DAS ENDE - ASSAULT ON PRECINCT 13USA 2005
Nachdem das Remake von John Carpenters THE FOG ja ein unsäglicher Stinker sein muss ? sowieso einer seiner schwächeren früheren Filme ?, ist es erfreulich, berichten zu können, dass wenigstens Jean-François Richets Version von Carpenters zweitem Spielfilm ASSAULT ON PRECINCT 13 nach DARK STAR ein wirklich gelungener, tougher Actionfilm geworden ist, der bei uns via Highlight inzwischen als Kauf-DVD erschien.
Carpenters billig produziertes Original war ja ein Ausbund an Effektivität und ist nach wie vor einer seiner besten Filme, zumal er auch in visueller Hinsicht anderen Werken der B-Liga haushoch überlegen ist. ASSAULT ON PRECINCT 13 ist dabei ein moderner, an Howard Hawks? RIO BRAVO angelehnter Westen, in dem sich eine kleine Gruppe in einem vor der Schließung stehenden Polizeirevier in L.A. dem Angriff einer Gang erwehren muss ? die Carpenter überwiegend als eher diffuse, anonyme Bedrohung zeigt ?, bei dem sich Polizisten und Inhaftierte auf ungewohnte Weise verbünden. Auch wenn ASSAULT in erster Linie ein Actionfilm ist, erinnert seine grundsätzliche Inszenierung doch auch sehr an Horrorfilme wie NIGHT OF THE LIVING DEAD, was Carpenters intensiver und düsterer Primitiv-Elektronik-Score noch unterstreicht. Die kompromisslose Brutalität und gesellschaftliche Anarchie, die ASSAULT beinhaltet ? man nehme nur die Erschießung des kleinen Mädchens ?, zeigt auch heute noch Wirkung. Inzwischen ist der Film aber ungeschnitten ab 16 freigegeben und erschien jetzt in würdiger Form als Doppel-DVD von e-m-s, inklusive einer 60-minütigen Doku über Carpenter und mit dessen Audiokommentar versehen. Zu meckern gibt es höchstens, dass man leider für die ganzen Surround-Anlagen-Deppen da draußen eine neue Synchro angefertigt hat, da hätte man sich doch lieber um eine sorgfältigere Restauration des alten deutschen Stereo-Tons bemühen sollen, der hier in nicht ganz überzeugender Qualität auch vorhanden ist. Ein kleines Schmankerl gibt es allerdings nur auf der US-DVD, denn da lässt sich auf einer Tonspur auch der isolierte, inzwischen äußerst rare Score von Carpenter finden. (e-m-s)
Jean-François Richets Version lässt die grundlegende Ausgangssituation von Carpenters Original unverändert, das heißt auch hier muss sich eine Gruppe Polizisten und Inhaftierte einer Bedrohung von Außen erwehren. Der eigentliche Reiz des Originals bestand ja in der Anonymität der Bedrohung, die hier ein konkretes Gesicht bekommt, was ein wenig an andere US-Filme wie TRAINING DAY oder HOSTAGE erinnert und sicherlich nicht zu den originellsten Ideen des Films gehört. Ebenso überflüssig ist die Einführung der Figur von Ethan Hawke, der natürlich mal wieder ein schrecklich traumatisierter Cop sein muss ? das US-Publikum braucht so was scheinbar. Die Hauptfigur ist also im Gegensatz zum Original diesmal ein Weißer, dafür ist der inhaftierte Gangster hier ein Schwarzer, exzellent besetzt mit Laurence Fishburne, der mir allerdings seit der MATRIX-Trilogie eher mal auf die Nerven geht. Warum man diese ethnische Veränderung vornahm, ist nicht ganz nachvollziehbar. Und aus dem sonnigen Los Angeles wurde die Handlung ins verschneite Detroit verlegt, an einen Silvesterabend. Aber das alles interessiert sowieso nicht mehr, wenn erst mal die Action einsetzt, die Richet ähnlich packend inszenieren konnte wie Carpenter. Sehr sympathisch an seiner Version ist auch der unbarmherzige Umgang mit den Figuren des Films, abseits irgendwelcher Sentimentalitäten, die man ansonsten von amerikanischen Filmen kennt und hasst. ASSAULT 2005 ist vielleicht nicht unbedingt besser als ASSAULT 1976, vor allem was das etwas aufgeblasene Finale angeht, dafür ist er einer der spannenderen und intelligenteren US-Actionfilme der letzten Zeit, der auch an die Effektivität der ersten beiden DIE HARD-Filme erinnert. Nett auch, dass man darauf verzichtet hat, Carpenters Musik zu recyclen, dafür gibt es allerdings mal wieder Gabriel Byrne in einer dieser völlig undankbaren, eindimensionalen Bösewicht-Rollen zu sehen. (Highlight)
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