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BLOOD AND DONUTS

Kanada 1995

Holly Dales BLOOD AND DONUTS lief zwar mal vor Ewigkeiten irgendwo im Fernsehen, erschien jetzt aber doch noch einmal auf DVD. Warum es mit dieser kanadischen Produktion so lange gedauert hat, ist leicht zu sehen, denn Dales Wiederbelebung des Vampirmythos ist eine etwas langatmige Angelegenheit. Darin wird der Vampir Boya nach einem Vierteljahrhundert Tiefschlaf unsanft durch einen Golfball geweckt und findet sich in einer tristen Großstadtumgebung wieder, dessen zentrale Anlaufstelle ein Donut-Laden zu sein scheint. Dabei trifft er wieder auf seine alte Ex-Freundin, der er damals das ewige Leben verwehrt hatte, einen schrägen Taxifahrer und einige Mafiosi, die die Gegend unsicher machen. Sicherlich kein unsympathischer Film, dessen Selbstironie und Schwarzer Humor allerdings so subtil ausgefallen sind, dass sie den meisten Zuschauern gar nicht auffallen dürften. Und als hübsch blutiger Horrorfilm taugt BLOOD AND DONUTS auch nicht, denn Vampir Boya ist eine depressive Slacker-Gestalt, die mit dem eigenen Dasein hadert und eher widerwillig in die Rolle des blutrünstigen Vampirs schlüpft. David Cronenberg hat hier einen seiner amüsanten Gastauftritte als Mafia-Boss, ansonsten gibt es nicht allzu viel spektakuläres zu berichten. ?Near Dark?, ?Martin? oder ?Innocent Blood? sind da sicher originellere Beispiele für eine Neuinterpretation des Genres, aber es gibt sicher wesentlich schlechtere Filme als BLOOD AND DONUTS in diesem Bereich. (Epix)
Oder bessere, wie die leider viel zu unbekannte französische Vampirfilm-Parodie DIE HERREN DRACULA (DRACULA PÈRE ET FILS), die inzwischen via Universum auf DVD zu haben ist. Edouard Molinaros Film ist zu Beginn eine nette Hommage an die Horrorfilme von Hammer, noch unterstützt durch die Tatsache, dass sein Dracula von Christopher Lee gespielt wird, der offensichtlich seinen Spaß an der ironischen Brechung seiner bekanntesten Rolle hat. Der Herr der Finsternis tut allerdings hier etwas Ungewohntes, denn er zeugt einen Sohn, von dem er getrennt wird, als die beiden in der Jetztzeit aus ihrem Domizil in Transsylvanien fliehen müssen. Papa landet in London und wird Vampirdarsteller und Sohn Ferdinand verschlägt es nach Paris, wo er in eher bescheidenen Verhältnissen lebt und so seine Probleme mit den Besonderheiten des Vampirlebens hat. Die Familienzusammenführung gestaltet sich allerdings problematisch, denn Vater und Sohn begehren dieselbe Frau, die zufälligerweise Ferdinands Mutter ähnelt. Auch wenn DIE HERREN DRACULA vielleicht nicht den Klassikerstatus von Polanskis TANZ DER VAMPIRE besitzt, gelingt ihm eine ähnlich subtile Aneignung klassischer Vampirmythen, in deren Mittelpunkt ein Vater-Sohn-Konflikt steht, der bei allem Humor auch seine dramatischen Momente besitzt. Bei der DVD-Version handelt es sich um die Ende der 70er vom ZDF ausgestrahlte Fassung, die im Gegensatz zur gekürzten und entstellten damaligen US-Fassung dem französischen Original entsprechen dürfte. (Universum)

 
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Thomas Kerpen 15.06.2006 Thomas Kerpen
 
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