L.A. CRASHUSA 2004
Regisseur Paul Haggis konnte auf eine erfolgreiche Karriere im TV-Bereich zurückblicken, bevor er als Produzent und Drehbuchautor von Clint Eastwoods MILLION DOLLAR BABY 2004 auch im Kino Fuß fassen konnte. Eigentlich sollte er dabei auch Regie führen, steckte aber gerade mitten in den Dreharbeiten seines Films CRASH, der jetzt auch bei uns als DVD unter dem Titel L.A. CRASH erschienen ist. Eventuell um Verwechslungen mit David Cronenbergs gleichnamigen Film zu verhindern, die es in den USA allerdings genauso geben könnte. L.A. CRASH und MILLION DOLLAR BABY besitzen dabei durchaus Gemeinsamkeiten, denn beide bemühen sich um ein ambivalentes Menschenbild als Dreh- und Angelpunkt eines packenden, humanistischen Dramas, was ja gerade im amerikanischen Kino mit seinen stereotypen Charakteren selten genug zu finden ist. Das Thema von L.A. CRASH ist der tief in der Gesellschaft verwurzelte Rassismus, den Haggis mit ineinander verzahnten Episoden versucht freizulegen und dafür recht unterschiedliche Menschen herauspickt, die sich sowohl durch ihre ethnische Zugehörigkeit als auch durch ihren sozialen Status unterscheiden ? Weiße, Schwarze, Latinos, Koreaner und Iraner, Polizisten und Gangster, Reiche und Arme. L.A. CRASH arbeitet dabei mit sehr widersprüchlichen Identifikationsangeboten, denn alle auftauchenden Personen besitzen sowohl schwache als auch starke Momente, wenn es darum geht, den eigenen rassistischen Regungen zu begegnen. Das Problem so eines Konstrukts ist mal wieder, dass es in einer Millionstadt wie L.A. wenig glaubwürdig wirkt, wie sich die Begegnungen der verschiedenen Figuren hier abspielen ? siehe auch ähnliche Filme wie SHORT CUTS oder MAGNOLIA. Akzeptiert man diese eher Parabel-hafte Ebene, wo Menschen zur richtigen Zeit zu intelligente Sachen sagen und sich auch mal ein dick aufgetragener Passionsspiel-Pathos einschleicht, hat man es mit einem durchaus überzeugenden, intensiven, intelligenten und perfekt umgesetzten Film zu tun, der mit hervorragenden Darstellerleistungen aufwartet, allen voran Matt Dillon als rassistischer Cop, aber auch mit einem etwas schwachen Ende und der allzu sakralen Musik von Mark Isham. Sicher einer der interessantesten Filme des letzten Jahres, der ein Wunder beinhaltet, das glücklicherweise doch keins ist und für die Cleverness der ganzen Geschichte spricht, was dem deutschen Zuschauer aber eventuell entgeht, wenn er sich der Bedeutung des Wörtchens ?Blanks? nicht bewusst sein sollte. (Universum) |