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MILANO KALIBER 9


Italien 1972. R: Fernando Di Leo. D: Mario Adorf, Gastone Moschin, Barbara Bouchet u.a. 96 Min. Koch Media.

Und wo wir gerade bei Polizeifilmen sind: In der letzten Ausgabe hatte ich mich doch eher negativ über DIE KILLERMEUTE geäußert, was ich natürlich nicht zurücknehme, vor allem da ich jetzt mit MILANO KALIBER 9 (Koch Media) von Fernando Di Leo einen der ganz großen Klassiker dieses Genres in den Händen halte, ein unkonventioneller Gangsterfilm, der sich auch über Italien hinaus mit anderen internationalen Filmen messen kann. Und wenn man so will, kann man hier auch deutliche Einflüsse in Richtung Tarantino und John Woo sehen. MILANO KALIBER 9 besitzt dabei eine recht simple Story, die aber überraschend erzählt wird. Nach drei Jahren kommt der Ugo Piazza wieder aus dem Knast, und sofort hat er "den Amerikaner" (gespielt von Lionel Stander) am Hals, dem er angeblich 300.000 Dollar schuldet. Piazza beteuert aber, dass er das Geld nicht hat, und versucht in Folge Polizei und Mafia mit stoischer Mine gegeneinander auszuspielen, was fast schon an die Systematik von Leones FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR erinnert. Piazza ist dabei eher mal ein klassischer Anti-Held, weder richtig gut noch richtig böse, denn schließlich ist er auch nur ein kleiner geldgieriger Gauner, aber alle anderen Personen sind halt noch unsympathischer, allen voran Mario Adorf als durchgeknallter Mafiosi, der in dieser Rolle erstaunliche Ähnlichkeit mit Heinrich Haffenloher aus "Kir Royal" aufweist, was vielleicht daran liegt, dass Adorf irgendwie immer so einen gewissen Mafiosi-Touch aufweist. Jedenfalls ist MILANO KALIBER 9 ganz großartig, ein Film, den man gar nicht genug loben kann, und der vor allem endlich mal ungeschnitten vorliegt, weshalb der Film an manchen Stellen dann nur deutsch untertitelt ist ? allerdings ist die italienische Tonspur insgesamt deutlich besser als die deutsche.
Wesentlich überzeugender als DIE KILLERMEUTE ist auch ein anderer typischer Polizeifilm, über den ich aber nichts schreiben darf, weil die DVD von Koch doch allen ernstes noch indiziert ist. Eigentlich kaum haltbar diese Entscheidung bei einem Film von 1976, aber es hätte wahrscheinlich nicht den Aufwand gelohnt, die Indizierung rückgängig zu machen. Also schreibe ich halt nichts über Umberto "Eaten Alive" Lenzis hübsch brutalen Copfilm, in dem Kommissar Betti mit der Camorra aufräumt. Die Handlung ist zwar nur eine billige Entschuldigung, um möglichst ruppige Actionszenen aneinander zu reihen, aber das funktioniert im Gegensatz zu anderen Filmen dieser Art extrem zufriedenstellend. Wie gesagt, heutzutage lächelt man doch eher müde über die Gewalt in dem soliden, spannenden Genre-Beitrag von Lenzi, viel schlimmer ist, dass man hier aufgrund von Hauptdarsteller Maurizio Merli akuten Schnauzbart-Alarm geben muss. Sein Gegenspieler ist John Saxon (NIGHTMARE ON ELM STREET, ENTER THE DRAGON), der eigentlich regelmäßig in europäischen Produktionen auftauchte, wie auch später in Argentos TENEBRE. "Solange ich lebe, entkommt mir keiner", sagt Betti, und nach dieser Maxime geht er auch in diesem unterhaltsamen, aber leider ja sozialethisch desorientierenden Streifen vor.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 10.12.2004 Thomas Kerpen
 
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