THE LONG GOOD FRIDAY
Es gab Zeiten, da war Neil Jordan einer der interessantesten jungen Regisseure in England, der sich später dann an komischen Großproduktionen die Zähne ausbiss --? INTERVIEW WITH THE VAMPIRE dürfte in dieser Hinsicht einer seiner schlechtesten Filme sein. Aber 1986 war die Welt bei der Handmade Films-Produktion MONA LISA noch in Ordnung, in der der großartige Bob Hoskins einen kleinen, gerade aus dem Knast entlassenen Gauner namens George spielt, der Fahrer eines Luxus-Callgirls wird und dabei mit den Abgründen des Rotlichtmilieus konfrontiert wird. David Lelands (MADE IN BRITAIN) Drehbuch erinnert dabei streckenweise an Paul Schraders Film HARDCORE, plus einiger TAXI DRIVER-Referenzen, und scheint auch einen gewissen Einfluss auf 8MM gehabt zu haben. Sicherlich einer von Jordans besten Filmen, wenn nicht sogar einer der besten englischen Filme der 80er, der mit düsterer Film Noir-Abgründigkeit die Unterwelt Londons portraitiert. Ein ähnlich starker Film gelang ihm sechs Jahre später noch mal mit THE CRYING GAME. An der Seite von Hoskins kann man hier noch Michael Caine als sleazigen Gangsterboss bewundern, ebenso wie Robbie Coltrane als spleeniger Kumpel von George. Nerven tut eigentlich nur der Titelsong von Genesis, der die 80er von ihrer hässlichsten Seite zeigt. Die DVD von Sunfilm besitzt noch einen Audiokommentar von Neil Jordan und Bob Hoskins und ist doch tatsächlich noch mit einem FSK 18-Siegel versehen, ich kann?s kaum glauben. Toller Film, besonders in der Originalfassung.
Einen ähnlich starken Auftritt hatte Bob Hoskins bereits 1980 in John Mackenzies THE LONG GOOD FRIDAY bzw. RIFFIFI AM KARFREITAG, ebenfalls eine Handmade Films-Produktion. Bis vor kurzem war dieser toughe Old School-Gangsterfilm sogar noch bei uns indiziert, und bei der Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen in den 80ern irgendwann mitten in der Nacht gab es noch heftige Diskussionen wegen seiner angeblichen Brutalität. Klar, hart ist er schon irgendwie, aber was man letztendlich an expliziter Brutalität zu sehen bekommt, beschränkt sich auf die Szene, als Gangsterboss Harold Shand einem verräterischen Mitarbeiter einen abgeschlagenen Flaschenhals ins Gesicht rammt. Bob Hoskins verkörpert Harold Shand als grimmigen, ewig schlecht gelaunten Napoleon der Londoner Unterwelt, der mit Bombenattentaten und Morden konfrontiert wird, gerade als er einen dicken Deal mit amerikanischen Mafia klar machen will. Bei seiner unbarmherzigen Suche nach den Leuten, die ihm in die Suppe gespuckt haben, stößt er auf Verräter in den eigenen Reihen und einen übermächtigen Feind, der weniger an Geld interessiert ist. Was THE LONG GOOD FRIDAY an tiefgründiger Story vermissen lässt, macht er durch grimmigen Realismus und Brutalität wieder wett, was ihn zu einem ähnlichen Klassiker des englischen Gangsterfilms macht wie GET CARTER. Die Titelmelodie von Francis Monkman (eher bekannt als Keyboarder von CURVED AIR und SKY) ist vollkommen grandios und man fragt sich, warum der Mann nicht mehr Soundtracks komponiert hat. Neben Bob Hoskins tauchen hier noch Helen Mirren, Pierce Brosnan, als emotionsloser IRA-Killer, und der knittrige Eddie Constantine auf. Die DVD von Sunfilm besitzt noch einen Audiokommentar von John Mackenzie und Bob Hoskins, verzichtet leider aber auf ein aktuelleres Interview mit Mackenzie und Hoskins, das sich auf der UK-DVD von Anchor Bay befindet. Hier war ich zur Abwechslung mal wirklich über den deutschen Ton dankbar, da alle Beteiligten doch einen ziemlichen Slang von sich geben, der ohne Hilfestellung nicht einfach zu verstehen ist. |