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SEIN LEBEN IN MEINER GEWALT


UK/USA 1973. R: Sidney Lumet. D: Sean Connery, Trevor Howard, Peter Bowles u.a. 112 Min. MGM.

Ebenfalls bei MGM erschienen, ist ein älterer Sidney Lumet-Film von 1973 namens THE OFFENCE bzw. SEIN LEBEN IN MEINER GEWALT, der mir bisher überhaupt nichts gesagt hatte. Basierend auf dem Theaterstück von John Hopkins kann man hier Sean Connery in einer seiner ungewöhnlichsten Rollen sehen ? nach seinem Ausstieg aus der James Bond-Reihe. Connery spielt Detective Sergeant Johnson, der nach 20 Jahren bei der Polizei ausgebrannt und zerrüttet von den Grausamkeiten ist, die er während seiner Laufbahn mit hat ansehen müssen. Dazu kommt auch noch eine emotional völlig erkaltet Ehe. Als er einen vermeintlichen Kinderschänder, den die Polizei mitten in der nach aufliest, während eines Verhörs fast totschlägt ? später stirbt der Mann tatsächlich im Krankenhaus ?, scheint Johnson endgültig überzuschnappen. Lumets Film ist dabei eine vielschichtige schauspielerische Tour de Force, in der es vordergründig um Polizeigewalt geht bzw. um die Frage, wie weit man gehen kann, um einen Menschen, von dessen Schuld man überzeugt ist, zu einem Geständnis zu zwingen. Auf der anderen Seite geht es um dem psychischen Kollaps eine Mannes, der nicht mehr in der Lage ist, zwischen persönlichen Wahnvorstellungen und er Realität zu unterscheiden, und vor allem in diesen Szenen erinnert THE OFFENCE stark an die Paranoia in Coppolas THE CONVERSATION von 1974. Zum Schluss geht es auch gar nicht mehr darum, ob der Mann tatsächlich der gesuchte Kinderschänder war, sondern um die tatsächlichen Umstände, die Johnson zu dem Totschlag getrieben haben. Lumets Film mag an manchen Stellen vielleicht etwas zu theatralisch geraten sein, der vor allem als psychologisches, verschachteltes Kammerspiel funktioniert und nicht als typischer Cop-Film, aber das ändert nichts daran, dass er das langsame Abdriften eines Mannes in den Wahnsinn unangenehm transparent werden lässt, was durch die unterkühlte Photographie von Gerry Fisher (WOLFEN, HIGHLANDER) und die bizarre Musik noch unterstrichen wird. Sicherlich einer der negativsten Rollen von Connery, die in völligem Gegensatz zu seiner Identität als James Bond steht, was THE OFFENCE schon alleine sehenswert macht.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 09.12.2004 Thomas Kerpen
 
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