniger ideal ist, dass der klassische Verlierer Bernie zum ersten Mal in seinem Leben Glück zu haben scheint, und dieses Glück überträgt sich in ansteckender Weise auf die Leute um ihn herum, wodurch er für den Job im Casino wertlos geworden ist. Die Lösung heißt: Natalie muss verschwinden.
THE COOLER ist sicher kein perfekter Film, der es jedem recht macht, und dem viele bestimmt seine arg konstruierte Handlung übel nehmen, aber man muss an ihm einfach sympathisch finden, wie er die dunkelsten, brutalsten Film Noir-Momente mit einer warmherzigen, humorvollen Romanze verbindet, und dabei immer genug Selbstironie besitzt, um nicht das übliche Schicksal überambitionierter, sich selbst zu ernst nehmender Independent-Filme zu erleiden. Kramer ist sich der Schwächen seines Films durchaus bewusst, spielt diese aber durch andere stärkere Momente aus, wodurch der Film niemals an Glaubwürdigkeit verliert, selbst in den fantastischeren Szenen. THE COOLER ist ein Film, der seinen drei hervorragenden Hauptdarstellern den nötigen Raum zur Entfaltung zur Verfügung stellt, allen voran William H. Macy, der hier die Rolle des sich zum Winner wandelnden Losers ambivalenter und überzeugender spielt, als z.B. in PANIC den depressiven Killer. Ein kleiner, bescheidener, aber um so sympathischerer Film, versehen mit einem wundervollen, jazzigen Score von Mark Isham, der fast schon wieder zu gut ist, um als reine Videothekenkost unterzugehen, und ein wenig an HARD EIGHT von Paul Thomas Anderson erinnert, auch wenn seine Story sicher konventioneller ist, was er aber durch jede Menge anderer Qualitäten locker wettmacht. Ansehen!

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 10.12.2004 Thomas Kerpen
 
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