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MAN NENNT MICH HALLELUJA

Italien 1971

Und noch ein bisschen was für Freunde gepflegter Italowestern-Unterhaltung: In Form der ?Halleluja Italo-Western-Box? präsentiert uns Koch drei Filme in gewohnt guter Qualität, ergänzt durch eine Soundtrack-CD mit Musik von Stelvio Cipriani, einmal für den hier vertretenen MAN NENNT MICH HALLELUJA sowie für BEICHTET, FREUNDE, HALLELUJA KOMMT. MAN NENNT MICH HALLELUJA (TESTA T?AMMAZZO, CROCE... SEI MORTO... MI CHIAMANO ALLELUJA) und EIN HALLELUJA FÜR CAMPOSANTO (GLI FUMAVANO LE COLT... LO CHIAMAVANO CAMPOSANTO) entstanden beide unter der Regie von Giuliano Carnimeo und sind eher im Bereich des Spaßwesterns anzusiedeln, also ganz oben auf der Liste des eher simpel gestrickten Fans von Bud Spencer und Terence Hill.

In MAN NENNT MICH... spielt George Hilton den titelgebenden Halleluja, eine Art Söldner, der 1867 zur Revolutionszeit in Mexiko Juwelen stehlen soll, die sich aber als Fälschung erweisen, was eine lustige Hatz auf die richtigen Steinchen in Gang setzt, mit dabei eine Agentin von Kaiser Maximilian, getarnt als Nonne. MAN NENNT MICH... nimmt sich wie gesagt dabei nicht allzu ernst, was den Film wirklich schwer unterhaltsam macht, zumal er auch noch mit reichlich originellen Ideen aufwartet wie etwa einer schießenden Nähmaschine. Eine ziemlich überdrehte Angelegenheit, die sicherlich noch lustiger wäre, wenn nicht der unerträgliche Rainer Brandt der Sprecher von George Hilton wäre und das Niveau mit seinem hirnlosen Gequatsche erheblich senken würde ? ich weiß wirklich nicht, wer das noch ernsthaft lustig findet. Aber man kann ja noch auf die untertitelte italienische Fassung umschalten, wenn es allzu sehr schmerzt.

Die Abwesenheit von Rainer Brandt macht sich bei dem ebenfalls deutlich überzogen synchronisierten EIN HALLELUJA FÜR CAMPOSANTO angenehm bemerkbar, wo es auch ohne völlig tiefergelegte Bauarbeiter-Sprüche Kalauer-mäßig gut zur Sache geht. Hier trifft die Traumpaarung Gianni Garko und William Berger aufeinander. Garko spielt den Revolverhelden Camposanto, der zum Schutzengel der beiden schwer verweichlichten Söhne eines Farmers wird, der im Konflikt mit einer Gangsterbande steht. Deshalb heuert die Gegenseite den Duke (Berger) an, ein Killer ähnlichen Kalibers und ein guter Bekannter von Camposanto, und so müssen die beiden in Folge Geschäft und gewisse Sympathien füreinander unter einen Hut bringen. Die Konflikte der beiden sind dabei der Dreh- und Angelpunkt des Films bzw. die Bestrebungen, ihre gegensätzlichen Jobs auszuführen. Ein großer Spaß und fast noch besser als MAN NENNT MICH..., da er noch über die klassischen Italowestern-Motive verfügt und sein Humor deutlich zynischer und schwärzer ausgefallen ist, fast an der Grenze zur Satire.

Wie schon bei der Django-Box gibt es auch hier leider einen echten Stinker in Form von León Klimovskys SANDO KID SPRICHT DAS LETZTE HALLELUJA (SU LE MANI, CADAVERE! SEI IN ARRESTO), der sich viel zu ernst nimmt, aber eigentlich kaum ernst zu nehmen ist. Das beginnt schon beim Hauptdarsteller Peter Lee Lawrence, der mit Milchbubigesicht einen Rächer mit Doppelexistenz mimt, der mit einem skrupelloser Großgrundbesitzer und seinen Schergen aufräumen will. Die Spar-Version von SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD, langweilig und schlecht inszeniert ? kein Wunder, sitzt hier doch mit Klimovsky einer der mit Abstand untalentiertesten Regisseure des europäischen Genrekinos im Regiestuhl. Da hätte ich mir doch fast mal eine Spaß-Fassung von Rainer Brandt gewünscht ... Außerdem gibt es im Booklet noch einen irgendwie überflüssigen Essay, wo sich Western-Experte Wolfgang Luley vom Katholischen Filmwerk daran macht, irgendwelchen religiösen Kram in die Filme rein zu interpretieren, was mal wieder typisch für die konfessionell geprägte Filmkritik ist. Aufgrund der beiden großartigen Filme von Carnimeo, der Soundtrack-CD und dem interessantem Hintergrundmaterial in Form eines Features über Carnimeo ist die schön aufgemachte Box aber in jedem Fall ihr Geld wert. (Koch Media)

