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WALKABOUT

(Australien, 1971)

WALKABOUT ist Nicolas Roegs erste richtige Regiearbeit, zählt man die Kooperation mit Donald Cammell bei Performance nicht mit ? übrigens auch so ein Film, wo eine DVD wirklich mal erfreulich wäre ?, nachdem er bereits 21 Jahre als Kameramann gearbeitet hatte. Und diese langjährige Erfahrung merkt man dem Film auch an, der alleine schon visuell beeindruckend ist, wobei dazu natürlich auch der innovative Schnitt und die experimentelle Überlagerung unterschiedlicher Tonspuren dazu beitragen, stilistische Elemente, die man auch bei danach bei Wenn die Gondeln Trauer tragen oder Der Mann, der vom Himmel fiel wiederfinden kann. Basierend auf dem Roman von James Vance Marshall schildert Roeg hier den Überlebenskampf eines jungen Mädchens und ihres noch jüngeren Bruders in der australischen Wildnis, wo sich die beiden nach dem vollkommen irrealen, überraschenden Selbstmord ihres Vaters alleine wiederfinden, und der auch noch versucht hatte, die beiden Kinder mit in den Tod zu reißen. Ihre Überlebenschancen sehen allerdings nicht besonders gut, bis sie auf eine Wasserstelle treffen, die aber auch plötzlich versiegt. Kurz darauf treffen sie auf einen Aborigine-Jungen, der sich ebenfalls alleine in der Wildnis behaupten muss, was allerdings Teil eines Initations-Rituals ist. In WALKABOUT inszeniert Roeg durch den Zusammenprall zweier vollkommen unterschiedlicher Welten eine faszinierend poetische Form von Zivilisationskritik, ohne dass das dem berühmten Wink mit dem Zaunpfahl gleichen würde bzw. dem Ganzen eine offensichtliche Botschaft innewohnen würde. Denn die Schönheit seiner Photographie steht nur zu oft im krassen Gegensatz zu dem, was gezeigt wird: nämlich vor allem die Grausamkeit der Natur mit Bildern voller Verwesung, dem ?fressen und gefressen werden?, dazwischen geschnitten immer wieder die Leiche des Vaters, fast gleichgesetzt mit irgendwelchen Tierkadavern, eine primitive Welt, in der ein Stadtmensch nicht mehr überlebensfähig ist. Ein grausames Paradies, das mit seinen einfachen Regeln und seiner Freiheit aber auch Sehnsüchte weckt, vor allem bei dem Mädchen, das durch den Aborigine-Jungen auch scheinbar zum ersten Mal mit eigenen ihrer Sexualität konfrontiert wird. WALKABOUT ist vor allem ein Film über extreme Kontraste und Widersprüche, die Roeg in sehr vielschichtiger Weise inszeniert, eingerahmt von zwei Selbstmorden, die der mystischen ?Coming of age?-Geschichte eine ungemein verstörende Dimension geben. Einer von Roegs besten Filmen ? mit der Musik von ?James Bond?-Komponist John Barry ? und eine beachtliche Leistung der damals gerade mal 19-jährigen Engländerin Jenny Agutter (AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON, THE EAGLE HAS LANDED), die hier auch in physischer Hinsicht extrem gefordert wurde. Die DVD von MC One ist eine spartanische Angelegenheit, präsentiert den Film aber in technisch akzeptabler Form, wobei die US-DVD von Criterion diesem hervorragenden Film wesentlich besser gerecht wird. (MC One)

 
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Thomas Kerpen 12.08.2005 Thomas Kerpen
 
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