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SUPERMARKT

Deutschland 1973

Schon wieder ewig her, dass ich in diesem Heft mal was über Roland Klick gebracht habe ? einer der wenigen deutschen Filmemacher, für den ich mich immer noch richtig begeistern kann ?, genauer gesagt in den Ausgaben 27, 29 und 30 anlässlich des Erscheinens der Video-Gesamtedition bei 451 Video. Jetzt ist es nach acht Jahren doch noch mal was mit einer DVD-Edition geworden, bei der den Anfang wie damals auf Video DEADLOCK macht, gefolgt von SUPERMARKT. In DEADLOCK, der unter schwierigen Umständen in Israel gedreht wurde, treffen drei Männer in einer verlassenen mexikanischen Geisterstadt aufeinander. Zwei sind Bankräuber, einer davon ist schwer verletzt, die ein bizarres, sadistisches Katz- und Maus-Spiel betreiben, um sich gegenseitig die Beute des Überfalls abzujagen, während der Dritte im Bunde, ein gewisser Charles Dump, gespielt von Mario Adorf, immer mehr zum hilflosen Opfer dieses Konflikts wird.

Ein an den Nerven zerrender Psychothriller (mit der Musik von Can) im Gewand eines Italowesterns, der in einer unwirtlichen Umgebung spielt, in dem alle Beteiligten gleichermaßen gefangen sind, was sogar jemanden wie Alejandro Jodorowski begeistern konnte. Wie auch andere Filme Klicks zeichnet sich DEADLOCK durch eine äußerst realitätsnahe Inszenierung aus, man kann die Hitze, den Schweiß und Dreck förmlich spüren. Permanent liegt eine archaische Gewalttätigkeit in der Luft, doch es dauert, bis diese konkret ausbricht, woraus die Handlung auch einen Großteil ihrer Spannung bezieht. Die DVD-Bildqualität ist für einen Film dieses Alters sehr gut, wobei die zugrunde liegende Kopie gerade zu Beginn viele Macken aufweist, aber das lässt sich verschmerzen. Es gibt zusätzlich einen Audiokommentar von Klick, ein Interview mit Klick zum Film, das aber von der alten Interview-Kassette von 451 Video stammt, den Trailer, ein Klick-Porträt von 1985 und die Dokumentation DIE CHANCE von Peter Gehring, in der es um die Bewerberinnen für die Rolle des jungen Mädchens in DEADLOCK geht.

Wesentlich besser als DEADLOCK gefällt mir aber immer noch SUPERMARKT, wo Klicks Sinn für eine realistische Darstellung bestimmter Milieus hervorragend zur Geltung kommt, was im deutschen Film dieser Zeit nicht unbedingt die Regel war. Klick zeigt hier den rasanten sozialen Abstieg des jungen Willi im Hamburg der 70er, an dem jede Form von Resozialisierung scheitert, da er sich permanent die falschen Freunde aussucht und dem auch als Stricher und Bankräuber wenig Glück beschieden ist. Eine kraftvolle, ungeschönte und ebenfalls sehr gewalttätige Milieustudie, die einen tragischen Helden besitzt, einen gesellschaftlichen Außenseiter, der permanent auf der Flucht ist, vor allem vor sich selbst. SUPERMARKT war in dieser Hinsicht seiner Zeit weit voraus, was sicherlich auch an der mitreißenden Kameraarbeit von Jost Vacano liegt, der erneut bei LIEB VATERLAND MAGST RUHIG SEIN mit Klick zusammenarbeitete, Kameramann von DAS BOOT war und später mit Paul Verhoeven nach Hollywood ging.

Das Bild der DVD von SUPERMARKT sieht nahezu perfekt aus, für die Klick und Vacano eine neue digitale Abtastung bewerkstelligten, einen Audiokommentar gibt es auch wieder, einen Trailer und ein aktuelles 40-minütiges Interview mit Klick und Vacano. Der tolle Bowie-eske, in Englisch gesungene Titelsong ?Celebration? stammt übrigens von einem gewissen Marius West, später besser bekannt als Marius Müller-Westernhagen, der auch Charly Wierczejewski, den Darsteller von Willi, nachsynchronisierte, denn weder DEADLOCK oder SUPERMARKT wurden mit Originalton gedreht. Der Song befindet sich in relativ schlechter Qualität separat auf der DVD, was etwas seltsam ist, denn auf rolandklick.de gibt es von dem Song einen vollkommen störungsfreien Download ? mehr kommt mir von dem Typen aber nicht ins Haus. Beide Filme kann man zwar ab und an auch im Fernsehen sehen, aber die DVDs lohnen natürlich schon alleine wegen des Bonusmaterials. (filmgalerie451.de)

 
Beitrag von: erstellt am: Nachricht an:
Thomas Kerpen 15.06.2006 Thomas Kerpen
 
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