Tausche Abo gegen T-Shirt!

Wer das Ox bis zum 31. Januar 2009 neu abonniert, wer ein Abo verschenkt oder als Ox-Abonnent einen neuen Abonnenten wirbt, der bekommt von uns das Ox-T-Shirt (weißer Ox-Skull auf schwarzem Stoff) geschenkt!
Mehr lesen ...

http://www.livegigs.de

WOLFZEIT


Frankreich/Österreich/Deutschland 2003. R: Michael Haneke. D: Isabelle Huppert, Patrice Chéreau, Béatrice Dalle u.a. 110 Min. www.absolutmedien.de

Michael Hanekes Filme sind wohl das, was der Engländer als "thought provoking" bezeichnet. Und für jemanden, der im deutschsprachigen Raum Filme macht, ist Haneke auch tatsächlich immer überraschend provokant gewesen, vor allem im Fall von BENNYS VIDEO oder FUNNY GAMES, die ihm auch den Ruf einbrachten, sehr gefühlskalte Filme zu drehen. Seit einiger Zeit zieht es ihn verstärkt nach Frankreich, auch wenn sein letzter, bisher stärkster Film DIE KLAVIERSPIELERIN auf dem Buch von Elfriede Jelinek basiert, also doch wieder Österreich, allerdings mit der Französin Isabelle Huppert in der Hauptrolle. Sein neuster Film WOLFZEIT, bei absolut medien auf DVD erschienen, wartet erneut mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle auf, die hier allerdings etwas verloren wirkt. Das scheint auch das Problem des Films an sich zu sein, in dem Haneke, basierend auf seinem eigenen Drehbuch, eine finstere Endzeit-Vision zeigt. Der Anfang erinnert etwas an FUNNY GAMES, als eine Familie zu einem im Wald liegenden idyllischen Ferienhaus fährt. Dort finden sie jedoch wildfremde Menschen vor, eine andere Familie, der Mann wird erschossen und Isabelle Huppert irrt mit den beiden Kindern und ein paar Habseligkeiten durch die Gegend, auf der Suche nach jemand, der ihr hilft. Ohne dass Haneke davon etwas großartig zeigt, scheint sich die bisher existierende Gesellschaft aufgelöst zu haben. Die Auswirkungen auf übergeordnete gesellschaftliche Zusammenhänge scheinen Haneke dabei weniger zu interessieren, er konzentriert sich darauf, wie sich das konkrete Zusammenleben der Menschen fortan gestaltet. Und der Titel bezieht sich natürlich auf die Aussage, dass der Mensch sich selbst ein Wolf ist. Wer jetzt allerdings exzessive Szenen wie in DIE KLAVIERSPIELERIN, BENNYS VIDEO oder FUNNY GAMES erwartet, wird einigermaßen enttäuscht sein, denn WOLFZEIT beschränkt sich auf oftmals recht banale Beobachtungen des menschlichen Miteinanders, die einen wenig überraschen, denn man weiß ja schließlich, was beim Zusammenbruch von Gesellschaften passiert, zumal es Haneke auch in dieser Hinsicht bei dezenten Andeutungen belässt. Nach einem starken, vielversprechenden Anfang konfrontiert Haneke den Zuschauer mit der deprimierenden Weite verlassener Landstriche und einer isolierten Gruppe, die vor sich hin vegetiert. Aber was will uns der Autor damit sagen? Außer der Erkenntnis, dass der Mensch selbst in dieser Situation noch zu Nächstenliebe fähig ist, scheint da nicht viel zu sein, was Haneke zusammen mit dem renommierten Kameramann Jürgen Jürges wie gewohnt durchaus sorgfältig bebildert. Für den Zuschauer entwickelt sich daraus aber eher die Einsicht, dass der eigentliche Horror der Apokalypse scheinbar in ihrer Langweiligkeit liegt, und die möchte man dann wirklich nicht miterleben, die gut 100 Minuten dieses vielleicht doch etwas zu subtil geratenen Films reichen wirklich.

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 09.12.2004 Thomas Kerpen
 
» Home of Movies Ox #57
 
« vorherige Seite  zurück nächste Seite »
» alle Präsentationen
english Version Impressum Kontakt Seite empfehlen Seite drucken Sitemap Disclaimer