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IM REICH DER SINNE


Japan/Frankreich 1976. R: Nagisa Oshima. D: Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda, Yasuko Matsui u.a. 105 Min. Concorde.

Als ASIAN EROTIC COLLECTION (Concorde) sind jetzt zwei Filme von Nagisa Oshima als Doppel-DVD erschienen, die sich vom Titel her aufeinander beziehen, aber an sich doch sehr unterschiedlich sind. Und wirklich umstritten ist dabei auch nur IM REICH DER SINNE (1976), denn der zwei Jahre später entstandene IM REICH DER LEIDENSCHAFT ist eine weniger spektakuläre Angelegenheit. Oshima, der in den 60ern zur New Wave japanischer Filmemacher gehörte, kann zwar auf eine lange Karriere zurückblicken ? auch sein letzter Film GOHATTO von 1999 ist noch sehr schön ?, aber im Westen kennt man ihn vor allem wegen IM REICH DER SINNE, der nach seiner Aufführung während der Berlinale 1977 beschlagnahmt wurde, aber dann doch fürs Kino freigegeben wurde. Damit war Oshima einer der ersten Filmemacher, der pornographische Szenen in einen normalen Kinofilm integrieren konnte ? DEEP THROAT, der erste Porno in Spielfilmlänge erschien 1977 ?, und sich mit dem künstlerischen Anspruch seines Werks herausreden konnte, ein Arthaus-Porno sozusagen. IM REICH DER SINNE basiert auf der wahren Geschichte von Sada Abe, eine ex-Prostituierte, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in einem Hotel arbeitet und schließlich eine obsessive Liebesbeziehung mit dem Besitzer eingeht, ein verheirateter Mann, dabei steigern sich die sexuellen Kicks von Atemreduktionsspielchen zu Strangulation und Verstümmelung. Man kann sicher über die selbstzweckhafte Natur der für diese Zeit wirklich erstaunlich expliziten Szenen sicher streiten, zumal Oshima nur beobachtet, aber keine wirklichen Erklärungen liefert. Aber gerade deswegen ist IM REICH DER SINNE so eine intensive, provokante Studie über menschliches Extremverhalten, die auch heute noch erstaunlich verstörend wirkt. Allerdings muss man sagen, dass der Erotikfilmer Noburu Tanaka bereits ein Jahr vor Oshima dieselbe Geschichte verfilmt hatte, nur in wesentlich zahmerer Form. Die Concorde-DVD ist ungeschnitten, besitzt ein wirklich sehr gutes Bild, aber nur eine nicht untertitelte japanische Tonspur, was natürlich ziemlich sinnlos ist, den Aufwand hätte man sich schon noch machen können. Übrigens Finger weg von der britischen DVD, die ist zwar komplett und untertitelt, aber die pornographischen Stellen wurden im Bild selbst unkenntlich gemacht.
Wer von IM REICH DER LEIDENSCHAFT jetzt allerdings ähnliche Exzesse erwartet, wird einigermaßen enttäuscht werden, denn es handelt sich hier um eine Geistergeschichte aus dem 19. Jahrhundert mit erotischen Untertönen, in der allerdings ebenfalls Tatsuya Fuji die Hauptrolle spielt. Eine Frau und ihr junger Liebhaber bringen darin den Ehemann der Frau um und schmeißen die Leiche in einem Brunnen. Doch das Glück der beiden hält nicht lange an, denn schon kurz darauf taucht der Geist des Ehemanns auf und terrorisiert die Frau. Vielleicht nicht besonders spektakulär das Ganze, aber sehr schön gefilmt und thematisch gut umgesetzt. Interessant auch, dass hier eine Sequenz, wo das Pärchen die Leiche des Mannes aus dem Brunnen holen will, doch sehr stark an ähnliche Szenen in den RING-Filmen erinnert, vielleicht nur ein Zufall.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 13.12.2004 Thomas Kerpen
 
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