Einzeln von Koch ist DJANGO - DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON (QUELLA SPORCA STORIA DEL WEST) erschienen, wo natürlich mal wieder kein Django weit und breit zu sehen ist, aber auf unnachahmliche Weise in die deutsche Synchro hineingewurstelt wurde, auf dass das dumme deutsche Publikum darauf reinfällt, denn der Hauptdarsteller heißt eigentlich Johnny. Enzo G. Castellaris (KEOMA) Western-Drama ist eine Adaption von Shakespeares ?Hamlet?, weshalb der Film in englischsprachigen Ländern auch JOHNNY HAMLET hieß. Das Ganze hätte wirklich ein Meisterwerk wie KEOMA sein können, überrascht auch gerade zu Beginn noch mit wirklich ungewöhnlichen Kameraeinstellungen, leidet aber insgesamt unter einem fürchterlich unglaubwürdigen Hauptdarsteller in Gestalt von Andrea Giordana und einer öden Handlung, bei der Horst Frank einfach zu evil dreinschaut, um auch nur eine Sekunde daran zu zweifeln, dass er der Oberbösewicht des Films ist. Natürlich schön, dass der Film überhaupt mal wieder zugänglich gemacht wurde, und das in Top-Qualität, aber ich kann in diesem apokalyptischen Familiendrama nur einen halbwegs interessanten Italowestern ausmachen, nicht aber einen wirklichen Genre-Klassiker. Da hilft es auch nicht, dass DJANGO-Vater Sergio Corbucci die Idee zu dem Film hatte. Interessanter als der Film ist da wahrscheinlich das mal wieder exklusiv produzierte Feature auf dieser DVD über Enzo G. Castellari. (Koch Media)

Apropos Sergio Corbucci: Dessen erster Western MINNESOTA CLAY, der lange Zeit recht schwer aufzutreiben war, ist jetzt auch auf einer recht spartanischen DVD erschienen, die nur den deutschen Ton enthält, aber ansonsten eine gute Qualität aufweist. MINNESOTA CLAY ist ein schönes Beispiel dafür, was ein guter Hauptdarsteller doch ausmacht. Cameron Mitchell spielt einen unschuldig verurteilten Revolverhelden, der aus dem Gefängnis ausbricht, um in seiner Heimatstadt an dem Mann Rache zu üben, der seine Unschuld damals hätte beweisen können, aber das nicht getan hatte. MINNESOTA CLAY ist vollkommen humorfrei und zeigt einen eher tragischen Helden, der kurz davor steht, endgültig zu erblinden, weshalb er sich beim ungewöhnlichen finalen Gefecht des Films überwiegend auf sein Gehör verlassen muss. Corbuccis Western ist zwar noch stark von amerikanischen Vorbildern geprägt, besitzt aber eine deutlich nihilistischere Atmosphäre und einen gebrochenen Anti-Helden, dem dann doch ein Happy End gewährt wird. Allerdings scheint es wohl auch Fassungen gegeben zu haben, die mit dem Tod von Mitchell endeten, was man hier in einer kurzen Szene sehen kann und was fast besser zur sich aufopfernden Märtyrer-Persönlichkeit seiner Figur gepasst hätte. Schöner Film, allerdings noch an deutlich klassischeren Western-Motiven orientiert. (e-m-s)

Ebenfalls sehr gut ist SATAN DER RACHE (E DIO DISSE A CAINO) von Antonio Margheriti, auch einer dieser italienischen Vielfilmer, dem hier eine gelungene Mischung aus Italowestern und Gothic-Horror gelang. SATAN DER RACHE ist auch zur Abwechslung mal eine echte Hauptrolle für Klaus Kinski, der hier den von den üblichen Rachemotiven getriebenen Gary Hamilton spielt, der zehn Jahre in einem Steinbruch verbringen musste, weil ihm ein früherer Freund einen Mord angehängt hatte und sich jetzt mit seiner Frau und seinem Besitz vergnügt. Der Film besitzt eigentlich keine besondere Handlung, und zeigt im Prinzip nur, wie Kinski inmitten eines Tornados während der Nacht seinen alten Freund und dessen Gehilfen wie ein Gespenst heimsucht und einen nach dem anderen tötet. Margheriti schafft hier eine wirklich dichte, bedrohliche Atmosphäre, in der Kinski äußerst zurückhaltend agiert, wobei seine Figur aufgrund ihrer Grausamkeit letztendlich zu unheimlich bleibt, um sich mit ihr wirklich identifizieren zu können, da hilft auch die Synchronstimme von Louis de Funès nichts. Auf dieser qualitativ ebenfalls sehr guten DVD ? wobei das Bildformat wohl nicht ganz korrekt ist ? gibt es auch den italienischen Ton, aber bis auf den Trailer keine nennenswerten Extras, allerdings ist dieser ungewöhnliche Genre-Beitrag auch so sehenswert genug. (e-m-s)

 
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Thomas Kerpen 15.06.2006 Thomas Kerpen
 
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