DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDELDeutschland 1967
DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL (e-m-s) von Harald Reinl war Ende der 60er der skurrile Versuch, sich neben den ganzen Edgar Wallace-Verfilmungen an den Erfolg der Poe-Adaptionen von Roger Corman zu hängen bzw. die Popularität der englischen Hammer-Filme zu nutzen, also auch Gothic-Horrorfilme von internationalem Niveau wieder in Deutschland zu etablieren. Es blieb bei diesem Versuch, denn Reinl, der ja einige Edgar Wallace- und Karl May-Filme gedreht hat, kann hier nicht verhindern, dass vieles unfreiwillig ? oder doch gewollt? ? komisch wirkt. Reinl gelingen dabei durchaus atmosphärische, teils surreale Bilder, bei denen der gute Mario Bava deutlich Pate gestanden hat, schon alleine zu Beginn, als der böse Graf Regula zum Tode verurteilt wird und man ihm eine Maske verpasst, die doch sehr an die aus DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT erinnert. Der wird von Christopher Lee gespielt, also eine durchaus passende Wahl für einen Film dieser Art, dessen Gegenspieler Lex Barker ist, in den 50ern Tarzan-Darsteller und später dann vor allem als Old Shatterhand bekannt. Dazu gibt es schön gestaltete Kulissen inklusive Folterkeller, kreischende Frauen und andere Zutaten des Gothic-Horrors, wirkliches Grauen entsteht aber trotz handwerklicher Kompetenz dennoch nicht, und es fehlt eigentlich nur noch, dass Eddie Arendt um die nächste Ecke biegt. Dementsprechend unterhaltsam ist DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL, nur darf man um Gottes willen keinen ernsthaften Horrorfilm erwarten oder etwa eine werkgetreue Poe-Adaption, wo sich die Parallelen mal wieder auf Bestandteile des Titels beschränken, nämlich Schlangengrube und Pendel. Die dudelig-jazzige Musik stammt von Peter Thomas, der hier zu leichten Selbstzitaten neigt ? ?Raumpatrouille Orion? ist nicht weit. Die DVD ist auf jeden Fall eine schöne Sache, versehen mit einem Interview mit Karin Dor und anderen Extras, darunter zwei dieser amüsanten, stark verkürzten Super 8-Fassungen des Films. |