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HIDDEN AGENDA


UK 1990. R: Ken Loach. D: Frances McDormand, Brian Cox, Brad Dourif u.a. 108 Min. Sunfilm.

Um eine andere, wesentlich realere Form von Paranoia geht es in Ken Loachs "Polit-Thriller" HIDDEN AGENDA von 1990, der während der dunkelsten Jahre des Konflikts zwischen Protestanten und Katholiken in Irland spielt. Der amerikanische Anwalt Paul Sullivan (Brad Dourif) und seine Freundin Ingrid Jessner (Frances McDormand) befinden sich in Irland, um Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. Kurz vor ihrer Abreise will sich der Anwalt noch mit einem Informanten treffen, aber wird zusammen mit einem vermeintlichen IRA-Sympathisanten bei einer Autoverfolgungsjagd von einer Spezialeinheit der Polizei erschossen bzw. bewusst liquidiert. Dabei verschwindet auch eine brisante Tonbandkassette. Diese Ereignisse kennt der Zuschauer, im Gegensatz zu der Freundin des Anwalts, die mit einer recht unglaubwürdigen Erklärung der Polizei konfrontiert wird. Da der Ermordete Amerikaner ist, wird ein unabhängiger Ermittler der britischen Polizei hinzugezogen, um die tatsächlichen Ereignisse aufzuklären, gespielt von Brian Cox, dem Ur-Hannibal Lecter aus Michael Manns MANHUNTER (dort heißt er allerdings noch Lecktor). Ken Loach bastelt daraus einen spannenden, wenn auch recht Action-armen Thriller, der sich vor allem in verbalen Schlachten ergeht, in denen der Ermittler Kerrigan mit den kriminellen Machenschaften der eigenen Regierung konfrontiert wird, der scheinbar jedes Mittel recht ist, um gegen die IRA vorzugehen. In HIDDEN AGENDA geht es dabei weniger um den Konflikt in Irland als solchen, sondern um die Legitimation von Mord und Verbrechen zum Zwecke eines höheren Ziels. Und da Ken Loach natürlich Realist ist, muss sich am Ende des Films auch Kerrigan eingestehen, dass eine keine wirkliche Lösung für das alles parat hat. Aufhänger für HIDDEN AGENDA war dabei die Stalker-Affäre Mitte der 80er, bei der ein Ermittler eine ähnliche Erschießung durch britische Sicherheitskräfte in Nordirland aufklären sollte und schließlich von der Thatcher-Regierung von dem Fall abgezogen wurde. Loachs Film ist vielleicht nicht wirklich überraschend ? die Sache mit dem Tape ist dabei am wenigsten überzeugend ?, aber definitiv ein spannender Versuch, bestimmte moralische Fragen und Themen wie Zivilcourage für einen ernsthaften, um wirkliche Authentizität bemühten Thriller aufzubreiten, in der Tradition von Filmen wie Costa-Gavras' Z. Übrigens mit Musik von Stewart Copeland. An der DVD von Sunfilm irritiert allerdings etwas, dass der Trailer ein etwas anderes Bildformat als der Film selbst sitzt, und auch ein wenig schärfer aussieht. Außerdem sind die deutschen Untertitel recht schlampig gesetzt, d.h. einige Redepausen werden ignoriert und irgendwelche Untertitel tauchen viel zu früh auf. Da würden mich im direkten Vergleich doch mal die MGM-Releases aus England und den Staaten interessieren. Ansonsten aber ein sehenswerter Film, von dem man vielleicht nicht zuviel erwarten sollte. Im selben Jahr, also 1990, gab es dann einen ähnlich gelagerten Fall wie im Film, denn ein Mann namens Fergal Caraher kam in Irland auf ähnliche Art zu Tode, was durchaus für die Brisanz von HIDDEN AGENDA spricht.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 09.12.2004 Thomas Kerpen
 
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