9 SOULS
Nach PORNOSTAR und BLUE SPRING scheint Toshiaki Toyoda mit 9 SOULS (www.artsmagicdvd.com), seinem dritten Film von 2003 als Regisseur endlich mal irgendwo angekommen zu sein. Während PORNOSTAR nur eine Ansammlung cooler Einzelszenen war und BLUE SPRING zwar inhaltlich mehr Substanz besaß, aber wenig Anteilnahme an Handlung und Charakteren erzeugte, ist 9 SOULS vielleicht kein vollendetes Meisterwerk, nichtsdestotrotz ein Film, den man Japan-Fans nur wärmstens ans Herz legen kann und der auch durchaus in unseren Programmkinos funktionieren könnte. Die Identifikation mit den ?neun Seelen? in Toyodas Film fällt anfangs allerdings etwas schwer, da es sich um neun Sträflinge handelt, darunter ein kleinwüchsiger Arzt, schuldig wegen Beihilfe zum Selbstmord, ein Bombenleger, ein Messerstecher, ein Zuhälter, ein Pornohändler und ein Vatermörder, also ein wenig sympathischer Haufen. Als ihnen ein anderer Häftling etwas von einer größeren, angeblich in einer alten Schule versteckten Geldmenge erzählt und sie durch Zufall ein Loch im Boden der Gefängniszelle entdecken, beginnt für die neun in einem gestohlenen Kleinbus eine skurrile Odyssee, bei der alle Beteiligten im Laufe des trotz seiner zwei Stunden nicht überlang wirkenden Films irgendwie von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Zu Beginn ist 9 SOULS noch eine recht humorvolle Angelegenheit voller absurder Geschehnisse, da die Truppe doch einige Mühe hat, ihre tatsächliche Identität zu tarnen, je weiter der Film voranschreitet, kommt das Drama zum Zug, da alle noch einige unbezahlte Rechnungen offen haben, die das Schicksal gnadenlos einfordert. Toyoda gelingt dabei eine ausgewogene Mischung zwischen surrealer Komödie, emotionalem Drama und gewalttätiger Action, die vor allem in einer Szene auch schwer an David Lynch erinnert, als die neun Sträflinge plötzlich mitten im Nirgendwo vor einem knallrot erleuchtenden Striplokal stehen, wo zufälligerweise die Dame arbeitet, die der Arzt Shiratori mal eine Niere gespendet hatte. Ein wirklich schöner Film, der trotz aller philosophischer Tiefe nicht aus den Augen verliert, sein Publikum auch zu unterhalten, und mit Ryuhei Matsuda (GOHATTO) und Koji Chihara die beiden Hauptdarsteller aus BLUE SPRING und PORNOSTAR vereint. Neben einem wie immer sehr informativen Audiokommentar von Tom Mes, gibt es auch zwei Interviews mit Toyoda, die die DVD von Artsmagic mal wieder zu einer runden Sache machen. |