YEAR OF THE HORSE
USA 1997. R: Jim Jarmusch. D: Neil Young, Frank 'Pancho' Sampedro, Billy Talbot u.a. 106 Min. Kinowelt.
Folgender Film hat mir für meinen Neil Young-Schrein noch gefehlt, nämlich Jim Jarmuschs YEAR OF THE HORSE von 1997, den Kinowelt jetzt auf DVD veröffentlicht hat. Jarmuschs "Konzertfilm" begleitet Young, Billy Talbot, Poncho Sampedro und Ralph Molina auf einer Tournee 1996, und verbindet dabei längere Songs mit Interviews und Material aus den 70ern und 80ern, um damit irgendwie die Magie der Zusammenarbeit zwischen Young und seiner langjährigen Band einzufangen. Dabei zeichnet er vor allem das Bild von Überlebenden der wildesten Jahre des Rock-Business, die nicht ohne Verluste über die Runden kamen, denn auf der Strecke blieben zum Beispiel Crazy Horse-Gitarrist Danny Whitten und Roadie Bruce Berry, klassische Drogentote, was Young auf seinem großartigen Album "Tonight's The Night" verarbeitete. YEAR OF THE HORSE ist wahrscheinlich eine "Love or hate"-Angelegenheit, denn wenn man Youngs Musik scheiße findet ? es gibt wohl solche Menschen ?, wird man wenig Spaß an dem Film haben, der schon ästhetisch unangenehm auffällt, da Jarmusch um der Authentizität willen hier grobkörniges Super 8-Material, Hi Fi 8-Video and 16-mm-Film mischt. Einige Kritiker konnten wohl nicht leiden, dass hier nicht das Bild einer glamourösen, tiefsinnig philosophierenden Rockband gezeichnet wird, sondern von ein paar in die Jahre gekommenen, abgehangenen Jungs, die das alles selbst nicht so ganz kapieren. Wer Young schon immer für einen durchaus integren Musiker gehalten hat, wird nach dem Film kaum anders denken, denn Jarmusch erzeugt eine sympathische Nähe zu allen Beteiligten, ein Gefühl der Intimität, das noch durch die kraftvollen Live-Aufnahmen gesteigert wird, wo sich Crazy Horse von ihrer besten Seite zeigen. YEAR OF THE HORSE ist sicher keiner meisterhafter Dokumentarfilm, aber hält durchaus überzeugend und unterhaltsam fest, warum Young die Rockikone ist, die er halt nun mal ist.
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