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SWEAT

SWEAT

(Frankreich, 2002)

Im Gegensatz zu Jan Kounens BLUEBERRY (siehe Ox #59) war Louis-Pascal Couvelaires Comicverfilmung MICHEL VAILLANT (bereits in den 60ern gab es eine französische TV-Adaption des Comics) wirklich vollkommen verunglückt. Aber ist ja auch klar, Luc Besson war hier beteiligt, und ich frage mich wirklich, was bei seinem demnächst anstehenden Animationsfilm ARTHUR AND THE MINIMOYS herauskommen soll, angesichts der filmischen Katastrophen, für die er inzwischen seinen ehemals guten Namen als Produzent oder sonst was hergegeben hat. In den französischsprachigen Teilen Europas ist die Figur des Rennfahrers Michel Vaillant ja eine Comic-Ikone ähnlich wie Blueberry ? meine mittlerweile recht schwammig gewordene Erinnerung daran beschränkt sich auf die Lektüre der vielleicht noch dem einen oder anderen bekannten ?Zakk?-Comics aus den 80ern. Wie auch immer, MICHEL VAILLANT ist dummerweise nicht mehr als ein überlanger Lifestyle-Werbespot mit platter Hochglanzästhetik, der von ebenso gesichtslosen Hackfressen bevölkert wird, darunter leider auch ein altgedienter Darsteller wie Jean-Pierre Cassel, der Papa von Vincent Cassel. Neben der brechreizerregenden Ästhetik gibt es dann auch noch ein vollkommen grenzdebile Story vom Kampf eines guten und eines bösen Rennsportteams gegeneinander, inklusive Mord und Totschlag. Irgendwann habe ich dann von Rennszene zu Rennszene vorgespult, aber auch die waren völlig langweilig inszeniert, da war ja fast 2 FAST 2 FURIOUS noch besser, und der war schon überwiegend was für ganz stumpfe Zeitgenossen. Ich kann nur jedem raten, einen großen Bogen um diesen Film zu machen, der in letzter Zeit doch einer der absoluten Tiefpunkte war. (Universum)
Umso überraschender ist, dass Louis-Pascal Couvelaires erster Film SWEAT (SUEURS) fast so was wie ein kleiner Geheimtipp ist. Auch der ist ein Manifest der Überästhetisierung, aber im Gegensatz zu MICHEL VAILLANT ist es hier wirklich faszinierend zu sehen, wie Couvelaire vor der Kulisse der Wüstenlandschaft Nordafrikas ein paar schmierige Typen und ein paar abgewrackte LKWs in Szene gesetzt hat, mit Hilfe von atemberaubenden, rasant geschnittenen Bildern, die fast schon wie gemalt aussehen. Darin versuchen ein paar Schmalspurganoven die Beute aus einem Überfall an die Atlantikküste zu bringen, und das ist dann auch eigentlich schon die ganze Handlung, mehr ist auch gar nicht nötig. Allerdings liegen vor ihnen jede Menge Wüstenkilometer und unberechenbare Gruppendynamik, denn natürlich versucht jeder jeden übers Ohr zu hauen. Man könnte SUEURS natürlich irgendwie als ziemlich sinnlose LOHN DER ANGST-Hommage ansehen, aber Couvelaires in Sachen Gewalt auch nicht gerade zimperlicher Film ist gespickt mit schwarzem Humor und einem ironischen Umgang mit den Stereotypen des Actionfilms, so dass der Film einen Heidenspaß macht. Vielleicht auch, weil hier genau die richtigen und wirklich essentiellen Zutaten herausgefiltert wurden, während man gerade im amerikanischen Actionfilm vollkommen aus den Augen verloren hat, worum es eigentlich geht, nämlich um die Ausschüttung von Adrenalin. SUEURS mag kein Meisterwerk sein, aber es ist eine sympathische, selbstironische und definitiv nicht blöde Hommage an einen Filmklassiker ? inklusive eines deprimierenden Endes ? und eine Rückbesinnung auf das, was klassisches, gut funktionierendes Actionkino gerade in den 70ern mal ausgemacht hat. Dazu kommt ein zur Abwechslung mal wieder prächtig aufgelegter Jean-Hugues Anglade, der hier in einer ziemlichen Arschloch-Rolle zu bewundern ist, und daran auch offensichtlich seinen Spaß hatte. (Koch Media)

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 28.06.2005 Thomas Kerpen
 
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