TRANSPORTER 2Frankreich/USA 2005
Dass Roger Ebert von der Chicago Sun-Times ein kompletter Hornochse ist, kann man mal wieder an seiner Besprechung zu Louis Leterriers TRANSPORTER 2 sehen. Wie kann ein Mensch diesem hirntoten Spektakel eine dermaßen hohe Bewertung geben und dem durchaus gelungenen Remake von TEXAS CHAINSAW MASSACRE dann keinen seiner gefürchteten Sternchen? Okay, der erste TRANSPORTER war noch ganz spaßig, was seine Actionszenen betraf, denn schließlich war hier auch Corey Yuen am Werk, dazu kam dann noch ein durchaus sympathischer französischer Touch, wobei der Hauptdarsteller Engländer war, nämlich Mr Cool, Jason Statham, der ja auch nur über anderthalb Gesichtsausdrücke verfügt und seit LOCK, STOCK AND TWO SMOKING BARRELS überwiegend mit recht stereotypen Rollenangeboten beglückt wird. TRANSPORTER 2 ist zu Beginn eine komische Trash-Version von MAN ON FIRE ? wo Transporter Frank Martin (Statham) den Chauffeur für den Sohn eines Regierungsbeamten im Drogenbereich spielt, der dann entführt wird ?, die gegen Ende immer mehr in James Bond-Gefilde abdriftet, im Stil von XXX mit vollkommen absurden Actionszenen ? wieder das Werk von Corey Yuen ?, inklusive einer Story mit dem üblichen die Menschheit vernichtenden Supervirus. Was den französischen Touch angeht, der geht diesmal durch die US-Location Miami flöten. An der Action kann man aber durchaus seinen Spaß haben, problematisch sind die Handlungsteile dazwischen, die mal wieder Luc Besson verbrochen hat, der sowohl Drehbuchautor als auch Produzent war und in dessen Händen inzwischen wirklich alles zu Scheiße wird ? allerdings goldene Scheiße. Das Drehbuch (voller denkwürdiger Dialoge wie ?I?m afraid that your flight?s been canceled.? -- ?I?m afraid that you have been canceled!?) könnte aber auch von einem mongoloiden Dreijährigen mit nur einer Gehirnhälfte stammen, was ja auf den Großteil aktueller Blockbuster zutrifft. TRANSPORTER 2 ist visuell veredelter Trash, der sicherlich einen gewissen Unterhaltungswert besitzt, aber letztendlich zu wenig Selbstironie und Grips, um ihn in irgendeiner Weise respektieren zu können. Und das übliche Gefasel bei den Interviews mit den Darstellern im Bonus-Material will dann auch keiner mehr sehen. Da schaue ich mir eher noch mal den ebenfalls von Besson produzierten BANLIEUE 13 an, eine Mischung aus ONG BAK und TRANSPORTER, allerdings hört man da noch wirklich die Knochen krachen ? warum ist der eigentlich noch nicht auf Deutsch raus? (Universum)
Doug Limans MR. & MRS. SMITH zeigt allerdings, dass die Verbindung von wenig realitätsnaher Action und einem nicht völlig stumpfem inhaltlichen Witz durchaus gut funktionieren kann, auch wenn der Film sich letztendlich nur aus Motiven von TRUE LIES, THE WAR OF THE ROSES, GROSSE POINTE BLANK oder THE LONG KISS GOODNIGHT zusammensetzt. Brad Pitt und Angelina Jolie sind John und Jane Smith, also wie auch im richtigen Leben ein Pärchen, die allerdings eine Doppelexistenz führen, von der der Partner aber nichts weiß, denn beide sind Profikiller. Problematisch wird es, als beide aufeinander angesetzt werden, was allerdings ihrer langweilig gewordenen Ehe einen neuen Kick verschafft. Und nachdem man THE WAR OF THE ROSES-like das eigene Haus in Schutt und Asche gelegt hat, kann man dann in schöner Zweisamkeit mit den wahren Bösewichtern abrechnen. MR. & MRS. SMITH ist also im Prinzip ein ironisch auf die Spitze getriebenes Ehedrama, wo nicht der Therapeut die Probleme wieder gerade biegt, sondern herumfliegendes Blei und andere lebensbedrohliche Faktoren für das nötige Salz in der Suppe sorgen. Nach durchaus ansprechenden Filmen wie SWINGERS und GO hätte ich mir zwar gewünscht, dass Limans Hollywood-Karriere vielleicht eine etwas anspruchsvollere Richtung einschlägt, aber MR. & MRS. SMITH ist deutlich besser als der öde THE BOURNE IDENTITY mit dem unerträglichen Matt Damon, wo eigentlich nur Limans gutes Gespür für rasante Actionszenen zum Tragen kam, das auch hier großen Anteil am Gelingen des Films hat. Ebenso wie die Chemie zwischen Pitt und Jolie natürlich, ohne die MR. & MRS. SMITH sicher nicht so gut funktionieren würde, wie er es nun mal tut. Nichts für die Ewigkeit, aber sicher einer der Blockbuster der letzten Zeit, den man sich ohne Reue anschauen kann, und erst recht auf DVD. (Kinowelt)
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