ANTIKÖRPERDeutschland 2005
An sich ist man gut beraten, einfach die Finger von Serienkillerfilmen zu lassen, das kann eigentlich nur in die Hose gehen. Insofern ist Christian Alvarts ANTIKÖRPER (Kinowelt) von 2005 eine durchaus erfreuliche Angelegenheit, zumal für einen deutschen Film, wie es auch schon bei Robert Schwentkes TATTOO der Fall war. Nach seinem kleinen Indie-Thriller CURIOSITY & THE CAT präsentiert uns Alvart mit gut 120 Minuten direkt ein Serienkiller-Epos, das zwar versucht, auf die üblichen Stereotypen zu verzichten, aber letztendlich auch nur eine teutonische, überkonstruierte Mischung aus SILENCE OF THE LAMBS und SEVEN ist. Den Hannibal Lecter gibt ein gewisser Gabriel Engel, der nach seiner spektakulären Verhaftung zu Beginn des Films in einer nicht ganz so gut gesicherten Zelle sitzt und tiefschürfende Dinge wie ?Das Böse ist ein Virus? zu berichten weiß. Da beginnt auch schon das Problem des Films, denn einerseits soll Engel die Banalität des Bösen verkörpern, gleichzeitig reicht seine übermenschliche kriminelle Triebkraft beinahe dazu aus, das Leben eines biederen, naiven Kleinstadtpolizisten (Wotan Wilke Möhring) aus Mecklenburg-Vorpommern zu zerstören, der eigentlich nur herausfinden wollte, ob Engel auch für den Mord eines Mädchens aus seinem Dorf verantwortlich ist. Irgendwie schwebt sowieso über allem der schwere Atem des Katholizismus ? Gabriel Engel, wirklich sehr witzig ?, was bei Alvart auf einen Showdown hinausläuft, der noch mal locker die biblische Dimension von SEVEN weit hinter sich lässt. Und für den Kleinstadtbullen Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) ist Engel quasi die Schlange aus dem Paradies, die ihn in der Großstadt Berlin ständig in Versuchung bringt und mit seinen eigenen dunklen Abgründen konfrontiert. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ANTIKÖRPER ist einer der besten und spannendsten deutschen Thriller der letzten Jahre, der bei seinem Versuch, originell zu sein, aber insgesamt zu weit übers Ziel hinausschießt, letztendlich doch im üblichen postmodernen Genrekino-Allerlei stecken bleibt und mit schaler Küchenpsychologie aufwartet. Alvart hat es zumindest versucht und sein Scheitern in gewissen Aspekten macht den Film nur sympathischer, der zwar immer typisch deutsch wirkt, aber sich durchaus mit internationalen Produktionen messen kann, das gilt für die Schauspieler, wie für die visuelle Seite. |