VAN HELSING
USA 2004. R: Stephen Sommers. D: Hugh Jackman, Kate Beckinsale, Richard Roxburgh, Robbie Coltrane u.a. 132 Min. Universal.
Ich muss gestehen, dass ich durchaus eine Schwäche für Stephen Sommers' THE MUMMY habe, allerdings ging dann beim zweiten Teil in der Masse von CGI-Krempel irgendwie der Humor verloren. Manchmal ist weniger eben doch mehr, aber so funktionieren Blockbuster halt heutzutage. Und das ist auch das große Problem von VAN HELSING, der eigentlich alle Voraussetzungen besitzt, um zumindest für Freunde klassischer Monsterfilme ein großer Spaß zu sein. Denn Sommers präsentiert hier wirklich fast sämtliche alten Universal-Monster in einem einzigen Film, Frankensteins Monster, Mr. Hyde, Dracula, Werwölfe, eventuell habe ich noch jemand vergessen, mit denen X-Man Hugh Jackman als Van Helsing ? der allerdings mehr an die Figuren einiger japanischer Animes erinnert, als den ergrauten Wissenschaftler aus Bram Stokers Buch ? als Monsterjäger konfrontiert wird. Das Ganze hat auch ein bisschen was von der Liga außergewöhnlicher Gentlemen, so wie sich hier ein Gruppe seltsamer Gestalten gegen Dracula verbündet, der die Welt mit irgendwelchen gezüchteten Supervampiren ins Chaos stürzen will. Aber vergessen wir mal die Handlung, denn VAN HELSING ist vor allem eins, ein hirnloser Spaß, den man nur ganz selten im Sinne alter Horrorfilme ernst nehmen kann. Um wirklichen Schrecken zu erzeugen, fehlt es dem Film an Realismus, der immer dann verloren geht, wenn die CGI-Effekte sich in überdrehten Comic-Bildern verlieren. Eine Ausnahme sind da vielleicht die drei Vampirbräute, die einem mit ihrer morbiden Sexyness am nachhaltigsten im Gedächtnis bleiben. VAN HELSING ist deshalb in erster Linie eine rasante FX-Achterbahn, die aber zu oft Selbstironie mit Albernheit verwechselt, aber dennoch Spaß macht. A guilty pleasure! Und wer noch ein Argument für den Film braucht hier ist es: Kate Beckinsale, die hier so was von unverschämt gut aussieht, da schmerzen förmlich schon die Augen.
Frau Beckinsale taucht dann auch im Film ihres Lovers Len Wiseman auf, nämlich UNDERWORLD, den Concorde hierzulande in zwei Versionen veröffentlicht hat, einmal in der FSK 16-Kinofassung, und dann im Extended Cut auf einer mit Extras vollgepackten Doppel-DVD, der noch mal zehn Minuten länger ist. Einen ausführlichen Bericht über die Unterschiede findet man unter schnittberichte.com. Wisemans Film ist in gewisser Weise mit VAN HELSING vergleichbar, da hier klassische Monster wie Vampire und Werwölfe zusammen in einem Film verarbeitet werden, wobei UNDERWORLD wesentlich ernsthafter ist ? ob er dadurch ernstzunehmender ist, daran scheiden sich die Geister. Auch hier stehen natürlich fette CGI-Extravaganzen im Vordergrund, aber auch noch richtige Charaktere, allen voran eine blass geschminkte Kate Beckinsale mit leichtem Überbiss und Lederoutfit, die aber auch hier immer noch verdammt gut aussieht. Die meisten Kritiker waren zwar wenig begeistert, aber UNDERWORLD ist eine durchaus okaye Wiederkehr eines düsteren Gothik-Comic-Looks, den THE CROW vor einigen Jahren mit prägen konnte. Und es gibt sicher dämlichere Drehbücher als dieses, in dem Vampire und Werwölfe um die Vorherrschaft in der Unterwelt kämpfen, auch wenn Wiseman natürlich mehr an einem hippen Videoclip-Look als an tiefschürfenden Botschaften interessiert ist. "Hey, it's BLADE with a babe," könnte man sagen, oder UNDERWORLD für eine Horror-Version von THE MATRIX halten. Nur ist mir die sinnfreie Zelebration von Maskenbildner-Entgleisungen in UNDERWORLD definitiv immer noch lieber als THE MATRIX, der so tut, als wenn er etwas zu sagen hätte, was sich aber sehr schnell als schmerzhafter Unsinn herausstellt, der sich auch nur mit einem möglichst coolen Look tarnt.
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